Ein echt erdiger Typ

Wetter / 02.09.2020 • 17:53 Uhr
Martin Brunner, Neu-Pensionist vom Mahlerhof in Höchst. AJK
Martin Brunner, Neu-Pensionist vom Mahlerhof in Höchst. AJK

Gärtner Martin Brunner übergab Mahlerhof Höchst.

Höchst „Wir sehen es bei der Nachfrage unserer Kunden am Hof: Immer mehr junge Leute beginnen zu gärtnern, es kommt nicht mehr nur die Generation 50+.“ Martin Brunner, seit wenigen Tagen Ex-Chef des Mahlerhofs in Höchst, freut sich über die Entwicklung. Er war Gärtner mit Leidenschaft und will auch weiter aktiv bleiben, auch wenn er die Gärtnerei an Tochter Jenny und Schwiegersohn Dominik übergeben hat. „Ich arbeite weiter gerne beim Gemüse mit.“

Das war übrigens nicht immer so gefragt, dieses selbst gezogene Gemüse aus Vorarlberg. „Etwa zehn Jahre lang haben wir kein Gemüse mehr produziert, mit den Preisen der Importware konnten wir nicht mithalten.“ Vor etwa 20 Jahren waren dann regionale Produkte wieder gefragt. Den Trend zu Lebensmitteln aus der Umgebung begrüßt Martin Brunner natürlich grundsätzlich. Brunner übernahm den Hof 1980 vom Vater. Der Platz um den Mahlerhof im Höchster Unterdorf wurde rasch zu klein, die Zahl der Produkte wuchs schnell an. Blumen, Gemüsejungpflanzen, Kräuter, Beerenpflanzen oder Kürbisse – dafür bot sich der hofeigene Grund nahe am Rohrspitz an. Der Wechsel am Hof zur Gärtnerei sagte dem Hoferben zu und nach erfolgreich absolvierter Gärtnerlehre mit anschließender Meisterprüfung ging es an den Aufbau des Betriebs am neuen Standort. Die nach den Prinzipien des Integrierten Pflanzenbaus heranwachsenden Produkte vom Mahlerhof sind gefragt, ob Gärtnereien oder Lebensmittelhandel, es gibt ausreichend Abnehmer. Dazu kommen von März bis Oktober die Kunden auf den Märkten sowie in der Gärtnerei selbst. „Zu schaffen ist das nur mit unserem großartigen Mitarbeiterteam. Und ich bin froh, dass Jenny und Dominik mit der gleichen Begeisterung am Hof arbeiten, wie ich das getan habe.“ Der Neu-Pensionist will seinen Nachfolgern keine strengen Regeln vorgeben. „Man muss ab und zu etwas Neues versuchen, das klappt einmal gut und einmal weniger. Ich erinnere mich, dass mein Vater der Erste war, der im Land Chinakohl angeboten hat. Das interessierte damals niemand, aber nach einigen Jahren setzte sich dieses neue Gemüse durch.“

Nach Feierabend genießt Martin Brunner gerne einen Whisky im Saloon von Pro Western Höchst, künftig will er auch öfter mit seinem Schatz wandern. Und auf El Hierro, der kleinsten der Kanarischen Inseln, hat er sogar das Fischen als Hobby entdeckt. Eine große Überraschung bereiteten Familie und Freunde Martin Brunner zum 60. Geburtstag. „Weil ich ab und zu Witze gemacht habe, weil ich am gleichen Tag Geburtstag habe wie Kaiser Franz Joseph I., haben sie für mich eine Kaiseruniform besorgt und mich mit einem Feuerwehr-Oldtimer der Harder auf den Hof gefahren.“ Das erleichterte die Geburtstagsgratulation zum 60er im Zeichen von Covid19 erheblich: „Anstelle von Umarmungen gab es den Hofknicks“, lacht der Jubilar. Als Hofkapelle geigten die Höchster Schalmeien auf. AJK

Zur Person

Martin Brunner

Neu-Pensionist und Hofübergeber am Mahlerhof Höchst

Geboren 18. 8. 1960

Hobbys Wandern, Hochseeangeln und gepflegter Whisky

Familie Partnerschaft, zwei Kinder, zwei Enkeltöchter