Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Einfach zum Nachdenken

Gesund / 09.10.2020 • 10:06 Uhr

Es gibt vieles im Leben, über das es sich lohnen würde, nachzudenken. Kleine Dinge haben ebenso ein Maß an Aufmerksamkeit verdient wie große. Ein Beispiel gefällig?

Im vergangenen Jahr bekam ich von meiner Schwester zum Geburtstag eine Amaryllis geschenkt, tiefrot und unverschämt üppig blühend. Immer wieder trieb sie neue Knospen aus, entfaltete ihre ganze Pracht. Grad so, als ob es für sie kein Morgen mehr gäbe. Diesbezüglich machte ich mir, offen gestanden, auch keine große Hoffnung. Solche Weihnachtsblüher übers Jahr zu bringen, zählt nicht gerade zu meinen Stärken. Dann fragte ich mich: Warum nicht einmal probieren und machte mich im Internet schlau. Monat für Monat tat ich, was Leute mit einem besseren grünen Daumen empfahlen.

Es ging schon in Richtung Frühling, als es hieß, das, was von der einst prächtigen Blume noch übrig war, dem Dunkel zu überantworten. In einem kleinen Kellerraum überließ ich sie ihrem Schicksal. Ohne Licht, ohne Wasser und irgendwann auch ohne noch einen Gedanken an das Gewächs zu verschwenden. Dabei schaue ich gar nicht so selten in diesem Raum vorbei. Ab und an gibt es dort immer etwas zu holen. Den Rest der Amaryllis übersah ich allerdings. Bis unlängst. Da kreuzte etwas meinen verwunderten Blick. Richtig, es waren die ersten Ausläufer der wiedererstandenen Amaryllis. Sie sieht noch etwas blass aus, wächst und gedeiht aber wieder. Ohne Wasser, ohne Licht. Was ich Ihnen mit dieser kleinen Geschichte sagen möchte? Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur. Schauen wir deshalb gut auf sie, auch auf das Kleine, das sie hervorbringt.

Marlies Mohr

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