Wenn das Glück einen Namen hat
Das war nicht so sein Tag heute. Er geht im Zimmer auf und ab wie ein Tier hinter Gittern, nimmt sich ein Buch zur Hand, blättert zerstreut darin, legt es wieder weg. Soll er noch raus, eine Runde laufen? Oder doch lieber mit Paul ein Bier trinken? Aber ihm ist nicht nach Gesellschaft. Das war heute nicht sein Tag.
Oh, nein, es ist nichts passiert. Weder schlechte Nachrichten noch ernstes Zerwürfnis. Es hat ihn nicht mal jemand scheel angesehen im Büro. Ach Gott, die übliche Mühsal halt, die so ein Montag mit sich bringt, aber, was ist das schon? Nein, wenn er’s recht bedenkt, kann er sich seinen Stimmungsabschwung nicht erklären. Und doch…
Als er mürrisch ein paar patzige Antworten gibt, wird sie eine Spur leiser. Er hört es nicht. Sie folgt seinen Bewegungen aus dem Augenwinkel. Er sieht es nicht. Lässt ihn erst mal zur Ruhe kommen. Er spürt es nicht. Und während er noch durchs Haus und den Garten tigert, wird er allmählich gewahr, was sie heute alles geschafft hat. Er staunt. Hatte sie sich nicht eben das Handgelenk gerieben, weil es schmerzte? Er stockt. Sie muss den ganzen Tag gerackert haben wie verrückt, denkt er sich. Und ausgerechnet sie hat er angefaucht! Noch während ihm das schlechte Gewissen in den Nacken kriecht, lehnt sich ein Kopf an seine Schulter. Wortlos. Und er, der eben noch mit sich und der Welt gehadert hat, wird jetzt ganz überflutet vom Bewusstsein, dass das Glück einen Namen trägt. Ihren Namen.
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