Mit magischen Händen

Klaus Isele (links) mit dem österreichischen Kletterer David Lama, dem unangefochtenen Superstar des Alpinismus. Foto: Heiko Wilhelm
Als Physiotherapeut des österreichischen Kletterteams ist Klaus Isele immer zur Stelle.
Schwarzach. (VN-sas) Wenn der gebürtige Lustenauer Klaus Isele vom Klettern spricht, ist er kaum zu halten. Man merkt schnell, die Sportart ist für ihn mehr als nur Leidenschaft. Zum Klettern gekommen ist er schon vor mehr als 20 Jahren, lange, bevor sich der Sport zur Trendsportart entwickelt hat. „Als Kind habe ich es geliebt, auf Bäume zu klettern. Mit 13 Jahren hat mich dann mein Firmgöti, selbst begeisterter Kletterer, zum Klettern gebracht“, erinnert sich der heute 34-Jährige. Früher habe man die Sportart zumeist als gefährlich abgetan, vor einigen Jahren habe sich dieses Bild drastisch verändert. “Klettern ist eine der wenigen Sportarten, die Stabilität, Koordination und Beweglichkeit fördern“, zählt er die positiven Aspekte auf. „Den Sport kann so gut wie jeder ausüben. Ob klein, groß, dick oder dünn. Jede Tour kann man auf verschiedenste Arten machen. Das ist das Spannende”, versucht er, seine Faszination in Worte zu fassen.
Übernachten in der Felswand
Bei Isele geht die Begeisterung weit über das „Normalmaß“ hinaus: So berichtet er unter anderem von einem Klettertrip im kalifornischen Yosemite-Nationalpark, bei dem er die über 1000 Meter lange Kletterroute „The Nose“ am El Capitan meisterte. „Fünf Tage und vier Nächte waren wir unterwegs. Schlafen in der Felswand inklusive.“ Auch an zahlreichen Kletter-Wettbewerben hat der in Dornbirn lebende frisch gebackene Vater sowohl als Sportler als auch als Betreuer regelmäßig teilgenommen. Vor gut sechs Jahren ist er dann aber auf „die andere Seite“ gewechselt: Seitdem ist der 34-jährige Osteopath, Physiotherapeut und staatlich geprüfte Klettertrainer die Ansprechperson Nummer eins für therapeutische Hilfe des österreichischen Kletter-Nationalteams. Seit vier Jahren fokussiert er sich auf das Boulderteam. „Spannend ist hier, dass ich nicht nur Therapeut, sondern auch der Ersthelfer bin.“ Unterwegs war er in den vergangenen Jahren auf der ganzen Welt: „Vail, Südkorea, China, Hongkong, Aserbaidschan und natürlich in ganz Europa“, nennt er einige Destinationen des Teams, das „derzeit eines der besten weltweit ist“.
“Der Heiler”
Auch in internationale Kletter-Magazine hat es der 34-Jährige bereits geschafft. Dort wird er als „The Healer“ („Der Heiler“) gefeiert. Doch Isele gibt sich diesbezüglich bescheiden: „Ich bilde mich fortlaufend weiter, investiere sehr viel Zeit in jeden Patienten und mache einige Dinge anders als die anderen, etwa indem ich Behandlungsmethoden regelmäßig zugunsten des Patienten adaptiere. Aber als Heiler würde ich mich nicht bezeichnen“, fügt er hinzu und lacht. “Für mich ist eine Behandlung aber erst dann erfolgreich, wenn es dem Patienten auch wirklich besser geht.”
Vor vier Jahren hat Isele den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und in Schwarzach die “Therapierbar” gegründet. Seine Patienten? “Es sind schon einige Spitzensportler dabei. Aber nicht nur”, will er betont wissen. “Ich behandle jeden sehr gerne, auch Schwangere und ältere Personen.” Jeden Montagnachmittag geht es mit seinen Patienten an die Kletterwand in der Dornbirner Kletterhalle. “Oft mit Kindern mit schlechter Haltung. Da kann das Klettern Wunder wirken”, sagt er mit Begeisterung. Und: “Ich liebe meinen Job, kann mir wirklich keinen schöneren Beruf vorstellen. Das Ganze mit meiner Leidenschaft zu verbinden, ist perfekt.”
Den Klettersport kann eigentlich so gut wie jeder ausüben.
Klaus Isele
Zur Person
Klaus Isele
therapiert die österreichische Kletter-Nationalmannschaft
Geboren: 6. Dezember 1980
Ausbildung: Ausbildung zum Physiotherapeuten, Ausbildung zum Osteopathen an der WSO und an der Donau-Uni Krems, zahlreiche Weiterbildungen
Laufbahn: selbstständig seit 2011 („Therapierbar“ in Schwarzach)
Familie: Lebenspartnerin Anneliese, Sohn Lui-Jakob
Wohnort: Dornbirn
Interessen: Sport, Fliegenfischen