Der Suppentopf auf dem Tisch

Gesund / 09.01.2015 • 11:04 Uhr
Im VN-Gespräch erläuterten Monika Sonnweber und Mario Gonner ihr besonderes Pflegekonzept.  Foto: VN/KH
Im VN-Gespräch erläuterten Monika Sonnweber und Mario Gonner ihr besonderes Pflegekonzept. Foto: VN/KH

Fachleute plädieren für mehr Normalität und Alltag auch in den Pflegeheimen.

Schwarzach. (VN-mm) Vor dem Hintergrund einer nach wie vor steigenden Lebenserwartung ist die Sicherung der Pflege auch für die nächsten Jahrzehnte wohl die größte Aufgabe, der sich Politik und Gesellschaft stellen müssen. Denn die sozialen Netze, welche die häusliche Pflege bisher getragen haben, werden immer dünner und Pflegeheime immer öfter zu Sterbehäusern.

Aber: „Es braucht beides, die stationäre und die Pflege zu Hause“, sagen Monika Sonnweber und Mario Gonner. Hier eine Balance zu finden bezeichnen sie deshalb als besondere Herausforderung. Und sie plädieren dafür, dass Normalität auch in Pflegeheimen gelebt wird.

Freude am Beruf erhalten

Seit über zehn Jahren unterstützen sie Betreiber von öffentlichen Pflegeeinrichtungen bei der Suche nach guten Lösungen. „Als Berater, Trainer oder Manager auf Zeit“, listet Gonner das Angebot der von ihm und Sonnweber gegründeten „Omigo“ auf. Monika Sonnweber kann dabei ihre langjährige Erfahrung als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeschwester einbringen. Sie weiß also um die Schwierigkeiten, die sich für Bewohner und Personal eines Heims auftun können. „Die Grundpflege wird eigentlichen von Menschen geleistet, die nur ein Jahr an Ausbildung haben“, merkt Sonnweber an. Dass es da zu Problemen kommt, ist naheliegend. „Wir möchten das Wissen um die Pflege so vermitteln, dass die Freude am Beruf erhalten bleibt“, skizziert die Expertin ein wichtiges Ziel. „Denn der Erfolg liegt in der Arbeit an der Basis“, sagt Monika Sonnweber.

Alltag möglich machen

In die Praxis übertragen heißt das: Auch in einem Pflegeheim kann Normalität möglich sein. Statt resignierend auf das Ende zu warten, sollen die bei den Heimbewohnern noch vorhandenen Ressourcen mobilisiert und sinnvoll in den alltäglichen Arbeitsprozess integriert werden.

Pflege und Betreuung werden eher als Unterstützung betrachtet. Sonnweber sieht darin Vorteile für beide Seiten: „Das Personal wird zumindest zu einem gewissen Teil entlastet, und die Bewohner haben eine Aufgabe, die ihnen Halt und Selbstbewusstsein gibt.“ Dazu müssen Mitarbeiter und Bewohner jedoch zusammenfinden. Handlungspläne, die Sonnweber und Gonner gemeinsam mit dem Pflegeteam erstellen, ermöglichen das. Und der Blick von außen bringt neue Einsichten.

Heim- und Pflegeleitung

Derzeit ist die „Omigo“ mit ihrem Beratungs- und Betreuungskonzept vornehmlich in Ostösterreich zugange. In Vorarlberg steht als Referenzprojekt das Haus Klosterreben in Rankweil auf der Liste, das sie seit vier Jahren begleiten, auch operativ. Die Gemeinde hat 2010 die Verantwortung für die Pflege wieder selbst übernommen. „Auf der Suche nach Experten hat mich das Konzept von Omigo überzeugt“, berichtet Bürgermeister Martin Summer. Monika Sonnweber und Mario Gonner obliegt im Haus Klosterreben die Heim- und Pflegeleitung. Der Gemeindechef lobt das Arrangement. „Trotz Pflegebedürftigkeit ist die Lebensqualität der Bewohner hoch“, bestätigt er.

Auch das Personal zeigt sich laut den Coaches zufrieden, wenngleich beständige Überzeugungsarbeit gefordert sei. Für Monika Sonnweber ist trotzdem klar: „Wir müssen weg von der institutionellen Ausrichtung der Pflege.“ Der Suppentopf am Tisch, das sei für die meisten Bewohner gewohntes Milieu, das würden sie brauchen. Dieses Begreifen müsse beim Personal immer wieder angestoßen werden. Die Schwerpunkte beim Training bilden Führung und Zielerreichung, Kommunikation, Teamentwicklung sowie Weiterbildungen zur Leistungs- und Potenzialentwicklung.

Omigo kann auch bereits in der Konzeptionierungsphase neuer Einrichtungen einbezogen werden. „Mithilfe der Bau- und Ausstattungsberatung können neue Heime den Anforderungen von Bewohnern und Mitarbeitern angepasst und Problemen im späteren praktischen Betrieb kann vorgebeugt werden“, ergänzt Mario Gonner.