Spritverbrauch stark gesunken

Durch Preisschock zeichnet sich Beschleunigung ab: Elektroautos gefragt wie noch nie.
SCHWARZACH Infolge des Nahostkriegs sind Spritpreise explodiert. Das ist für Autofahrer, die auf Benzin oder Diesel angewiesen sind, schmerzlich, damit geht aber auch etwas ganz anderes einher: Die Energiewende dürfte endgültig auch im Verkehrsbereich ankommen. Die Nachfrage nach Elektroautos ist im März schlagartig gestiegen. Martin Reis, Leiter des Vorarlberger Energieinstituts, geht davon aus, dass es zu einem ähnlichen Phänomen wie bei der Gaskrise vor vier Jahren kommen könnte, als plötzlich viel mehr Haushalte auf Pellets und Wärmepumpen setzten: “Das war ein Weckruf.”
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Grundsätzlich geht der Spritverbrauch schon länger zurück. Und zwar stark, wie einer Energiebilanz der Statistik Austria zu entnehmen ist: 2019 erreichte er mit 318.000 Tonnen hierzulande seinen Höhepunkt. Zuletzt, im Jahr 2024, war er mit 254.000 Tonnen schon um ein Fünftel niedriger.
Allerdings: Zum Rückgang beigetragen habe vor allem nachlassender Tanktourismus, wie Reis betont. Hintergrund: Was als Verbrauch bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit der Absatz, der über die Tankstellen erfolgt; und hier eben auch an Lenkerinnen und Lenker aus dem Ausland, die das noch immer niedrigere Preisniveau hierzulande ausnützen – mit nachlassender Tendenz zwar, aber doch.

Außerdem sinkt der Spritverbrauch laut Reis aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage. Darüber hinaus falle jedoch ins Gewicht, dass Verbrenner immer effizienter werden, mehr öffentliche Verkehrsmittel genützt werden und schließlich zunehmend Elektromobilität gefragt ist.
Auch Darko Markovic vom ÖAMTC Vorarlberg nennt diese drei Punkte und erklärt etwa, dass moderne Dieselautos im Verbrauch heute häufig bei rund 6,4 Litern pro 100 Kilometer liegen würden, während es sich früher um sieben Liter gehandelt habe. Daneben schreite die Elektrifizierung voran, insbesondere im gewerblichen Bereich.
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Durch den gegenwärtigen Spritpreisschock scheint sich das jetzt sogar massiv zu beschleunigen. “Die Hoffnung besteht”, sagt Martin Reis: “Ganz eindeutig.” Zahlen aus der offiziellen Zulassungsstatistik untermauern dies: Im gesamten Pkw-Bestand sind noch immer reine Verbrenner bestimmend, liegt der Anteil der Elektroautos nur in einem einstelligen Prozentbereich. Im März aber sind hierzulande insgesamt 609 Hybrid- sowie 405 Elektroautos neu zugelassen worden. Das waren viel mehr als “Benziner” (321), geschweige denn Diesel-Pkw (167). “Wir beobachten schon länger den Trend hin zu Hybridfahrzeugen und Elektromobilität”, berichtet Michael Hollersbacher, Fachgruppen-Geschäftsführer Fahrzeughandel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg: Aktuell habe sich das verstärkt. Wobei auch steuerliche Vorteile dazu beitragen würden. So ist für ein Elektroauto keine Normverbrauchsabgabe (NoVA) fällig.
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Um die nötige Stromversorgung muss man sich laut Reis keine Sorgen machen: “Elektroautos brauchen im Betrieb sechs-, siebenmal weniger Energie. Wenn man den gesamten Verkehr im Land auf Elektromobilität umstellen würde, hätten wir eine Steigerung des Strombedarfs um nur zehn Prozent.” Das wäre bewältigbar.
Beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht man die Notwendigkeit, für eine Wende im Verkehrsbereich auch das Angebot an Bahn und Bus sowie die Radinfrastruktur verstärkt zu verbessern und das betriebliche Mobilitätsmanagement zu forcieren. Gegenüber anderen Bundesländern habe Vorarlberg einen Startvorteil – aber auch hier gebe es noch Potenzial, so VCÖ-Sprecher Christian Gratzer.