Eine persönliche Aufgabe

Andrea Marosi-Kuster begleitet zwei START-Stipendiaten auf ihrem Bildungsweg.
feldkirch. (VN-mm) Auch wenn sie sich, wie sie sagt, nicht gerne in die erste Reihe stellt: „Aber START ist es wert, ins Licht gerückt zu werden“, meint Andrea Marosi-Kuster. Und fügt noch an: „Ich freue mich nämlich wirklich sehr, dass mein Arbeitgeber dieses Projekt unterstützt und ich es begleiten darf.“ Ihr Arbeitgeber, das ist die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG). Mit Beginn dieses Schuljahres hat die KHBG, wie viele andere Vorarlberger Firmen auch, eine Patenschaft für diese besondere Integrations-Initiative übernommen. Zaker (17) und Zeynep (18) heißen die jungen Leute, vor denen Andrea Marosi-Kuster voller Respekt ihren Hut zieht, und deren Betreuung sie als persönliche Aufgabe sieht. „Ich finde, sie leisten unfassbar viel. Mehr als meine Kinder je leisten werden müssen, um das gleiche Ziel zu erreichen“, sinniert die bei der KHBG als Pressereferentin tätige gebürtige Grazerin.
Erfahrungen in der Bronx
Mit Stolz erzählt die zweifache Mutter, dass Zaker, der als Flüchtling aus Afghanistan kam, einen Redewettbewerb gewonnen hat, und Zeynep, ein türkisches Mädchen, derzeit voll und ganz mit den Maturavorbereitungen beschäftigt ist, sich nebenbei aber noch auf die Medizin-Aufnahmeprüfung vorbereitet. Zeynep möchte nämlich Kinderärztin werden. Auch Zaker zieht es in die Medizin. So klar die Vorstellungen der START-Stipendiaten sind, so verzweigt nimmt sich der Lebensweg ihrer Betreuerin aus. Andrea Marosi-Kuster hat ein Lehramtsstudium absolviert und ging danach als Austauschlehrerin ins Ausland. „Weil sie damals nicht wussten, wohin mit den Junglehrern“, merkt sie an. Ein Jahr in Frankreich, acht Monate in der Bronx und die tiefgreifende Erfahrung, dass diese Kinder wenig Chancen haben werden. Auch aus diesem Wissen heraus hält Marosi-Kuster die Unterstützung der START-Initiative für so wichtig. Danach arbeitete sie in Wien als Wissenschaftsjournalistin. Während der Karenzzeit absolvierte sie eine Weiterbildung zur PR-Assistentin.
Seit zwei Jahren lebt sie in Vorarlberg. Grund für den Umzug war ein Jobangebot, das ihr Mann Philipp aus Liechtenstein bekam. „Eine Weile ist er zwischen Wien und Feldkirch gependelt, weil ich mit den Kindern in Wien geblieben bin. Es war eine harte Zeit“, resümiert Andrea Marosi-Kuster. Schließlich übersiedelte auch sie mit Kind und Kegel in den Westen. Aber: „Ein Teil meines Herzens hängt im Osten.“ Bei der Familie, bei Freunden. Deshalb nutzt sie jede Gelegenheit, um das Heimweh abzustreifen.
Nächtliche Bewerbung
In der Kommunikationsabteilung der KHBG landete Marosi-Kuster über eine Stellenausschreibung. Obwohl die Bewerbungsfrist bereits seit drei Wochen abgelaufen war, versuchte sie ihr Glück. Um drei Uhr früh ging das E-Mail hinaus. Kurze Zeit später hatte sie die Zusage. Schwieriger war es da schon, Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Es sei immer noch eine schweißtreibende Gratwanderung. Mittlerweile geht Bruno in eine Ganztagsklasse und Irma in den Betriebskindergarten. „Außerdem habe ich ein gutes Team hinter mir“, ist Andrea Marosi-Kuster dankbar dafür. Sie möchte auch nichts von dem missen, was bisher geschah. „Ich hatte stets interessante, bewegende Begegnungen, die mich und mein Leben ausmachen. Ich denke oft: Hätte ich den oder jenen Menschen nicht getroffen, wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin“, sagt sie. „Im Endeffekt ist es das, was bleibt und was man weitergibt.“
Ich finde, diese Jugendlichen leisten unfassbar viel.
Andrea Marosi-Kuster
Zur Person
Mag. Andrea Marosi-Kuster
Geboren: 9. August 1976 in Graz
Wohnort: Feldkirch
Familienstand: verheiratet, 2 Kinder: Bruno (6) und Irma (4)
Beruf: Pressereferentin
Hobbys: Lesen, Reisen, Skifahren, Netzwerken, sich mit Leuten treffen