Wahre und falsche Patrioten

Schriftstellerin Eva Rossmann über ihren neuen Roman “Patrioten”
schwarzach Nationalismus, Terror, Hass – die Angst geht um In Europa. Die preisgekrönte Krimiautorin und Journalistin – bekannt durch ihre aktuell-politischen Mira-Valensky-Krimis – stellt ihren neuen Spannungsroman über Europa am Scheideweg vor.
Vor Ihrer Laufbahn als Autorin waren Sie als Verfassungsjurisin, Journalistin und im PR-Bereich tätig. Wie kam es zum Schwenk ins Schriftstellerfach?
Rossmann Ich habe eigentlich immer schon geschrieben. Und nach meiner Zeit als innenpolitische Journalistin wollte ich in längerer Form etwas über unser Zusammenleben erzählen – so entstanden meine ersten Sachbücher zu Frauenthemen. Nachdem ich den Präsidentschaftswahlkampf der unabhängigen Kandidatin Gertraud Knoll koordiniert hatte, wollte ich eigentlich das nächste Sachbuch schreiben: Über meine hautnahen und doch teilweise überraschenden Erlebnisse im Wahlkampf und über die Wahlkampfmechanismen an sich. Während ich Material gesammelt und gesichtet habe, habe ich mir plötzlich gedacht: Das ist eigentlich der Stoff für einen Krimi. Und so entstand der erste Band der Mira-Valensky-Serie. Er hieß dann auch schlicht und einfach „Wahlkampf“.
Ihre Romane sind überwiegend Krimis. Was reizt Sie an diesem Genre?
Rossmann Heuer habe ich mit „Patrioten“ keinen Kriminalroman veröffentlicht, die Themen Nationalismus, Angstmacherei, Verhetzung und Europa auf dem Scheideweg passen nicht für diese Form. Aber üblicherweise mag ich es, mir ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema zu suchen und es dann zuzuspitzen bis aufs Äußerste: nämlich Leben und Tod. Wobei: Mordfälle stehen bei mir sowieso nie im Mittelpunkt. Ein Kriminalroman kommt sogar ganz ohne Mord aus, das Leben ist manchmal mörderisch genug.
Hauptfigur in Ihren Krimis ist die Journalistin Mira Valensky. Wie viel Eva Rossmann steckt in ihr?
Rossmann Ich habe ihr Teile meiner Biografie geborgt. Aber es trennen uns auch gewisse Eigenschaften. Sie könnte aber eine gute Freundin von mir sein.
Ihr neuester Roman handelt von „Patrioten“. Sehen Sie sich selbst auch als solche?
Rossmann Ich habe den Titel unter anderem deswegen gewählt, weil es sich lohnt, darüber nachzudenken, wer denn ein Patriot ist oder welche Gruppierungen sich warum so nennen. Patriotismus, der alle anderen ausschließt und feindlich betrachtet, finde ich schlimm. Es sind schon zu viele Kriege daraus entstanden. Aber es gibt auch einen fröhlichen entspannten Patriotismus. Ich bin dankbar dafür, in Österreich leben zu dürfen. Es ist kein Verdienst und auch kein Vorrecht, sondern für mich die Verpflichtung, dazu beizutragen, dass wir es gemeinsam noch besser machen – und zwar für alle, die bei uns leben. Dasselbe gilt für meinen Zugang zu Europa. Und: Ich habe meine Heimat im Weinviertel gefunden, ich durfte sie mir frei wählen und das wünsche ich allen Menschen. Übrigens: Ich bin überzeugt davon, dass man auch mehrere Heimaten haben kann und darf.
Zur Person
Eva Rossmann
Wohnort Auersthal im Weinviertel
Familienstand Verheiratet
Lebensmotto Leben und darauf achten, dass auch die anderen gut leben können
Eva Rossmann liest aus ihrem neuen Roman “Patrioten”: Mittwoch, 18. Oktober, Bücherei am Dorfbach Hard, 20 Uhr. Karten: Bücherei und Rathaus Hard.