Mann mit scharfer Klinge

Wetter / 06.02.2017 • 20:25 Uhr
Egal in welcher Situation sich Herbert Schmidt auch befindet, Konzentration ist das A und O. Foto: schmidt
Egal in welcher Situation sich Herbert Schmidt auch befindet, Konzentration ist das A und O. Foto: schmidt

Herbert Schmidt entdeckte früh seine Leidenschaft für den Schwertkampf.

Bregenz. (VN-sos) Einatmen, fokussieren, ein schneller Schritt nach vorne – und eine gekonnte Handbewegung später ist der Kampf auch schon vorbei. In der Regel dauert ein Schwertkampf fünf bis zehn Sekunden. Das sind die Momente, in denen Herbert Schmidt in seinem Element ist. Der 45-jährige Bregenzer hatte immer schon ein Faible für alles Altertümliche, ja eigentlich für alles Unkonventionelle.

Deshalb packte er nach seiner Ausbildung zum Druckvorstufentechniker voller Tatendrang seine Koffer und wanderte im Alter von 23 Jahren nach Venezuela aus. Er war fest entschlossen, dort sein Leben zu verbringen. Schmidt betrieb eine Plantage für Zitrusfrüchte und lebte im Urwald. Nach einigen Jahren kam er aus familiären Gründen zurück nach Vorarlberg und widmete sich vermehrt der Fotografie und der Messermacherei.

Leidenschaft Schwertkampf

„Ich war schon immer ein Mittelalterfreak – zum Leidwesen meiner Eltern“, gesteht Herbert Schmidt. 1999 gründete er den Verein Ars Gladii, der sich mit den Kampfkünsten des europäischen Mittelalters befasst. Er unterrichtet die Mitglieder in historischer Kampfkunst und organisiert auch Fahrten zu Museen und anderen Ausflugszielen, die sich mit dem Mittelalter beschäftigen.

Der Kampf mit dem Schwert fordere viel: volle geistige Konzentration, körperliches Geschick und Muskelkraft. „Das ist es, was mich so fasziniert: Geschichte, Körper, Kampf und Kultur – nichts bleibt auf der Strecke. Ein Gesamtpaket der Extraklasse“, nennt es der Schwertkampf-Lehrer. Denn hier geht es um mehr als nur den Kampf, es geht auch um Menschen und Geschichte. Herbert Schmidt hält Vorträge und Seminare zu Themen rund um historische Kampfkünste und ist anerkannter Fachmann. So können sich die Mitglieder des Vereins mit anderen Kampfkünstlern in ganz Europa austauschen und auch an internationalen Events teilnehmen.

Die Leidenschaft für diese Sportart ist es, die ihn dazu brachte, 2007 sein erstes Buch zu veröffentlichen. Er schrieb eine umfassende Einführung in das Thema Schwertkampf und schilderte Techniken und Taktiken für den praktischen Kampf Mann gegen Mann. Das zweite Buch folgte ein Jahr später. Darin befasst er sich hauptsächlich mit dem kurzen Schwert und dem Buckler, einem kleinen, speziellen Schild, der zur Abwehr benutzt wird.

Zeit für sich

Schmidt fordert sich jeden Tag aufs Neue: „Ich muss immer auf der Suche nach dem Verstehen sein. Nur weil ich eine Antwort erhalten habe, heißt das noch lange nicht, dass ich es auch verstehe“, sagt er.

Hauptberuflich ist Herbert Schmidt seit zehn Jahren
als Lehrer an einer Berufsschule in Dornbirn tätig. Neben Englisch und Fotografie unterrichtet er auch Werbetechnik. „Es macht mir Freude, jungen Menschen mein Wissen zu vermitteln“, sagt er.

Ruhige Tage sind selten im Leben von Herbert Schmidt. In solchen Momenten zieht er sich gerne mit einer Tasse Schwarztee und einem Buch in sein Wohnzimmer zurück. Fernsehgerät hat Schmidt keines, „das vermisse ich auch nicht“.

Zum Leidwesen meiner Eltern war ich schon immer ein Mittel­alterfreak.

Herbert Schmidt

Zur Person

Herbert Schmidt

ist Lehrer, Fotograf, Autor und Schwertkampftrainer.

Geboren: 28. Juli 1971

Ausbildung: Druckvorstufentechniker

Hobby: Schwertkampf

Familie: ledig

Wohnort: Bregenz