Immer weniger neue Haushalte

Prognose für Vorarlberg nach unten revidiert: Langfristig sinkt Bedarf an neuen Wohnungen.
SCHWARZACH Jahrelang hat es ein starkes Bevölkerungswachstum gegeben in Vorarlberg. Damit ist jedoch Schluss. Die Folge: Es werden weniger zusätzliche Wohnungen notwendig. Die Zahl der Haushalte im Land ist bis zum Jahr 2023 um 2000 und mehr pro Jahr gestiegen. Seither handelt es sich nur noch um gut die Hälfte davon und werden es laut einer neuen Prognose der Statistik Austria in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch weniger.
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Statistik Austria hat die Bevölkerungs- und die Haushaltsprognosen für ganz Österreich stark nach unten revidiert. Es sei noch nicht lange her, dass man davon ausgegangen ist, dass 2040 rund 440.000 Menschen leben werden in Vorarlberg. Jetzt rechne man nur noch mit 425.000, bestätigt der Wohnbauexperte Wolfgang Amann: Das seien um 15.000 weniger und möge überschaubar wirken, sei jedoch eine beachtliche Größenordnung. Ziemlich genau so viele Einwohnerinnen und Einwohner hat die Alpenstadt Bludenz.

Amann rechnet sogar damit, dass die Prognose noch weiter nach unten revidiert werden muss: Vorerst ist dies erfolgt, weil man befürchtet, dass der jüngste Geburteneinbruch von Dauer sein wird. Zur Erinnerung: 2025 sind hierzulande so wenige Kinder auf die Welt gekommen wie noch nie seit 1946. Aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung könnte es laut Amann künftig aber auch weniger qualifizierte Zuwanderung geben. Außerdem führe eine restriktive Politik zu weniger Asylverfahren und Familiennachzug. Hier sei man auf die Bremse gestiegen, sodass auch diese Zuwanderung nachlasse.
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Alles in allem gebe es nur noch ein schwaches Bevölkerungswachstum, das um das Jahr 2040 herum sogar in einen Rückgang übergehen dürfte, wie er heute schon in vielen europäischen Ländern läuft, so Amann: „Das hat natürlich große Auswirkungen auf den Wohnungsbedarf.“
Genauer: „Mittelfristig wird der Bedarf sicher zurückgehen. Unsere derzeitigen Bedarfsschätzungen gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aus dem Zuwachs der Zahl der Haushalte und die andere Hälfte aus Abgängen im Bestand resultiert.“ So wird es zum Beispiel immer Häuser geben, die unbewohnbar werden, womit ein Neubau notwendig wird.
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Wolfgang Amman und seine Mitarbeiter vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen erwarten, dass es künftig jährlich rund 2700 neue Wohneinheiten braucht, damit Angebot und Nachfrage in einem ausgewogenen Verhältnis bleiben: „Im Moment sind wir eindeutig unter diesem Niveau. Fürs Gesamtjahr 2025 liegen zwar noch keine Daten vor, wir rechnen aber mit rund 2500 Fertigstellungen. Heuer dürfte es sogar zu einem weiteren Rückgang auf rund 2200 kommen. Baubewilligungen lassen jedoch darauf schließen, dass es in weiterer Folge wieder mehr werden dürften und es zumindest in den Bereich der 2700 gehen wird.“ Zum Vergleich: In den 2010er Jahren sind hierzulande – auch aufgrund der damals großen Bevölkerungswachstums – bis zu 4294 Wohneinheiten errichtet worden.
Bei den Haushalten, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten dazukommen werden, wird es sich vor allem um Ein- und in einem geringeren Ausmaß um Zwei-Personen-Haushalte handeln. Bei größeren Haushalten wird es zunehmend ein Nullwachstum oder gar schon Rückgänge geben.

Auf die Planungen der gemeinnützigen VOGEWOSI hat die längerfristige Prognose vorerst keinen Einfluss. Hier hat man noch alle Hände voll zu tun. Im vergangenen Jahr habe man mit 245 Wohnungen verhältnismäßig viele fertiggestellt, berichtet Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz. Und vorerst werde die Bauleistung auch hoch bleiben.