Medizin als Familiensache

Bernhard Schlosser setzt sich für die Belange der Allgemeinmediziner ein.
dornbirn. (VN-mm) Bernhard Schlosser sprüht vor Energie und Tatendrang. So viel möchte der junge Allgemeinmediziner für seine Kollegen verändern: Abläufe in den Ordinationen optimieren, Arbeitsbedingungen verbessern. Deshalb hat sich Schlosser entschieden, die vor einem Jahr in der Ärztekammer eingerichtete „Zukunftswerkstatt der Allgemein-Mediziner“ zu leiten. Dass Veränderungen viel Arbeit bedeuten, weiß er. Doch die Zeit drängt. Eine Pensionierungswelle in den eigenen Reihen steht an und es fehlt an Nachwuchs. Braucht es mehr Allgemeinmediziner? „Nicht unbedingt“, meint Bernhard Schlosser. Aber: „Wir müssen genug bleiben“, will sich der Dornbirner dafür einsetzen, dass seine Sparte überlebt.
In der Kindheit geprägt
Für in selbst gab es nie einen anderen Berufswunsch als den des Praktikers. Abgesehen davon ist die Medizin bei ihm irgendwie eine Familiensache. Groß- und Urgroßväter bzw. -mütter waren schon ärztlich tätig, und auch der Vater schwor den hippokratischen Eid. „Seine Arbeit hat meine Kindheit geprägt“, erzählt Bernhard Schlosser von Funk, Pieps und anderen Geräten, die im Hause Schlosser praktisch zum Alltag gehörten. Chirurgische Fächer lagen dem Junior weniger. Ihn faszinierte die Vielfalt der Tätigkeiten. „Die Allgemeinmedizin gibt am meisten her“, berichtet der ehemalige Fechter von spannenden Tagesabläufen. „Ich kann so viel machen, das mir Zufriedenheit gibt“, fügt er noch an.
Allerdings ist auch die Arbeitsintensität nicht ohne. Um die hundert Patienten frequentieren im Durchschnitt jeden Tag die Ordination eines Allgemeinmediziners. Fällt eine Kollegin oder ein Kollege aus, steigen die Zahlen. „In Dornbirn sind wir 17 Praktiker, aber wenn zwei fehlen, merken wir das deutlich“, nennt Bernhard Schlosser ein Beispiel. Zumindest diese Mehrbelastung wird inzwischen finanziell abgegolten. Gleiches gilt im Falle von Kassenstellen, die über einen längeren Zeitraum unbesetzt bleiben, was bekanntlich immer häufiger geschieht.
Denn das „Griss“ um junge Mediziner ist groß. Und Allgemeinärzte haben in den Krankenhäusern keine Lobby. Deshalb muss die Attraktivität anderweitig gesteigert werden. „Aber dafür müssen wir uns zusammentun und gemeinsame Lösungen finden“, weiß Bernhard Schlosser. In der von ihm geleiteten Zukunftswerkstatt treffen sich regelmäßig zehn bis zwölf engagierte Gleichgesinnte aus dem ganzen Land, um an Ideen zu feilen. Als erster konkreter Vorschlag wurde, wie berichtet, ein neues Modell für den Bereitschaftsdienst in den Nachtstunden vorgelegt. Die Gespräche mit der Politik zur Umsetzung laufen laut Schlosser gut.
Er ist überzeugt, dass die sozialen Netzwerke künftig ebenfalls eine wichtige Rolle spielen werden. Terminvereinbarungen per Facebook? „Da ist vieles möglich“, will der Vater einer dreijährigen Tochter, die ebenfalls schon gerne mit dem Stethoskop spielt, keine Optionen abschreiben. Auch Wirtschaftsmedizin-Experten will Bernhard Schlosser mobilisieren, um die allgemeinmedizinische Versorgung zu sichern. Sie ist ihm ein wirkliches Anliegen, und er ist bereit, sich dafür einzusetzen. Viele Kollegen würden schon jetzt durch die extrem hohen Patientenfrequenzen am Anschlag arbeiten. Anfangen, aufhören, fertig: So gestalten sich viele ärztliche Tagesabläufe. Bernhard Schlosser möchte trotzdem nichts davon missen. „Die Abwechslung hält mich jung und frisch“, nimmt er für sich das Beste mit.
Wir müssen zusammen gemeinsame Lösungen finden.
Bernhard Schlosser
Zur Person
Dr. Bernhard Schlosser
Geboren: 1. Oktober 1978 in Hohenems
Wohnort: Dornbirn
Familienstand: Lebensgemeinschaft, eine Tochter (3)
Beruf: Allgemeinmediziner
Hobbys: Tennis, Skifahren, Laufen