Nikolaus mal anders

Nikolausexperte Mario Bitschnau hat schon einen Coronaplan.
Düns Corona hat auch das Leben von Nikolaus und Co. ordentlich durcheinandergewirbelt. Die traditionelle Schulung, die alle zwei Jahre von der Jungen Kirche Vorarlberg organisiert wird, fand heuer erstmals im Distance Learning statt. Bald ist der von vielen bereits heiß ersehnte Nikolausabend da. Doch zieht der Mann mit dem weißen Rauschebart heuer überhaupt von Haus zu Haus? „Ja“, versichert Nikolausexperte Mario Bitschnau, allerdings nicht so wie gewohnt und überall etwas anders.
Mario Bitschnau und den Nikolaus verbindet eine lange Freundschaft. Der Dünser ist seit 23 Jahren als Darsteller unterwegs. In den vergangenen Jahren besserte er sein Wissen regelmäßig in der Nikolausschule auf. Heuer war er erstmals als Referent im Einsatz und gab den über 40 Teilnehmern gemeinsam mit Theologe Hanspeter Sutterlüty Tipps, wie der Besuch für alle zu einem besonderen Erlebnis werden kann. Auf was kommt es an? Was ist die Grundbotschaft des Heiligen? Wie geht man mit einer beschlagenen Brille oder niedrigen Räumen um? Was ist die beste Steh- oder Sitzposition und was die optimale Bartfarbe oder Stimmlage?
Greifbar
„Im Gegensatz zum Osterhasen oder dem Christkind ist der Nikolaus greifbar und sichtbar. Die leuchtenden Kinderaugen zu sehen und mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und über den Nikolaus zu reden, ist einfach etwas Wunderschönes“, schwärmt der 40-Jährige von seiner Tätigkeit. Was ihn besonders freut, ist, dass der Knecht Ruprecht in den letzten Jahren sein schlechtes Image losgeworden ist und der Nikolaus grundsätzlich nicht mehr derjenige ist, der tadelt.
„Früher hat man immer vom Krampus geredet, der die Kinder mitunter sogar mitnimmt, wenn sie nicht brav sind. Wir haben geschafft, dass wir davon weggekommen sind. Bei uns im Dorf gibt es den Knecht Ruprecht und der ist alles andere als böse und negativ. Er begleitet den Nikolaus, damit er nicht allein ist, leuchtet ihm den Weg und hilft ihm, die Geschenke zu tragen“, führt er aus. Dass der Nikolaus dem Kind sagt, dass es nicht mehr in die Hose machen darf oder mehr folgen soll? Für Mario Bitschnau ein absolutes No-Go. Doch auch hier kann der zweifache Vater einen durchaus positiven Trend erkennen. Weg vom Erzieher hin zu demjenigen, der die Botschaft von Jesus überbringt. „Vom Zusammenhalten, vom Liebsein zueinander und vom Teilen. Der Nikolaus soll die positiven Eigenschaften der Kinder hervorheben, das ist ganz wichtig.“
Kontaktloser Nikolaus
Die brennendsten Fragen bei der Schulung waren: Unterliegt der Nikolaus den Lockdown-Maßnahmen und wie kann ein Besuch unter den heurigen, besonderen Bedingungen überhaupt aussehen?
„Ich mache es so, dass ich das Nikolausgewand anziehe und eine Runde durchs Dorf laufe, damit mich die Kinder, die ich heuer besucht hätte, zumindest sehen, und dass ich vielleicht die bereitgestellten Säckle vor die Tür stelle und an die Tür klopfe. Ich werde auch einen Brief für die Kinder dazutun, den sie nachher mit den Eltern lesen können“, verrät Mario Bitschnau, der in seinem „Zweitberuf“ als Polizeibeamter beim Landeskriminalamt arbeitet. Andere Nikoläuse schicken den Kindern Videobotschaften, einige wenige sagen den Besuch vermutlich ganz ab. Notfallideen für ein schönes Nikolausfest mit der Familie gibt es auf www.junge-kirche-vorarlberg.at/nikolaus. VN-ger
Zur Person
Mario Bitschnau
ist seit 23 Jahren als Nikolausdarsteller unterwegs
Geboren 5. Februar 1980
Wohnort Düns
Beruf Polizeibeamter beim Landeskriminalamt Vorarlberg (Ermittlungsbereich Betrug)
Ausbildung VS Düns, HS Satteins, Landwirtschaftsschule, Maurerlehre, Polizeischule, Ausbildung zum dienstführenden Beamten
Familie verheiratet, zwei Töchter
(9 und 11)
Hobbys Familie, Kochen, Singen, Natur, Biken, Fischen