Kämpferin in Laufschuhen

Wetter / 22.04.2018 • 18:49 Uhr
Kämpferin in Laufschuhen

Motivation zur Brustkrebs-Früherkennung auf andere Art.

feldkirch Sie sei keine Läuferin, sagt Kirstin Köhlmeier. „Die fünf Kilometer von Lochau nach Bregenz bringen mich stets an meine Grenzen“, gibt sie zu. Trotzdem liebt sie den Bodensee-Frauenlauf, an dem sie seit vier Jahren regelmäßig teilnimmt. „Dieser Nachmittag ist unser Nachmittag“, berichtet die vielbeschäftigte Marketingmanagerin von schönen Stunden mit ihrer Mutter und ihrer Schwester. Heuer mischt sich ein Wehrmutstropfen in die Vorfreude. Die Schwester von Kirstin Köhlmeier leidet an Brustkrebs. Sechs Monate Chemotherapie hat die 31-Jährige bereits hinter sich, demnächst wird sie operiert. Ein schwerer Schlag für die ganze Familie. Kirstin traf die Diagnose doppelt hart, denn sie verlor bereits eine Freundin durch Brustkrebs.

Loyalität für Betroffene

Zuerst war da lähmende Hilflosigkeit. „Dann wollte ich etwas tun, das die Wichtigkeit der Brustkrebsvorsorge auch für junge Frauen ins Bewusstsein rufen soll“, erklärt die gebürtige Südafrikanerin den Aktionismus, der sie schließlich antrieb. Kirstin Köhlmeier trommelte ein Team für den 9. Bodensee-Frauenlauf am 2. Juni 2018 zusammen und nannte es „Pink Warriors“. Über fünfzig Freundinnen, Nachbarinnen, Bekannte und Verwandte haben sich der Gruppe schon angeschlossen. Ihr gemeinsames Anliegen: Loyalität für Betroffene zeigen und für Frauen laufen, die selbst nicht laufen können. „Wir Frauen sind zwar Kämpferinnen, aber wir sollten trotzdem besser auf uns schauen“, will Kirstin Köhlmeier ihre Geschlechtsgenossinnen motivieren, nur ja nicht auf die eigenen Bedürfnisse zu vergessen. „Wir kennen alle jemanden, der von Brustkrebs betroffen ist“, fügt sie an. Kontrolluntersuchungen erst ab 40 empfindet sie als zu spät. Früherkennung müsse früher beginnen. Diese Botschaft möchte sie mit den „Pink Warriors“ unter die Frauen bringen.

Schwierige Umsetzung

Kirstin Köhlmeier, die seit 17 Jahren in Vorarlberg lebt, weiß allerdings aus eigener Erfahrung, wie schwierig es mitunter ist, dieses Auf-sich-Schauen umzusetzen. Als Mutter von zwei Kindern und Marketingmanagerin bei Swarovski in Triesen sind Auszeiten eher rar. Da kann es durchaus sein, dass sie morgens um vier aufsteht, um wenigstens eine Laufrunde drehen zu können. „Zuerst kommt immer alles andere“, nimmt sich Kirstin Köhlmeier auch selbst bei der Nase. Die Sensibilisierung für die Brustkrebsfrüherkennung ist ihr jedoch zum persönlichen Anliegen geworden. Einmal im Jahr läuft sie mit ihrer Mutter und der anderen Schwester, die in England wohnt, dort ebenfalls einen Parcours zugunsten von Brustkrebspatientinnen. Bisher war immer auch ihre in Vorarlberg lebende Schwester dabei. Kirstin Köhlmeier verliert sich kurz in der Erinnerung an wunderbare Zeiten, die sie zusammen auf der Insel hatten. Jetzt steht ihrer Schwester eine Brustamputation bevor.

Aber Kirstin ist beseelt von Optimismus. „Wir hoffen auf einen guten Ausgang der Operation.“ Denn beim Bodensee-Frauenlauf möchten sich die Schwestern nach der Ziellinie umarmen können. „Sie wird dort auf mich warten“, gibt sich Kirstin Köhlmeier zuversichtlich. Alle anderen Teilnehmerinnen können sich einen pinken Kleber mit dem Slogan „Ich laufe für …“ auf die Brust heften. Auch so kann Solidarität aussehen. VN-MM

„Wir laufen beim Bodensee-Frauenlauf für jene, die selbst nicht laufen können.“

Zur Person

Kirstin Köhlmeier

gründete für den Bodensee-Frauenlauf die Gruppe „Pink Warriors“

Geboren 9. Mai 1978 in Johannesburg/Südafrika

Ausbildung Marketingmanagerin
bei Swarovski in Triesen, FL

Hobbys Bogen- und Kampfsport, Skifahren, Wandern

Familie verheiratet, 2 Kinder

  VN/mm