Die Moorfrau

Wetter / 23.07.2019 • 18:31 Uhr
Auf sanften Sohlen führt Ruth Steurer ihre Gäste durch das Moor.steurer
Auf sanften Sohlen führt Ruth Steurer ihre Gäste durch das Moor.steurer

Ruth Steurer ist begeisterte Moorführerin.

krumbach Unlängst war sogar der Bundespräsident da, hat sich leger die Beinkleider des edlen Zwirns nach oben gestülpt und ist barfuß durch ein kleines Stückchen des Krumbacher Moors gewandert. Alexander Van der Bellen zeigte sich sehr interessiert und „auf den ersten Blick verliebt“ in die Gegend. Ruth Steurer kann das gut verstehen. „Das Moor strahlt Ruhe aus“, weiß sie aus eigenem Empfinden. Seit zehn Jahren führt sie Interessierte aller Altersgruppen durch eine Naturlandschaft, die für das Ökosystem so immens wichtig ist. „Ein Hektar Moor speichert viermal so viel CO2 wie der Regenwald“, verdeutlicht Ruth Steurer.

Wertigkeit neu entdecken

Allerdings setzt der Klimawandel auch den Mooren immer mehr zu. Umso dringlicher erscheint es der engagierten Naturfreundin, auf die Kleinodien vor der Haustür aufmerksam zu machen und die Wertigkeit der Pflanzen und Moore neu zu entdecken. „Wir sind nur Gäste hier auf Erden. Deshalb sollten wir diese unseren Nachkommen lebenswert hinterlassen“, sagt Ruth Steurer. Begonnen hat ihre Tätigkeit mit der Gründung des Naturparks Nagelfluhkette. Die beteiligten Gemeinden waren aufgerufen, Ideen einzubringen, was sie an Wertvollem in Wald und Flur beisteuern können. Für Krumbach lag es nahe, sich mit den Mooren einzubringen, wiewohl nicht mehr allzu viel davon übrig ist. „Gerade das gilt es zu bewahren“, wirft Ruth Steurer ein. Das größte zusammenhängende Moorbiotop umfasst etwa fünf Hektar und befindet sich in Salgenreute. Steurer, die sich von Pflanzen und deren Anwendungsmöglichkeiten immer schon fasziniert zeigte, fühlte sich angesprochen, nutzte die Chance und ließ sich auch zur Moorführerin ausbilden.

Staatlich geprüfte Wanderführerin und Diplomierte Kräuterexpertin durfte sie sich bereits nennen. „Das lässt sich alles wunderbar mit Moorführungen kombinieren“, freut sie sich. Die beginnen, sobald die ersten Blumen aus dem Sumpf erblühen. Dann ist es Mai. Bis in den September hinein ist Ruth Steurer mit Kindergärten, Schulklassen, Lehrpersonen, Kneippvereinen, Senioren und sonstigen Interessierten im Moor unterwegs. „Es gibt auch Leute, die anderen eine Moorwanderung zum Geburtstag schenken und es sich danach bei einem der vier Moorwirte kulinarisch gutgehen lassen“, erzählt Steurer. Zwei Stunden dauert eine solche Exkursion durchschnittlich. Es kann aber auch länger gehen. An der Moorführerin liegt es nicht. Die könnte Zeit ohne Ende in dieser besonderen Landschaft verbringen. Derzeit blüht die Wiesenkönigin. Sie zieht vor allem Schmetterlinge an. „An ihrer Vielfalt lässt sich erkennen, wie intakt die Natur noch ist“, erklärt Ruth Steurer den Zusammenhang, der vielerorts schon verloren ging.

Ausgefüllte Tage

Langweilig wird ihr bei diesen Führungen nicht. „Es blüht immer etwas anderes“, schwärmt die zweifache Mutter und Großmutter von einer Pflanzenwelt, in der sie stetig die Wunder der Schöpfung neu entdeckt. Ruth Steurer mag es insgesamt bewegt. Sie ist auch noch Gymnastikübungsleiterin und Bodega-moves-Trainerin. Daneben, aber nicht nebenbei, kümmert sie sich mit ihren Geschwistern um die 93-jährige Mutter. „So sind die Tage recht ausgefüllt“, meint sie und lächelt dabei. VN-MM

„Wir sollten auch unseren Nachkommen die Erde lebenswert hinterlassen.“

Zur Person

Ruth Steurer

als Naturfreundin ist ihr der Erhalt derselbigen ein großes Anliegen.

Geboren 7. April 1962

Ausbildung Dipl. Kräuterexpertin, geprüfte Wanderführerin, Moor- und Naturparkführerin

Laufbahn Mitarbeiterin in einer Werbeagentur, Warenpräsentatorin

Familie verheiratet, 2 Kinder, 2 Enkelkinder