Vernachlässigte Herzklappen

Gesund / 01.10.2021 • 11:16 Uhr
Ruft zur Herz-Vorsorge auf: Prof. Christian Hengstenberg.
Ruft zur Herz-Vorsorge auf: Prof. Christian Hengstenberg.

Bewusstsein für Herzklappenfehler nur sehr schwach ausgeprägt.

Wien In Österreich leidet in etwa jeder Achte über 75 an einer Herzklappenerkrankung, und das meist unentdeckt! Symptome wie Schwindel, Müdigkeit, geringe Belastbarkeit werden häufig mit normalen Alterserscheinungen verwechselt. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung verhindert Folgeerkrankungen des Herzens und verbessert nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebensdauer des Patienten.

Das Bewusstsein über Herzklappenfehler ist in Österreich nur sehr schwach ausgeprägt. Zwar haben laut einer Umfrage gut 80 Prozent schon einmal von Herzklappenerkrankungen gehört, aber weniger als die Hälfte konnte die Symptome korrekt zuordnen. „Es gibt verschiedene Symptome, die auf Herzklappenfehler hindeuten. Luftnot bei Belastung ist etwas, was immer auffällig ist, besonders, wenn man Dinge nicht mehr so machen kann, wie man sie bisher gemacht hat. Ein sehr schwerwiegendes Symptom ist ein Ohnmachtsanfall. Auch ein Engegefühl in der Brust kann darauf hindeuten, dass die Durchblutung des Herzens nicht ausreichend gut ist“, erklärt Prof. Christian Hengstenberg, Leiter der klinischen Abteilung für Kardiologie an der Universitätsklinik Wien und am AKH Wien.

Alterungsprozess

Die beiden häufigsten Herzklappenfehler sind die Aortenstenose und die Mitralinsuffizienz. Bei der Aortenklappe führt meist ein Alterungsprozess dazu, dass die Herzklappe steifer wird und sich dort Kalk einlagert. Dadurch kann sich die Aortenklappe nicht mehr gut öffnen und weist eine Einengung auf. „Ein Herzklappenfehler, der durch eine Schädigung der Herzklappe, etwa der Aortenklappe, verursacht wird, wird sich nicht von selbst zurückbilden. Wenn Patienten jedoch aufgrund einer eingeschränkten Herzfunktion eine Mitralinsuffizienz haben, kann sich diese Mitralinsuffizienz bessern, wenn sich die Herzfunktion erholt.“, ergänzt Prof. Raphael Rosenhek, Leiter der Ambulanz für erworbene Herzklappenerkrankungen am AKH Wien.

Für eine bessere Chance auf ein langes Leben bei guter Gesundheit empfehlen beide Kardiologen, ab dem 60. Lebensjahr mindestens einmal im Jahr das Herz mit einem Stethoskop abhören zu lassen, zum Beispiel bei der Gesundenuntersuchung. „Diese wird vom Hausarzt durchgeführt und ist sehr wichtig, da beim Abhören ein Herzgeräusch festgestellt werden kann, welches einen Hinweis auf einen Herzklappenfehler liefern kann. Die Diagnose wird danach mittels eines Herzultraschalls, welches von Kardiologen durchgeführt wird, gesichert“ erläutert Rosenhek.

Regelmäßige Kontrolle

Viele Herzklappenfehler sind leicht und bedürfen nur einer regelmäßigen Kontrolle. Eine medikamentöse Therapie kann Symptome lindern. Häufig ist jedoch eine rechtzeitige Reparatur oder ein Ersatz der Herzklappe notwendig, um einen bleibenden Schaden des Herzens abzuwenden und eine normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität zu erhalten.

Prof. Raphael Rosenhek leitet im AKH Wien die Herzklappenambulanz. 
Prof. Raphael Rosenhek leitet im AKH Wien die Herzklappenambulanz. 
Ab einem gewissen Alter sollte das Herz wenigstens einmal im Jahr abgehört werden.adobe stock
Ab einem gewissen Alter sollte das Herz wenigstens einmal im Jahr abgehört werden.adobe stock