Urgestein am Herd

Wetter / 24.06.2020 • 18:33 Uhr
Ein gutes Team: Franz Werner Müller (l.) mit Alpenblick-Chef Christian Gieselbrecht. VN
Ein gutes Team: Franz Werner Müller (l.) mit Alpenblick-Chef Christian Gieselbrecht. VN

Franz Werner Müller kocht seit 50 Jahren. Bald geht er in Pension.

Sulzberg Lindau, Badenweiler, Ghana, Bad Gleichenberg, Lech, Gargellen, Sulzberg, . . . Franz Werner Müller ist in seinem Kochleben schon viel herumgekommen. „Ich habe immer von Anfang an gesagt, ich bleibe mindestens ein Jahr. Wenn es mir gefällt, bleibe ich länger, wenn es mir nicht gefällt, mache ich das Jahr fertig und dann gehe ich wieder“, schildert der Wahl-Hörbranzer. In den Gasthof Alpenblick in Sulzberg ist er vor elf Jahren gekommen, um zu bleiben. Doch bald heißt es Abschied nehmen. Am 1. August startet Franz Werner Müller nach 50 Berufsjahren in die Pension. Pläne für den neuen Lebensabschnitt hat er einige, Wehmut schwingt dennoch mit.

Kindheitstraum

Dass er einmal Koch werden möchte, zeichnete sich bei dem gebürtigen Lindauer ziemlich früh, nämlich im Volksschulalter, ab. „Das war schon als kleiner Bub ein Traum von mir. Ich habe mit acht Jahren angefangen zu kochen. Suppen, Gulasch und alles, was mir meine Mutter so beigebracht hat“, blickt der bald 65-Jährige zurück.

Die Kochlehre absolvierte er im damaligen Gasthaus Goldenes Lamm in Lindau. Anschließend arbeitete er unter anderem ein Jahr lang in einem Hotel in Ghana, 13 Jahre als Küchenchef in der Weinstube Frey in Lindau und mehrere Wintersaisonen in Lech oder Gargellen. „In Gargellen habe ich auch meine Frau, eine Brandenburgerin, kennengelernt. Sie ist ebenfalls Köchin“, erzählt Franz Werner Müller. 2005 kam der gemeinsame Sohn, 2013 die Tochter auf die Welt.  

Fünf Tage

In den vergangenen 50 Jahren hat sich im Gastgewerbe so einiges geändert. Anfangs war es beispielsweise gang und gäbe, dass sechs Tage die Woche von morgens bis abends gearbeitet wurde. „Jetzt hast du eine Fünf-Tage-Woche und arbeitest acht Stunden am Tag, ich als Senior sogar nur noch sieben Stunden“, berichtet der erfahrene Koch. Das Schöne an dem Beruf sei, dass man „mit den Produkten immer wieder etwas Neues machen und Dinge ausprobieren kann, die sich andere vielleicht nicht trauen. Das Kochen hat mir immer Spaß gemacht. Ich war zwar einmal ein halbes Jahr Fernfahrer, weil ich etwas anders machen wollte, aber das war nicht so meine Welt.“ In knapp 30 Tagen beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Vor dem Pensionsschock fürchtet er sich nicht.  Zum einen möchte er den Führerschein machen. „Vorher hatte ich nie Zeit dazu. Wenn ich mal dran war, ist jemand gekommen, der einen Koch gebraucht hat“, merkt er mit einem Schmunzeln an. Plan Nummer zwei: abnehmen und ein bisschen Sport treiben. Zu seinen Hobbys zählen Billard spielen mit den Kindern und Angeln mit dem Schwiegervater in Brandenburg. Außerdem hat der Bald-Pensionist eine große Familie. Seine 87-jährige Mutter lebt wie seine fünf Schwestern und seine bald elf Nichten und Neffen gleich über der Grenze. Überhaupt hat sich Franz Werner Müller viel vorgenommen: „Ich habe 50 Jahre gearbeitet und eingezahlt, jetzt möchte ich gerne 50 Jahre Rente mitnehmen, wenn das geht.“

Schwerer Abschied

Leicht wird ihm der Abschied vom Gasthof Alpenblick dennoch nicht fallen. Seit mittlerweile elf Jahren steht er dort am Herd. „Es tut mir eigentlich gerade leid“, räumt der Hörbranzer ein. „Aber ich werde sicher ab und zu aushelfen kommen, wenn man mich braucht. Da wird sich schon irgendwas ergeben. Ich bin ein Schaffer. Ein bisschen was muss ich tun.“ VN-ger

Zur Person

Franz Werner Müller

Geboren 23. Juli 1955

Wohnort Hörbranz, ursprünglich aus Lindau

Ausbildung Kochlehre im Goldenen Lamm in Lindau, Diätkochausbildung

Laufbahn u. a. ein Jahr in Ghana, 13 Jahre Küchenchef in der Weinstube Frey in Lindau, mehrere Wintersaisonen in Lech und Gargellen, seit 2009 im Gasthof Alpenblick in Sulzberg

Familie verheiratet, ein Sohn (14), eine Tochter (6)

Lieblingsspeise blutige Steaks und Süßes wie Topfenknödel und Kaiserschmarren