Das Geschäft mit den kostbaren Körnchen

Wissen / 08.09.2017 • 16:23 Uhr
In der Wüste gibt es noch viel Sand, aber dieser entspricht nicht den Qualitätsanforderungen, die zum Bauen notwendig sind.  ap
In der Wüste gibt es noch viel Sand, aber dieser entspricht nicht den Qualitätsanforderungen, die zum Bauen notwendig sind.  ap

Für die Bauindustrie ist Sand der wichtigste Rohstoff

berlin Es sind nur Millimeter große Körnchen, die nach Wasser als wichtigster Rohstoff weltweit gelten: Sand. Kein Rohstoff wird mehr genutzt als Sand und auch Kies, wie aus einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervorgeht. Sand wird in Computern, Handys, Kreditkarten, Putzmitteln, Kosmetikprodukten und vielem mehr verwendet. Mit Sand wird auch Beton hergestellt und ist somit für die Bauindustrie der wichtigste Rohstoff überhaupt. So ist die Nachfrage nach den feinen Körnchen enorm. Das hat zur Folge, dass dieser Rohstoff knapp wird.

„Es gibt weltweit einen riesigen Bedarf an Sand. Man rechnet mit etwa 14 Milliarden Tonnen pro Jahr, mehr als die Hälfte wird in Asien verbraucht“, sagt Kay-Christian Emeis, Leiter am Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht bei Hamburg. Allein in Deutschland werden pro Jahr etwa rund 239 Millionen Tonnen Kies und Sand verbaut.

Um immer neue Gebäude entstehen zu lassen, braucht es nun mal viel Sand. Der französische Filmemacher Denis Delestrac hat 2013 in seiner Arte-Dokumentation „Sand – Die neue Umweltzeitbombe“ auf den globalen Sandhunger aufmerksam gemacht. Im indischen Bundesstaat Maharashtra mit Großstädten wie Mumbai wird Sand NGOs zu­folge illegal abgebaut. Die NGO Awaaz Foundation etwa berichtet über Kinder, die mit ihren bloßen Händen und Eimern unter Lebensgefahr nach Sand tauchen. Awaaz-Gründerin Sumaira Abdulali weist seit Jahren schon auf die Folgen für die Umwelt hin: Zerstörung von Fluss- und Meeresökosystemen, Landerosion und dadurch Schäden an Brücken und anderer Infrastruktur, Gefahren für die Wasserversorgung und den Hochwasserschutz. „Zum Bauen braucht es Sand, wir wissen das. Aber wir bleiben nicht stehen und überlegen, woher der Sand kommt, wie er gefördert wird und wie das Menschen betrifft“, sagt Abdulali.

Selbst Wüstenstaaten wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate sind für den Bau ihrer Hochhäuser auf Sandimporte etwa aus Australien angewiesen. Der Grund: Wüstensand entspricht nicht den hohen Qualitätsanforderungen, wie Mineralzusammensetzung und Korngrößenverteilung, die zum Bauen notwendig sind. So zeigt sich auch beim Sand das Los vieler natürlicher Rohstoffe: Sie sind endlich und es dauert lange, bis sie sich aufbauen.

Bauschutt statt Sand

Um den Rohstoff zu schonen, arbeiten Wissenschaftler daran, Bauschutt zu recyceln. Doch Baustoffexperten machen sich keine großen Hoffnungen auf schnelle Erfolge. Die Entwicklungen in diesem Bereich seien nämlich  langsam.

„Wir überlegen, woher der Sand kommt, wie er gefördert wird und wie das Menschen betrifft.“