“Geht um den Menschen”

Wetter / 31.08.2020 • 18:18 Uhr
Sonja Nachbaur hat ihre Berufswahl als Juristin noch keine Sekunde bereut. Bischof
Sonja Nachbaur hat ihre Berufswahl als Juristin noch keine Sekunde bereut. Bischof

Sonja Nachbaur ist neue Vorsteherin des Bezirksgerichts Feldkirch.

Feldkirch Es wurde Zeit für einen Wechsel, Sonja Nachbaur war seit ihrer Ernennung zur Richterin zwanzig Jahre lang für Strafgerichtsverfahren am Landesgericht Feldkirch tätig: „Ich habe lange überlegt, ob ich in meinem beruflichen Bereich nochmals wechseln möchte. Aber die Motivation, etwas Neues zu übernehmen, hat dann schlussendlich überwogen. Seit 1. August bin ich nun Vorsteherin des Bezirksgerichts Feldkirch. Die Umstellung ist mir leichtgefallen, da ich von meiner Vorgängerin Karin Seidl-Wehinger ein tolles Team übernehmen durfte.“

Der Wechsel bedeutet für die engagierte Juristin einen Einschnitt. Bislang war sie am Landesgericht halbtägig im Einsatz, die neue Führungsposition beinhaltet jedoch eine Ganztagsanstellung. „Das ist auch eine Umstellung für meine Tochter Isabelle, aber mit 15 Jahren benötigt sie keine so umfassende Betreuung mehr“, betont Nachbaur.

Nachdem in ihrer vorhergehenden Funktion Strafgerichtsverfahren im Fokus standen, umfasst ihr neuer Aufgabenbereich Zivilrechtssachen, Exekutionen, Kindesentführungen und Todeserklärungen. Außerdem entfällt rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit auf die Justiz-Verwaltung, die mit über vierzig Bediensteten und zehn Richtern sehr umfangreich ist. Die neuen Themenfelder erfordern eine andere Herangehensweise: „Im Strafverfahren geht es darum, den Täter als schuldig oder nicht schuldig zu erklären. Die Strafhöhe beruht auf der Faktenlage. Durch meine langjährige Erfahrung konnte ich mit der Entscheidungsfindung gut umgehen, ich war nach jedem Urteil mit mir im Reinen. Wobei manche Fälle mir sehr zu Herzen gingen, da grübelte ich zu Hause auch noch weiter.“ Im Zivilrecht gehe es hingegen darum, ob der Kläger recht oder nicht recht habe. Dies werde vielfach mittels Gutachtens ermittelt. Recht und Gerechtigkeit – das werde subjektiv empfunden. Verliert ein Kläger einen Prozess, fühlt er sich oftmals im Unrecht.

Zuhören und erklären

Voller Elan widmet sich die Gerichtsvorsteherin ihren neuen Aufgaben. Ausgleich findet sie im Sport und bei Unternehmungen mit ihrer Tochter. Auch im neuen Tätigkeitsfeld steht bei ihr ein menschlicher Umgang im Fokus: „Es geht immer um den Menschen – ob in der Zusammenarbeit im Team oder auch bei Verfahren. Selbst bei einer möglichst neutralen Urteilsfällung geht es darum, den Versuch eines Verständnisses für den Angeklagten aufzubringen. Gewisse menschliche Züge sind trotz aller Faktenlage einfach wesentlich. Manchmal braucht es
ein wenig Geduld und die Bereitschaft zum Zuhören und Erklären – dann kann der Verurteilte eine Entscheidung auch besser nachvollziehen.“ BI

Zur Person

Sonja Nachbaur
Die Richterin ist seit 1. August Vorsteherin des Bezirksgerichts Feldkirch.

Geboren 23. März 1968

Familie Tochter Isabelle

Hobbys Tennis, Skifahren, Reisen, Lesen (historische Romane und Krimis)