Impfen, ja oder nein?

Gesund / 21.08.2020 • 09:44 Uhr
Laut der Umfrage sind die Impfbefürworter in Österreich mit 74 Prozent klar in der Überzahl. 49 Prozent würden die Covid-19-Impfung sofort in Anspruch nehmen.
Laut der Umfrage sind die Impfbefürworter in Österreich mit 74 Prozent klar in der Überzahl. 49 Prozent würden die Covid-19-Impfung sofort in Anspruch nehmen.

So stehen die Österreicher zur aktuellen Impfdebatte.

Schwarzach Soll es eine Impfpflicht geben? Welche Gründe sprechen dafür? Welche dagegen und warum? Das digitale Markt- und Meinungsforschungsinstitutes Marketagent hat 501 Österreicher zu den verschiedensten Themen rund um das Impfen befragt. Das Ergebnis: Insgesamt ist den meisten Befragten die Relevanz von Impfungen bewusst, Sorgen vor möglichen negativen Folgen bergen jedoch Potenzial für Verunsicherung, einer Impfpflicht stehen sie sehr gespalten gegenüber.

„Insbesondere das Schlagwort ,Impfpflicht’ ruft polarisierende Reaktionen hervor. Knapp ein Viertel befürwortet diese ohne Kompromisse, mehr als jeder Zweite plädiert jedoch für eine verhältnismäßige Regelung“, resümiert Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent. Eine Impfpflicht sei sinnvoll, aber nur für gefährliche Krankheiten wie Masern oder Diphterie, glauben 53,3 Prozent. Gut ein Fünftel könnte dieser gar nichts abgewinnen (22,6 Prozent).

In der Überzahl

Laut der Umfrage sind die Impfbefürworter in Österreich aber klar in der Überzahl. Knapp drei Viertel der Befragten würden sich dieser Gruppe zuordnen (74 Prozent). Dem gegenüber steht jedoch ein Viertel, das sich tendenziell als Impfgegner positioniert (26 Prozent). Interessanterweise herrscht dabei unter den Frauen etwas mehr Skepsis (71 Prozent) als unter den Männern (76 Prozent). Gut sieben von zehn Österreichern teilen demnach die Sorge, dass eine zu geringe Durchimpfungsrate zu einem erneuten bzw. verstärkten Auftreten dieser Erkrankungen führen könnte (72 Prozent). Impfungen seien außerdem wichtig, um Risikogruppen vor einer möglichen Ansteckung schützen zu können (70 Prozent). Jeweils mehr als sieben von zehn Befragten sprechen sich für bestimmte verpflichtende Impfungen für den Kindergarten- (73 Prozent) und Schulbesuch (72 Prozent) aus.

Sorgen

Das Impfen ruft allerdings nicht ausschließlich wohlwollende Reaktionen hervor. So zweifelt jeder dritte Befragte grundsätzlich an dessen Sinnhaftigkeit. Viele Erkrankungen seien so selten, dass es nicht nötig sei, sich dagegen zu impfen (33 Prozent). Ein Fünftel der Österreicher ist außerdem der Meinung, dass ungeimpfte Kinder ohnehin gesünder seien und ein stärkeres Immunsystem hätten (20 Prozent). Gleichzeitig löst das Thema so manche Ängste und Sorgen aus. Gut jeder Vierte befürchtet gefährlichere Nebenwirkungen durch den Impfstoff als durch die Krankheit selbst (27 Prozent) oder eine mögliche krebserregende Wirkung der Inhaltsstoffe (26 Prozent). Dass Impfungen zu Autismus führen könnten, glaubt mehr als ein Zehntel der Befragten (14 Prozent).

Covid-19-Impfstoff

Vor etwa einer Woche wurde in Russland der erste Impfstoff gegen Covid-19 zugelassen. Doch planen die Österreicher, die Impfung auch sofort in Anspruch nehmen? Diese Frage spaltet offenbar die Bevölkerung. Knapp die Hälfte der Befragten vertraut auf dessen Sicherheit und würde sich vermutlich impfen lassen (49 Prozent). 17 Prozent sind völlig überzeugt, unter den ersten Geimpften zu sein, sobald dies in Österreich möglich ist. Dabei treten klare Geschlechter- und Altersunterschiede zutage, wobei sich unter den Männern und Personen ab 40 Jahren ein deutlich höherer Anteil impfen lassen würde. Für die Impfung spricht für die Befragten einerseits der eigene Schutz vor einer Infektion (65 Prozent), andererseits aber auch der Beitrag zum Aufbau einer Herdenimmunität (52 Prozent). 45 Prozent sehen es als gesellschaftliche Verpflichtung an, sich impfen zu lassen, 43 Prozent wollen Personen der Risikogruppen nicht anstecken.

Dem gegenüber steht die andere Hälfte der Teilnehmer, die von der Impfung eher Abstand nehmen würde (51 Prozent). Der klare Hauptgrund ist dabei für das fehlende Vertrauen in einen Impfstoff (64 Prozent). Mögliche Nebenwirkungen werden befürchtet (32 Prozent), besonders Frauen äußern hier Bedenken (37 Prozent). Darüber hinaus ordnen sich drei von zehn Befragten nicht als Teil der Risikogruppe ein und sehen demnach keinen Bedarf für eine Impfung (30 Prozent). Eine Ansteckung wird als nicht so tragisch (26 Prozent) oder gar unwahrscheinlich (21 Prozent) eingestuft.

Ob die Impfung gegen Corona verpflichtend sein soll? Mehr als ein Drittel der Bevölkerung befürwortet dies (36 Prozent), darunter vor allem Männer (40 Prozent) und die Risikogruppe der 60- bis 75-Jährigen (46 Prozent). Ein Fünftel ist zwiegespalten (21 Prozent).