Streit um Wasser: Grüne Liga blockiert Red-Bull-Dosenproduzent

Markt / 03.02.2026 • 16:14 Uhr
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Rund 3,3 Milliarden Dosen sollen in Zukunft im Werk des größten Dosenerzeugers der Welt in Brandenburg produziert werden. FA

Vorarlberger Getränkeproduzent und Energy-Drink-Marktführer vor Erweiterung des deutschen Produktionsstandortes: Umweltverband klagt gegen Bebauungsplan der Standort-Stadt.

Baruth, Nüziders Im April 2022 war in der brandenburgischen Stadt Baruth der Schreck groß. Die Altmühltaler Mineralbrunnen, Eigentümer des Urstromquelle-Baruth-Werks, gab vor knapp vier Jahren die Schließung des Werkes, das eines der größten Abfüll-, Logistik- und Distributionszentren in Europa war, bekannt. Alle 300 Mitarbeiter sollten laut Altmühltaler Mineralbrunnen gekündigt werden. Eine Katastrophe in der strukturschwachen Region, die rund 65 Kilometer südlich von Berlin liegt.

Mit offenen Armen

Als der Rankweiler Getränkehersteller Rauch und Red Bull das Werk übernahmen, wurden sie in Baruth mit offenen Armen empfangen. Bürgermeister Peter Ilk hoffte auf den Erhalt der Arbeitsplätze. Erleichtert war auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach. “Die Ansiedlung von Red Bull und Rauch Fruchtsäfte ist eine hervorragende Nachricht. Für Baruth, für ganz Brandenburg und vor allem für die Beschäftigten am Standort”, so der Minister. Und nicht nur das.

Der Produktions- und Distributionsstandort Baruth ist noch in Betrieb.  Fa/Altmühltaler
Der Produktions- und Distributionsstandort Urstromquelle Baruth zum Zeitpunkt der Übernahme. Nun wird kräftig ausgebaut – 400 neue Arbeitsplätze entstehen. FA

Im Jahr 2023 wurde die Produktion aufgenommen, 2025 stellten die Betreiber ihre Pläne für den Ausbau des Werks vor. Mit der Erweiterung werden auch 400 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Stadt Baruth erteilte bereits die Baugenehmigung für den neuen Produktionscampus, auf dem auch ein Werk des Dosenlieferanten Ball entstehen soll – allerdings auf eigenem Boden und in eigener Verantwortung des Dosenherstellers. Damit wäre man deutlich umweltfreundlicher, als wenn die Dosen mit Lastwagen und Eisenbahn von anderen Werken des Alu-Dosen-Multis nach Baruth chauffiert werden müssten.

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Ball-International-Manager Welf Jung rechnet damit, den Bau nach dem Gerichtstermin am 16. Februar fortsetzen zu können.

So weit, so gut: Nun aber hat der Umweltverband Grüne Liga Brandenburg einen vorläufigen Baustopp erwirkt, nicht direkt gegen Red Bull, Rauch und Ball, sondern gegen die Stadt Baruth. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg habe einen Normenkontrollantrag erhalten. Zugleich beantragte der Verband, den Bebauungsplan der Stadt vorläufig außer Vollzug zu setzen.

“Außer Vollzug”

Dieser Bebauungsplan wird bis zum 16. Februar außer Vollzug gesetzt. Dann wird das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eine Entscheidung gefällt. “Wir gehen davon aus, dass zugunsten der Stadt entschieden wird”, sagt Welf Jung, Vice President Global Keyaccount Management der Ball Corporation, im Gespräch mit den VN. Auch Rauch-CEO Jürgen Rauch sieht dem Gerichtstermin optimistisch entgegen, wie er auf Anfrage erklärt. Nun hat die Stadt Baruth knappe zwei Wochen Zeit zur Stellungnahme. “Was wir tun können”, so Jung, “ist, der Stadt zu helfen, die unabhängig erstellten Gutachten zusammenzutragen.” Der Einspruch der Grünen Liga umfasst immerhin rund 80 Seiten. Auch wenn es dabei um die Rodung des Grundstücks geht, Fokus der Grünen Liga ist der Wasserverbrauch für die Aludosen-Produktion.

Streit um Wasser: Grüne Liga blockiert Red-Bull-Dosenproduzent

Der Vorsitzende des Verbandes, Heinz-Herwig Mascher, warnt davor, dass das für die Herstellung genehmigte Trinkwasser – rund 2,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr – nicht nur zur Produktion der Getränke, sondern auch der Dosen verwendet werden könnte. Die genehmigte Wassermenge für die Abfüllung ist unter den neuen Betreibern übrigens stark zurückgegangen, von 6500 Kubikmetern täglich, die unter dem früheren Eigentümer gefördert wurden, auf 5500 bis 6000 Kubikmeter. Der Verbrauch werde außerdem genau überwacht, teilt Frank Zierath, Leiter des städtischen Wasserversorgers WABAU, mit.

“Hausaufgaben gemacht”

Für die Dosenproduktion wird, so Ball-Manager Welf Jung, natürlich Wasser gebraucht, doch “wir brauchen kein zusätzliches Wasser, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und jeden Schritt offen kommuniziert.” Jung hofft, dass die für den Ausbau benötigte Waldfläche ab dem 17. Februar gerodet werden kann, damit im März mit dem Bau des Werks begonnen werden könne. Wenn nicht, bedeute das eine Bauverzögerung von rund sieben Monaten.