Erstes unbemanntes Schiff soll Atlantik überqueren

Statt Passagieren hat der Trimaran jede Menge Technik an Bord.
Plymouth Selbstfahrende Autos sind mancherorts bereits auf der Straße unterwegs. Autonom navigierende Schiffe sind hingegen ein Novum: Heute, Samstag, soll das erste seiner Art zur Jungfernfahrt über den Atlantik starten, wenn das Wetter und die britischen Behörden es zulassen. Noch schaukelt der unbemannte Trimaran – ein Schiff mit drei Rümpfen – sanft in der Bucht von Plymouth vor der britischen Küste.
Kapitän KI
Statt Passagieren hat der Trimaran jede Menge Technik an Bord, die Rolle des Kapitäns übernimmt künstliche Intelligenz (KI). Auf seiner dreiwöchigen Reise vom britischen Plymouth nach Plymouth an der US-Ostküste soll das mit Sonnenkollektoren und Roboterruder ausgestattete Schiff die Verschmutzung des Meeres untersuchen, Plastik im Wasser analysieren und Meeressäuger aufspüren.
Noch seien 80 Prozent der Unterwasserwelt unerforscht. Dabei hätten die Ozeane den „stärksten Einfluss“ auf das globale Klima, sagt Brett Phaneuf von der Organisation ProMare und einer der Initiatoren des Projekts. Zahlreiche Technologie- und Dienstleistungsanbieter und hunderte Menschen aus vielen Ländern hätten zu dem Projekt beigetragen, sagt Phaneuf. Ohne diese Zusammenarbeit hätte die „Mayflower 400“ das Zehnfache der von ProMare investierten rund eine Million Dollar (820.000 Euro) gekostet. Die Non-Profit-Organisation will die bei der Atlantiküberquerung gesammelten Daten kostenlos Wissenschaftlern zur Verfügung stellen.
Nach einem Jahr Bauzeit war das 15 Meter lange und neun Tonnen schwere Boot fertig. Die Entwicklung des „Smart Captain“, der künstlichen Intelligenz an Bord, dauerte länger. Der Computer musste erst anhand Tausender Fotos lernen, Hindernisse auf dem Meer zu erkennen. Auf See wurde das Schiff darauf trainiert, Zusammenstöße zu vermeiden. Indem verschiedenste Szenarien durchgespielt werden, könne das Schiff zwischen „sicheren und unsicheren“ Manövern unterscheiden lernen, sagt der Software-Ingenieur Ollie Thompson. Bei Fehlern könne es sich selbst korrigieren „und dadurch selbstständig dazulernen“.
Analysen zur chemischen Zusammensetzung des Wassers, Messungen des Meeresspiegels und das Sammeln von Mikroplastik-Proben gehören ebenso zu den Aufgaben der „Mayflower 400“. Obwohl das Schiff völlig autonom seinen Weg über den Atlantik finden soll, wird es ein Team vom Festland aus rund um die Uhr überwachen – immer bereit, im Notfall dem Kapitän KI beizustehen.