Ein Abend wie damals
Das Radio war klein, die Batterie schon etwas altersschwach, die Musik aus dem Internet heruntergeladen. Kratzend kam die Stimme von Eddie Vedder aus dem winzigen Mikrofon. Trotzdem klang sie im Verbund mit der glutroten Sonne, die am dunstigen Horizont langsam im Meer unterging, geradezu atmosphärisch schön. Auf dem Tisch eine Flasche kühler Weißwein, ein paar Oliven und Erdnüsse. Ein Abend an der Algarve.
Es ist schon einige Jährchen her, seit ich mit meiner Schwester dort war. Aber in letzter Zeit muss ich häufig an diese paar unbeschwerten Urlaubstage denken. An die hübsche Ferienwohnung, das kleine Dorf in der Bucht. An die Steintreppe mit ihren hundert Stufen zum Meer, die ich morgens auf und ab lief, bis ich wohlig geschafft war. Vielleicht sind es die vielen schlimmen Bilder, die schöne von einst so nachdrücklich heraufbeschwören. Zudecken. Verschwinden lassen. Jeder, der vor Ungemach welcher Art auch immer verschont bleibt, kann sich glücklich schätzen. Dankbar, ja demütig sollte man angesichts dessen, was im eigenen Land, in der Welt abgeht, sein. Werden.
Aber vielleicht sehnt man sich auch nur danach, angenehme Erlebnisse zu wiederholen, wenn sich das Hamsterrad des Alltags wieder einmal zu schnell dreht. Wie oft redet man davon, so etwas wieder einmal zu machen. Dies und das für dann und irgendwann ins Auge zu fassen. Wie oft bleibt es beim Reden. Bei guten Vorsätzen. Eigentlich schade. Denn irgendwann kommt die Erkenntnis zu spät.
marlies.mohr@vn.vol.at
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