Frieden schaffen durch Dialog

Vorarlberg / 13.08.2023 • 15:20 Uhr
Vor vier Jahren ist die Friedens- und Konfliktforscherin nach Vorarlberg zurückgekehrt. <span class="copyright">HRJ</span>
Vor vier Jahren ist die Friedens- und Konfliktforscherin nach Vorarlberg zurückgekehrt. HRJ

Konflikte gehören zum Leben, sagt die Friedens- und Konfliktforscherin Lisa Hämmerle.

BREGENZ Auseinandersetzungen zwischen Nationen. Streit zwischen individuellen Personen. Innerer Zwiespalt, den jeder Mensch zu bewältigen hat. Konflikte sind allgegenwärtig und manifestieren sich auf unterschiedliche Weise. Friedens- und Konfliktforscher, die diese komplexen Spannungen und deren Auswirkungen untersuchen, haben erkannt, dass Konflikte nicht unbedingt zu Gewalt und Zerstörung führen müssen, sondern positive Veränderungen bewirken können. „Wir brauchen Konflikt in unserem Leben, um herauszufinden, wer wir sind und wer wir sein wollen. Als Individuen, aber auch als Gesellschaft“, sagt Lisa Hämmerle. Die 30-jährige Friedens- und Konfliktforscherin engagiert sich seit drei Jahren in Bregenz in der Konfliktberatung und -begleitung für Entscheidungsträger(innen) und Führungskräfte in Organisationen und Privatwirtschaft.

Beim Wandern kommt die engagierte junge Frau zur Ruhe und tankt Kraft. <span class="copyright">Hämmerle</span>
Beim Wandern kommt die engagierte junge Frau zur Ruhe und tankt Kraft. Hämmerle

Für diesen Beruf hat sich Lisa Hämmerle im Laufe ihres Ausbildungsweges entschieden. In Lustenau aufgewachsen, beschloss die abenteuerlustige junge Frau nach dem Abschluss der Handelsakademie zuerst einmal als Rucksackreisende durch Australien, Neuseeland und Thailand zu ziehen. „In Neuseeland habe ich bei einer Maori-Familie gewohnt, in Thailand unterrichtete ich Englisch“, erzählt sie. Als sie ein Jahr später heimkehrte, war ihr Rucksack angefüllt mit Erfahrungen, die ihre Haltung zu anderen Völkern und Kulturen stark geprägt haben.

Lisa wohnt in Bregenz und ist dort am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs. <span class="copyright">HRJ</span>
Lisa wohnt in Bregenz und ist dort am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs. HRJ

Lisa zog nach Wien, um dort ein Bachelor-Studium in Politikwissenschaft sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft zu absolvieren. Daraufhin studierte sie „International Peace Studies“ in Dublin (Irland) sowie „Mediation und Konfliktmanagement“ in Frankfurt an der Oder (Deutschland). Ihr Spezialgebiet ist Friedenspsychologie und -philosophie.

Die Bücherwelt in der Eingangshalle des Landesmuseums hat es Lisa Hämmerle angetan. <span class="copyright">HRJ</span>
Die Bücherwelt in der Eingangshalle des Landesmuseums hat es Lisa Hämmerle angetan. HRJ

Internationale Berufserfahrung sammelte Lisa bei der österreichischen Botschaft in Australiens Hauptstadt Canberra, im NGO-Bereich in Seoul (Südkorea) sowie bei der EU-Delegation für die UN in Genf (Schweiz). Wie sich die Folgen eines bewaffneten Konflikts anfühlen, erfuhr Lisa in Nordirlands Hauptstadt Belfast: „Dort lernte ich, wie man verfeindete Gruppen an einen Tisch bringt und sie motiviert, miteinander zu reden und sich auf humaner Ebene wieder zu begegnen“, erklärt sie.

Den Workshop „Kunst des Verstehens“ hielten Lisa und Nicholas beim Art for Peace Festival in Frankfurt ab. <span class="copyright">Hämmerle</span>
Den Workshop „Kunst des Verstehens“ hielten Lisa und Nicholas beim Art for Peace Festival in Frankfurt ab. Hämmerle

2019 kehrte sie nach Vorarlberg zurück. Im Jahr darauf gründete sie mit ihrem Partner Nicholas Perpmer das Projekt Peace Intelligence. Dabei geht es um den Umgang mit Konflikt auf physischer und psychischer Ebene, mit dem Ziel, ein ganzheitliches Verständnis von Frieden und Konflikt zu schaffen. „Konflikte muss man sichtbar machen, sie entmystifizieren“, betont Lisa: „Konflikte sind nichts Schlechtes. Man kann sie in etwas Positives umwandeln, damit sie uns weiterbringen als Gesellschaft, aber auch im persönlichen Wachstum.“ Wichtig sei vor allem, andere Meinungen zu akzeptieren, ohne dieselbe Meinung teilen zu müssen.

Lisa Hämmerle und ihr Partner Nicholas Perpmer (l.) halten einen Vortrag zum Thema Frieden und Konflikt. <span class="copyright">Hämmerle</span>
Lisa Hämmerle und ihr Partner Nicholas Perpmer (l.) halten einen Vortrag zum Thema Frieden und Konflikt. Hämmerle

In ihren Workshops und Seminaren, die sie für alle abhält, die mehr über die konstruktive Bearbeitung von Konflikten wissen möchten, benutzt sie als Hauptwerkzeug den Dialog: „Die Teilnehmer eignen sich die Fähigkeit an, Dialoge zu führen, die zum Ziel haben, das Gegenüber zu verstehen.“
Lisa Hämmerle ist nicht nur in Vorarlberg tätig, sondern international. Zuletzt hielt sie mit ihrem Partner beim Art for Peace Festival Ende Mai in Frankfurt den Workshop „Kunst des Verstehens“. Weitere Einsätze im Ausland sind geplant.

Das junge Paar erholt sich bei einem Picknick am See von ihrer intensiven Tätigkeit. <span class="copyright">Hämmerle</span>
Das junge Paar erholt sich bei einem Picknick am See von ihrer intensiven Tätigkeit. Hämmerle

Ausgleich findet Lisa beim koreanischen Kampfsport Taekwondo sowie beim Wandern: „In der Natur komme ich zur Ruhe und tanke Kraft.“ Kraft und zwischendurch Ruhe braucht Lisa Hämmerle für den Weg, den sie geht und den sie anderen zeigt.

ZUR PERSON

LISA HÄMMERLE

GEBOREN 22. Jänner 1993

WOHNORT Bregenz

BERUF Friedens- und Konfliktforscherin

FAMILIE verpartnert mit Nicholas Perpmer

KONTAKT www.haemmerle-perpmer.com