Herr der Lüfte

Schon als zehnjähriger Bub wollte Walter Mayer nur eines: Drachenfliegen.
Egg Er grinst, wenn er die Frage hört, wann er das erste Mal mit Drachenfliegen in Berührung gekommen ist. „Schon lange her“, sagt Walter Mayer und schmunzelt. Im zarten Alter von zehn Jahren sei es gewesen, erinnert er sich an die Titelkämpfe 1976 in Andelsbuch. „Holzlatten, Stoffdecken haben wir zusammengetragen und dann haben auch wir versucht, über den Bühel hinunterzuspringen.“ All das seien rückblickend eher Lausbubenstreiche gewesen. „Das hat damals nicht wirklich nach Fliegen ausgesehen.“
Und auf die Nachfrage, ob die ganze Aktion denn auch funktioniert hat, antwortet Mayer heute ganz nüchtern: „Nein, das hat zum Glück nicht funktioniert. Ich habe es nie geschafft, mit dieser Konstruktion abzuheben.“ Aber als Jugendlicher habe man mit wegspringen den Sport irgendwie imitiert.
In den folgenden Jahren rückte der Gedanke an das Drachenfliegen mehr und mehr in den Hintergrund. Erst beim 20-Jährigen rückte das Fliegen wieder in den Mittelpunkt und der Bregenzerwälder startete richtig durch. Zu Beginn stand eine Ausbildung im Paragleiten. Das sollte dem damals 20-Jährigen schon bald ein wenig zu langweilig werden, wie er im Gespräch verriet. „Zu normal, zu wenig spektakulär.“ Dennoch: Gut zwei Jahre war Mayer mit dem Gleitschirm über den Berggipfeln unterwegs. Zufrieden war der Egger damit nicht, denn: „Mich hat die liegende Position beim Fliegen mit einem Hängegleiter und die höhere Geschwindigkeit immer schon fasziniert.“ Damals, so erinnert er sich, habe ein solcher 15.000 Schilling gekostet. „Das war ganz schön viel Geld.“
Extrem motiviert
So war er der Erste im Verein, der sich für die österreichweite Drachenflugliga angemeldet hat. Und dafür erntete er doch Unverständnis. „Viele meinten nur, was ich denn in dieser Liga eigentlich will, weil ich nicht zu den Besten gehörte. Ich aber hatte von Beginn an das Gefühl, dass man in diesen Wettkämpfen mehr lernt, als bei den alltäglichen Flügen, die ich gemacht habe. Das hat mich extrem motiviert und dadurch habe ich mich, wenn anfangs auch nur in kleinen Schritten, stetig verbessert.“ Die besten sechs Flieger in diesem österreichweiten Wertungssystem bilden dann jeweils das rot-weiß-rote Nationalteam. Sich dafür zu qualifizieren, das war der sportliche Ehrgeiz des gelernten Tischlermeisters. „Im Jahr 2003 war es schließlich auch so weit, dass ich für Österreich an den Start gehen durfte. Für mich ging damit ein Traum in Erfüllung. Als Mannschaft sind wir über Jahre hinweg auf einem sehr hohen Niveau geflogen.“ WM- und EM-Titel sollten folgen – und heute sagt er: „Ich kann meine Medaillen schon gar nicht mehr zählen, wobei ich viele in der Mannschaft geholt habe.“
Bei einer Weltmeisterschaft, so erklärt Mayer, sind sechs Piloten dabei. Die jeweils besten drei eines Flugtages kommen schließlich in die Mannschaftswertung. Es gilt, die Koordinatenpunkte, die vor dem Start in das GPS eingetragen werden, anzufliegen. Für alle, so erzählt er, beginne der Wettkampf in der Luft zur selben Zeit. Und so vergleicht Mayer das Drachenfliegen mit einer Segelregatta. „Wir haben GPS-Punkte auf einer gewissen Höhe, die wir dank der Thermik erreichen müssen. Dabei orientiert man sich an Vögeln, aber auch am Wolkenbild oder geografischen Gegebenheiten wie Südhängen oder Felswänden, die in der Sonne stehen. All diese Faktoren geben im Optimalfall eine gute Thermik ab.“ Und vermitteln das Gefühl, über den Wolken müsse die Freiheit grenzenlos sein. ALF
Zur Person
Walter Mayer
Schon als Bub wollte er bei einer Drachenflug-WM teilnehmen.
Geboren 22. August 1966
Beruf Tischlermeister
Familie Gattin Bettina, Max und Magdalena
Hobby Drachenfliegen, Wintersport, Biken, Joggen