Gelebte Theorie und Praxis

Ein Leben geprägt von Musik und intellektueller Neugier.
FUSSACH „Der Pessimist ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst“, lautet das Motto von Professor Dr. Kurt Zischg (67), wie er gegenüber den VN ausführt. „Geistige Zärtlichkeit überschreitet die Grenzen des Persönlichen und schöpft aus dem Unermesslichen“ ist sein intellektueller Leitgedanke.
Das Leben von Kurt Zischg ist von intellektueller Neugier und Musik geprägt, sein Bildungsweg ist außergewöhnlich und beeindruckend. Im Alter von knapp 68 Jahren hat er nun seinen Ruhestand angetreten und erfreut sich vor allem an seinen zwei Enkelkindern. Er publiziert weiterhin betriebswirtschaftliche Arbeiten und hat jetzt Zeit für seine Musik. Kurt Zischg lebt in Fußach.
Beruflich war er nach einer Laufbahn als Berufsmusiker zehn Jahre geschäftsführender Direktor beim Arbeitskreis für Vorsorge und Sozialmedizin, 20 Jahre in leitender Position bei Ölz-Meisterbäcker, über zwanzig Jahre selbstständiger Unternehmensberater sowie über 25 Jahre haupt- und nebenberuflich Universitätslehrer. Darunter an der Wirtschaftsuniversität Wien, an der University of Applied Sciences (Fachhochschule) Salzburg und die letzten zwölf Jahre an der Universität Liechtenstein.
Kurt Zischg kam 1955 in St. Johann in Tirol zur Welt. Elternlos und in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, musste er seinen Weg finden. Nach seinem ausgezeichneten Pflichtschulabschluss wollte er in eine weiterführende Schule gehen, doch das Jugendamt hatte für ihn eine Lehre als Bürokaufmann vorgesehen.
Mit 15 Jahren entdeckte er sein musikalisches Talent. Durch Selbststudium schaffte er es in drei Jahren, in Spanien bei einer internationalen Band als E-Bassist engagiert zu werden.
Mit 22 Jahren kam er nach Vorarlberg, heiratete und wurde Vater dreier Töchter. Auch hier hat er musiziert, so bei der Tanzband „Trocaderos“ oder „Sigi’s Konzett Jazz Quartett“. Zuletzt war er Bandleader der eigenen Soul- und Funkband „Groove-Tempel“.
„Nachdem ein Musikstudium der Richtung Jazz in und im Umkreis von Vorarlberg damals nicht möglich war, entschied ich mich für einen anderen Werdegang und begann nach meiner Berufsmusikerlaufbahn als kaufmännischer Mitarbeiter“, erinnert sich Zischg.
Seit seinem Pflichtschulabschluss hat er alle seine Ausbildungen neben einem Vollzeitjob absolviert. Nach der Lehrabschluss- und Berufsreifeprüfung erwarb er mehrere akademische Grade im Bereich der Wirtschaftswissenschaften in Deutschland und Österreich. Mit 42 Jahren promovierte er zum Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Graz. 2001 erwarb er die Hochschul-Professur.
Auch nach seiner akademischen Karriere forschte er weiter. Seine zuletzt publizierten und zugleich bedeutsamsten Arbeiten sind „Controlling im Nonprofit-Sektor“ sowie „Investitionsrechnung in erwerbswirtschaftlichen Unternehmen“. Sie erschienen 2018.
Nach der Devise „Nichts ist praktischer als eine gute Theorie“ war es ihm nach eigenen Worten stets ein Anliegen, theoretische Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Daher verfasste er 2013 auch ein Praxishandbuch zum Thema „Investition“, das zu einem Standardwerk wurde.
Außerdem hat sich Kurt Zischg im Vorstand der Industriellenvereinigung Vorarlberg engagiert. Seine zahlreichen Publikationen wurden mehrfach ausgezeichnet. So war er Gewinner des großen österreichischen Beratungs- und IT-Preises „Constantinus Award 2003“ in der Kategorie „Controlling & Accounting“. EE
Zur Person
Kurt Zischg
GEBOREN 19. Februar 1955 in St. Johann in Tirol
AUSBILDUNG Berufsmatura, Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
BERUFLICHER WERDEGANG Berufsmusiker, Geschäftsführer und Universitätslehrer
FAMILIE verheiratet, drei Kinder, zwei Enkel