Peters Weg aus der Panikstörung

Vom Angststrudel zur Selbstfürsorge: Peter bezwingt seine Panikattacken und findet zurück ins Leben.
Schwarzach Im Jahr 2019 befand sich Peter in einer Lebenssituation, die ihn überforderte. Sein Vater, den er sehr liebt, litt an einer lebensbedrohlichen Krankheit. Hinzu kam, dass Peter in seinem Job finanzielle Missstände auffielen. “Aber mein Chef kehrte es unter den Teppich.” Außerdem befand er sich in einer Beziehung, die ihm nicht guttat. “Meine Partnerin war sehr dominant.” Und zu guter Letzt war er im Masterstudium stark gefordert. All das war zu viel für den jungen Mann. “Ich habe alles geschluckt und mich mit diesen Themen nicht näher auseinandergesetzt.”
An einem Tag im Mai 2019 wurde ihm an der Uni plötzlich schwindelig. “Mir schnürte es den Hals zu. Ich bekam keine Luft mehr. Mein Herz fing an zu rasen. Ich bekam Schweißausbrüche.” Peter dachte, dass er sterben muss. Erst nach mehreren solcher Panikattacken kapierte er, dass er daran nicht stirbt. Sie waren unberechenbar und suchten ihn überall heim: zu Hause, an der Uni, am Fußballplatz, im Zug, im Flugzeug oder an Orten, wo viele Menschen waren. “Nirgends war ich vor ihnen sicher.”
Die Angst vor der Angst
Als Reaktion darauf zog er sich immer mehr zurück. “Ich geriet in einen Angststrudel hinein. Mich quälte auch die Angst vor der Angst. Ich konnte nicht mehr zur Uni gehen und nahm immer weniger am sozialen Leben teil.” Familienfeiern und andere gesellige Zusammentreffen mied er. “Die Panikattacken hatten mich fest im Griff. Zur ärgsten Zeit hatte ich täglich eine Attacke.”
Peter wusste nicht, wie er ihnen Herr werden konnte. “Am Anfang habe ich mich mit Alkohol betäubt.” Aber er kapierte schnell, dass dies nicht der richtige Weg ist. “Mir wurde klar, dass ich es aus eigener Kraft nicht schaffe. Deshalb habe ich einen Psychiater aufgesucht.” Dieser verschrieb ihm Medikamente und empfahl ihm, sich den angstauslösenden Situationen zu stellen. “Später habe ich dann eine Psychotherapeutin gefunden, bei der ich unter anderem die Beziehung zu meinem Vater aufgearbeitet habe. Dadurch wurde meine Beziehung zu ihm enger.”
“Erst wenn es dir einmal schlecht gegangen ist, weißt du es zu schätzen, wenn es dir gut geht.”
Peter
Im Jahr 2022 kam es zu einem Einschnitt in seinem Leben. Seine Partnerschaft zerbrach. “Jetzt konnte ich wieder mehr ich selbst sein.” Nun stand für ihn Selbstfürsorge an erster Stelle. “Ich habe aufgehört zu rauchen und begonnen, mich gesünder zu ernähren. Außerdem trieb ich viel Sport.” Die Konsequenz war, dass die Panikattacken seltener wurden. “Ich hatte ein Stück weit wieder die Kontrolle erlangt.” Vor zwei Jahren verschwanden sie ganz.
Peter, der sein Masterstudium wegen seiner Angststörung abgebrochen hatte, nahm sein Studium wieder auf. “Im Jänner habe ich meine Masterarbeit abgegeben. Und im September trete ich zur Abschlussprüfung an.” Im Nachhinein kann der 32-Jährige den Panikattacken sogar etwas Positives abgewinnen. “Sie haben mich persönlich weitergebracht und zu dem gemacht, der ich heute bin.” Ihm wurde dadurch auch etwas klar: “Erst wenn es dir einmal schlecht gegangen ist, weißt du es zu schätzen, wenn es dir gut geht.”