Gute Nacht? Und guten Morgen?

Gesund / 22.02.2013 • 11:43 Uhr
Ein erholsamer Schlaf ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Stattdessen leiden viele an Schlafstörungen. Foto: fotolia
Ein erholsamer Schlaf ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Stattdessen leiden viele an Schlafstörungen. Foto: fotolia

Gesunder Schlaf kann gelingen. Bei Problemen Auslöser suchen. Behandlung ist möglich.

Rankweil. (hp) Der Schlaf ist an und für sich etwas Selbstverständliches. Der Körper sehnt sich nach ihm und braucht Erholungsphasen. Zeiten des tiefen Schlafes, die für das körperliche, aber auch seelische Wohlbefinden bedeutend sind. Lässt das Sandmännchen jedoch auf sich warten oder wird die Nachtruhe wiederholt gestört, reagieren Körper und Geist. Beeinträchtigungen im Alltag, wie Konzentrationsschwierigkeiten, verminderte Leistungsfähigkeit, Tagesmüdigkeit, Reizbarkeit bis hin zu Depressionen und Angstzuständen quälen den Schlafgestörten.

Sensibilisierung

Gründe dafür gibt es viele. Die internationale Klassifikation benennt an die 90 Auslöser für Schlafstörungen. Dazu zählen Stress, Lärm, Arbeitsgewohnheiten, zu geringe oder zu enorme körperliche Aktivität, Schnarchen mit Atemaussetzer, Begleiterscheinungen anderer Krankheiten, aber auch der zu späte Konsum von Koffein, Nikotin und Alkohol oder üppiges Essen. Gegenstrategien basieren auf Ursachenforschung sowie Sensibilisierung und gezielter Therapie.

3:21 Uhr. Verdammt schon wieder. Das dritte Mal in dieser Woche. Fast zur selben Zeit. Der Körper sehnt sich nach Schlaf. Der Geist ist hellwach. Die Gedanken beginnen zu kreisen: Alles erledigt? Richtig gehandelt? Wer? Wie? Wo? Was? Warum? Weshalb? Auf die andere Seite drehen. Noch ein Blick auf den Wecker. Wieder drehen. Augen zudrücken, Schäfchen zählen, Gedanken stoppen . . .
Am Morgen Kopfbrummen, total gerädert sein – doch man muss funktionieren: bei der Arbeit, zu Hause, in der Freizeit.

Acht-Acht-Acht

Insomnie (Schlaflosigkeit) ist keine Seltenheit. Rund 30 Prozent der Bevölkerung plagen sich mit Schlafstörungen, etwa 50 Prozent davon werden behandelt. Wie aber definiert sich gesunder, ausreichender Schlaf? Primar Dr. Stefan Koppi, Leiter der Neurologischen Abteilung im LKH Rankweil, versucht es in wenige Worte zu packen: „Wenn man frisch und ohne Müdigkeit den Tag bewältigen kann.“ Er spricht dabei von sechs REM-Phasen, die Frau und Mann in einer Nacht durchleben sollte: Zeiten, in denen sie sich im Tiefschlaf mit lebhaften Träumen befinden. Wie lange diese dauern, ist individuell. Primar Koppi grenzt die Zeitspanne ein und spricht von „sechs bis neun Stunden.“ Vom Idealzustand von „8-8-8“ – acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit und acht Stunden Schlaf – meist weit entfernt.

Stressfaktor

Schlafstörung: eine Volkskrankheit? „Ja“, sagt Stefan Koppi und schanzt dem Faktor Stress eine große Rolle zu. „Der heutige Leistungsdruck ist enorm. Wir gehen schneller, als unsere Seele gehen kann. Und wir leben in einer Nervenzeit, wir werden nicht mehr von Bewegung müde.“ Stattdessen sind seelischer und geistiger Stress unsere Begleiter, oft Schlafräuber. Schlafmediziner Dr. Stefan Telser bestätigt: „Wir stehen ständig unter Strom, schlafen, wenn die Arbeit, Fernseher, Internet oder die Freizeit es zulassen und leben dabei gänzlich gegen unsere innere Uhr. Wir wollen Schlaf erzwingen“, führt der Psychiater aus.

Schlafhygiene

Ein Unterfangen, das ohne die innere Bereitschaft nicht gelingen kann. Vielmehr geraten die Schlafgestörten in einen Teufelskreis: „Je mehr sie schlafen wollen und es nicht können, desto angespannter und erregter werden sie. An Nachtruhe ist nicht zu denken.“ In der Schlafmedizin spricht man von psychophysiologischer Insomnie. Eine Schlafstörung, die chronisch werden kann. Schlafhygiene, Entspannung und lernen, „auf sich zu hören“, bekommen daher eine immer größere Bedeutung. In diesem Sinne rät Dr. Telser: „Die eigene Schlafenszeit beachten, Stress reduzieren, sich den Druck, einschlafen zu müssen, nehmen, die Bettzeit verkürzen, mittags einen 20-minütigen Kurzschlaf einlegen.“ Eines will der Schlafmediziner auch klarstellen: „Schlaf sollte einfach passieren. Nehmen Sie Störungen nicht als gegeben hin. Sie sind therapier- und heilbar.“

Schlaftabletten: Wenn möglich nur vorübergehend, weil mit Abhängigkeitspotenzial.
Schlaftabletten: Wenn möglich nur vorübergehend, weil mit Abhängigkeitspotenzial.
Ein Schlafprotokoll kann wertvolle Daten über die Problematik liefern.
Ein Schlafprotokoll kann wertvolle Daten über die Problematik liefern.

Tipps

» Regelmäßige Schlafzeiten/Zubettgehen: Nacht-Wach-Rhythmus einhalten; Toleranzgrenze von 30 Minuten; erst zu Bett gehen, wenn man müde ist.

» Entspannung und Schlafrituale schaffen und einhalten; keine Sorgen mit ins Bett nehmen, den Tag gedanklich abschließen, heitere und freundliche Bettlektüre fördert das Einschlafen.

» Regelmäßige Aktivität: Bewegung am Tag, Abendspaziergang ja, aber keine anstrengenden Betätigungen nach 20 Uhr mehr.

» Essen und Trinken: Kein üppiges Essen am Abend, aber auch nicht hungrig zu Bett gehen; übermäßiger Alkoholkonsum am Abend vermeiden; nach 19 Uhr nicht mehr rauchen; Koffein-Genuss kontrollieren (streng genommen nach zehn Uhr vormittags, spätestens jedoch ab dem frühen Nachmittag keinen Kaffee mehr trinken).

» Schlafmodalitäten: Belüftung und Temperatur beachten (Kippen des Fensters, 16 bis 18 Grad Celsius wird empfohlen); für Ruhe und Abdunkelung im Schlafzimmer sorgen, bevorzugte Schlafposition einnehmen.

» Schlafstörungen: aufstehen, nicht essen, Sorgen aufschreiben, warten bis man schläfrig wird, nicht ständig auf die Uhr schauen.