“Wir überstehen diese Zeit”

Schwester Edith muss jetzt noch mehr Zuversicht vermitteln.
Schwarzach Als Hauskrankenschwester kommt Edith Okoro (69) ihren Patienten sehr nahe. Körperpflege, das Anlegen von Wundverbänden und Fieber und Blutdruck messen zählen zu ihren täglichen Aufgaben. Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie geht freilich ohne Schutzmaßnahmen nichts mehr. „Wir tragen Handschuhe und Masken, die sowohl den Patienten als auch uns optimal schützen. Und zudem heißt es für uns: ,desinfizieren und nochmals desinfizieren‘“. Anfangs seien ihre Patienten verunsichert gewesen wegen der Coronakrise. „Aber nun, in der dritten Woche, läuft es gut. Die Stimmung unter meinen Patienten ist nicht schlecht. Ich habe keinen, der große Angst hat.“ In Zeiten wie diesen sei es aber noch wichtiger, Zuversicht und Sicherheit zu vermitteln. „Ich muss meinen Patienten sagen: ,Wir schaffen das. Wir überstehen diese Zeit miteinander.“ Schwester Edith weiß: Menschen, die krank, verletzt oder pflegebedürftig sind, sind verletzlich und brauchen besonders viel Zuspruch und Mitgefühl. „Nicht die Wunde ist das Wichtigste, sondern der Mensch. Ich muss mir überlegen, was ich dem Patienten heute geben kann, damit er hoffnungsfroh ist, nach vorne schaut, das Beste aus seiner Situation macht und sich nicht in der Wunde vergräbt.“ Ihr Credo und das ihres 14-köpfigen Teams ist: „Wenn ich vom Patienten gehe, sollte ich mit dem Gefühl gehen können, dass ich alles gegeben habe, was ich geben konnte.“ Der Besuch der Hauskrankenschwester ist für die meisten Patienten eine willkommene Unterbrechung ihres Alltags. Jene, die sich einsam fühlen, schätzen die Besuche ganz besonders. Keiner der Hilfsbedürftigen muss die Corona-Krise allein durchstehen. „Wenn jemand allein und verzweifelt ist, dann kommen wir, wenn nötig, auch drei Mal am Tag.“ Schwester Edith ist aufgefallen, dass manche ihrer Schützlinge jetzt mehr Hausbesuche wünschen und „noch dankbarer sind, dass wir kommen und sie gut versorgen“.
Wer diesen Beruf ausübt, benötigt hohe fachliche Kompetenz. „Wir arbeiten zwar mit den Hausärzten gut zusammen. Dennoch ist man letztlich auf sich allein gestellt und muss oft schnelle Entscheidungen fällen.“ Dass an sie hohe Anforderungen gestellt werden ist Schwester Edith gewohnt. Ihr beruflicher Weg war mit Herausforderungen gepflastert. Mit 42 Jahren begann Edith Okoro sich ihren Kindheitstraum zu erfüllen. „Ich weiß nicht warum, aber ich wollte immer Krankenschwester werden.“ Doch zunächst gründete sie eine Familie mit dem späteren altkatholischen Bischof Johannes Okoro. Sie schenkte drei Kindern das Leben. „Mir war wichtig, dass ich zuhause bei den Kindern bleibe.“
Als ihr jüngstes Kind 16 Jahre alt war, ließ sie sich zur Pflegehelferin ausbilden. Danach arbeitete sie zehn Jahre lang in einem Dornbirner Pflegeheim. „In dieser Zeit habe ich auch noch eine Heilpraktiker-Ausbildung gemacht.“ Weil sie sich umfassender bilden wollte, begann sie mit der Ausbildung zur Diplomkrankenschwester. „Mit 54 habe ich diplomiert. Jetzt hatte ich das geschafft, was ich immer wollte.“ Sie arbeitete dann bis zu ihrer Pensionierung im Spital Dornbirn. Die Arbeit gefiel ihr. Denn: „Es war Dienst am Menschen.“ In der Rente wurde ihr aber schnell klar, dass das Pensionisten-Dasein nichts für sie ist. „Ich habe dann eine Ausbildung zum Wundmanager gemacht.“ Anschließend begann sie beim Krankenpflegeverein Dornbirn zu arbeiten. „Nach einem halben Jahr habe ich die Bezirksleitung für Dornbirn-Markt und -Oberdorf übernommen.“ Inzwischen ist Schwester Edith 69 Jahre alt, steckt aber immer noch voller Pläne. „Ich träume davon, auf einem Bauernhof Nachmittagsbetreuung für Senioren anzubieten.“ VN-kum
Zur Person
Edith Okoro
ist 69 Jahre alt und steht als Hauskrankenschwester noch voll im Berufsleben.
Geboren 26. Juli 1950 in Dornbirn
Wohnort Schwarzach
Familie verheiratet, drei Kinder, fünf Enkel
Hobbys Garten, Radfahren, Schwimmen