Im T-Shirt durch die Kälte

Charly Hehle kommt mit Willensstärke, Chili und ohne Jacke gesund durch den Winter.
Lochau. (VN-akp) Einige abgehärtete Radfahrer trotzten auch während der Periode mit den eisigen Temperaturen der Kälte. Einer davon fiel besonders auf, denn keiner ist so extrem wie Charly Hehle. Der Lochauer fuhr auch bei minus 20 Grad auf dem Drahtesel, und zwar nur mit dünner Hose und T-Shirt bekleidet. In Bregenz und Umgebung ist er nicht nur Autofahrern entlang der Rheinstraße längst ein Bekannter. Der sportliche Mann fährt mit seinem Bike täglich gut gelaunt, mit Kopfhörer und Heavy Metal Sound ausgestattet, von Lochau bis zu seinem Arbeitsplatz in Hard. Und das auch mitten in der Nacht, denn er arbeitet von acht Uhr abends bis drei Uhr morgens in der Bäckerei Hammerl.
Bewusste Ernährung
„Oft bleiben die Autofahrer stehen und fragen mich, ob es mir gut geht“, meint Hehle und lacht. „Ich bin topfit und überglücklich. Das Radfahren macht mir bei jedem Wetter Spaß“, betont der Bäcker. Und wie lautet sein Geheimnis? „Ich fahre im Jahr bis zu 30.000 Kilometer mit meinen vier Fahrrädern – drei davon sind wohlgemerkt Elektrobikes. Bei so viel Sport benötigt es aber auch eine entsprechend bewusste und gesunde Ernährung. Ich habe mich mit Studien beschäftigt, warum in Mexiko viele Leute über 100 Jahre alt werden. Das Ergebnis: Es liegt an den Gewürzen im Essen. Seither schwöre ich auf Chili, Curry und schwarzen Pfeffer. Ich esse nie auswärts, koche immer selbst und sorge dafür, dass die innere Energie aufrechterhalten bleibt. Die Gewürze müssen lange im Mund bleiben und über die Schleimhäute ins Blut gelangen“, führt er aus. Chili ist als Heilkraut bekannt. „Es löst die Ablagerungen in den Blutgefäßen auf. Wer so scharf isst wie ich, muss sich keine Sorgen um Herzprobleme machen“, sagt der Medizinmann auf dem Fahrrad.
Nur eine einzige Jacke besitzt Hehle, aber die kommt höchstens bei minus 40 Grad zum Einsatz. „Ich wohne in einer Dachgeschoßwohnung, da ist es ziemlich warm. Daher trage ich nur T-Shirts. Es war mir schlichtweg zu viel Arbeit, jedes Mal eine Jacke anzuziehen, wenn ich nach draußen ging. Mein Körper hat sich daran gewöhnt. Zwar verfärbt sich die Haut bei dieser Kälte in den Farben von rot bis blau, aber nach zwei Minuten im Warmen hat sie sich regeneriert.“ Die Nordwinde über dem Bodensee haben für ihn einen besonderen Reiz. „Da fühlst du plötzlich, wie dein Herz ganz intensiv pumpt. Die Musik von ACDC, Nazareth oder den Eagles sorgt für gute Stimmung und unterstützt die Blutzirkulation.“
Gesund und glücklich
Die letzte Erkältung hatte der Sportler vor über zehn Jahren, noch bevor er mit dem Radfahren angefangen hatte. „Die Ärzte haben mir Lungenentzündung und Bronchitis prophezeit, aber ich bin gesund und glücklich.“ Die Mediziner staunen über sein Blutbild: „Eine Ärztin hat mir einmal gesagt, so ein Blut kenne sie nicht. Sie sagte es auf eine Art und Weise, dass es ein Kompliment war.“
Seit 2005 fährt Hehle nur noch Rad, besitzt kein Auto mehr: „Ich besaß einen Geländewagen, der einen Getriebeschaden hatte. Ein ÖAMTC-Mitarbeiter empfahl mir, bei den hohen Spritpreisen auf das Rad umzusatteln. Das habe ich gemacht.“ War es zuvor das Berglaufen, das er extrem betrieben hatte – er lief acht Jahre lang vier Mal täglich auf den Pfänder – ist nun das Radfahren seine Leidenschaft. „Mein Ziel ist es, 100 Jahre alt zu werden. Das wäre doch was, das Leben macht Spaß“, meint er abschließend.
Ich halte meine innere Energie mit Chili und Pfeffer aufrecht.
Charly Hehle
Zur Person
Charly Hehle
fährt 30.000 Kilometer Rad pro Jahr, bei jedem Wetter und ohne Jacke.
Wohnort: Lochau
Geboren: 6. November 1962
Beruf: Bäcker
Familie: Single
Hobbys: Radfahren, bewusst gesund essen und kochen