Wie Vorarlberg wohnt

VN / 06.04.2026 • 14:54 Uhr
Wie Vorarlberg wohnt
Blick auf Dornbirn: Vor 20 Jahren hat die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf noch weniger als 40 Quadratmeter betragen. Heute handelt es sich um 44,6. Foto: VN/Steurer

Immer mehr Ein-Personen-Haushalte und tendenziell sinkende Eigentumsquote.

SCHWARZACH. Es mag überraschen, ist aber so: Die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf wächst bundesweit und auch in Vorarlberg. Vor 20 Jahren hatte sie noch weniger als 40 Quadratmeter betragen. Heute handelt es sich um 44,6, also um über ein Zehntel mehr. Das ist Daten zu entnehmen, die die Statistik Austria im Rahmen von Mikrozensus-Befragungen mit 22.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vom Boden bis zum Neusiedlersee erhoben hat.

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Die Erklärung ist einfach: „Das ist auf die Zunahme des Anteils alleinstehender Personen zurückzuführen“, so Wohnbauforscher Wolfgang Amann: „Hier geht es vor allem um ältere Frauen, die länger leben als ihr Partner. Das ist eine stark wachsende Bevölkerungsgruppe.“

Lag der Anteil der Ein-Personen-Haushalte im Land vor 20 Jahren noch bei 29 Prozent, so handelt es sich mittlerweile um 36. Das ist mehr als ein Drittel. Große Haushalte gibt es auf der anderen Seite immer weniger. So ist der Anteil jener mit fünf oder mehr Mitgliedern im Vergleichszeitraum von neun auf sechs Prozent gesunken.

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Erika Geser-Engleitner beschäftigt sich als Sozialforscherin an der FH Vorarlberg mit Generationenfragen und Wohnformen. Im Laufe eines Lebens gebe es unterschiedliche Bedarfe, betont sie, eine Wohnung wechsle man jedoch nicht so schnell. Und zwar auch dann nicht, wenn sie ursprünglich für mehrere Personen gedacht war und man irgendwann allein darin sei: „Das ist ein heikles Thema.“

Vor allem im Falle von Eigentum: „Dann ist die Barriere, eine Veränderung vorzunehmen, riesengroß, zumal so viel Emotionalität und Lebensgeschichte drinnen steckt und es sich, sofern ausbezahlt, um eine günstige Wohnform handelt.“

Erika Geser-Engleitner
Im Laufe eines Lebens gebe es unterschiedliche Bedarfe, betont Erika Geser-Engleitner, eine Wohnung wechsle man jedoch nicht so schnell: „Das ist ein heikles Thema.“ Foto: FH Vorarlberg

Auch denn, wenn ein Wechsel zum Beispiel aufgrund von Mobilitätsbeschränkungen im Alter vernünftig erscheinen würde, bräuchten Betroffene vielfach die Unterstützung von Angehörigen und Verwandten, um sich zum Beispiel für eine betreutes Wohnen zu entscheiden, so Geser-Engleitner.

Die Zunahme der durchschnittlichen Wohnfläche pro Kopf darf indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch eine gegenläufige Entwicklung gibt: Im Neubau werden Wohnungen laut Amann zunehmend kleiner und auch bei den Eigenheimen gehe die Fläche zurück. Zu tun habe das mit den Kosten, aber auch damit, dass es eben immer mehr kleine Haushalte gebe. Fast jedes zweite Paar hierzulande ist kinderlos und die, die Kinder haben, haben eher nur eines oder zwei. Dafür ist nicht unbedingt ein großes Haus nötig.

Wolgang Amann
Dass die Eigentumsquote im Land tendenziell sinkt, hängt laut Wolfgang Amann auch “damit zusammen, dass sich die Lebenskonzepte geändert haben.” Foto: IIBW

Die Eigentumsquote, die zum Ausdruck bringt, wie viele der Eigenheime und Wohnungen denen, die darin leben, gehören, ist in Vorarlberg im vergangenen Jahr um 0,3 auf 55,5 Prozent gesunken. Das ist jedoch nur begrenzt aussagekräftig. Schaut man sich die längerfristige Entwicklung an, stellt man fest, dass die Quote „tendenziell sinkt“, so Wolfgang Amann. Vor knapp 20 Jahren hatte sie 63,3 Prozent betragen.

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Der geschäftsführende Gesellschafter des „Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen“ sieht vor allem bei unter 35-Jährigen einen massiven Rückgang. Eigentum zu begründen sei teurer und damit gerade auch für sie schwieriger geworden, erklärt er: „Es hängt aber auch damit zusammen, dass sich die Lebenskonzepte geändert haben. Während früher viele Mitte 20 einen stabilen Job hatten und sesshaft geworden sind, ist das heute eher erst mit 30 der Fall.“