Die Magie von Styropor

Autor Stefan Karch liest zum ersten Mal auf der VN-Kinder- und Jugendbuchmesse Buch am Bach.
Stubenberg, Götzis Was macht ein Puppenspieler, wenn die Stücke, die er aufführen möchte, noch gar nicht geschrieben sind? Er setzt sich an den Schreibtisch und erfindet eigene Geschichten. Das war der Anfang von Stefan Karchs Erfolgskarriere als Kinderbuchautor. Und die beste Möglichkeit, sich in seinen Traumberufen zu etablieren. Als Puppenbauer, Puppenspieler, Kinder- und Jugendbuchautor sowie als Illustrator.

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Erstmals auf der Buch am Bach
Zum ersten Mal liest und spielt Stefan Karch mit seinen selbst hergestellten Puppen am Mittwoch, 21. Juni und am Donnerstag, 22. Juni bei der VN-Kinder- und Jugendbuchmesse Buch am Bach auf der Kulturbühne Ambach in Götzis. Das ganz besondere, ja geradezu einzigartige an seinen Lesungen ist: Der Steirer inszeniert seine Bücher gerne als Lesetheater, ganz ohne Kulissen. Er haucht seinen selbst gebauten Figuren Leben ein und verschwindet dabei immer mehr im Hintergrund. So wird die Magie auf die Zuschauer übertragen. Für sie wirkt es, als wären die Puppen lebendig.
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„Voraussetzung ist, dass ich an die Figur glaube und dass die Figur eine Persönlichkeit hat. Dann werde ich eins mit der Figur.“
Stefan Karch, Autor, Illustrator und Puppenspieler

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Kulissen geschoben
Dabei wollte der Vater dreier Töchter ursprünglich Bildhauer werden. Geweckt wurde dieser Berufswunsch von einem Zeichenlehrer. Der erkannte Karchs Talent für plastisches Gestalten. „Zur Matura bekam ich die Aufgabe, eine Tonfigur zu bauen“, erinnert sich der Steirer zurück. „Ich hatte gerade mal zehn Minuten Zeit.“ Doch dann sah er, dass im Figurentheater die Figuren belebt werden und war begeistert. Kurzerhand bewarb er sich als junger Student beim legendären Wiener Urania Puppentheater. „Dort habe ich Kulissen geschoben“, erzählt Karch lachend von damals. „Figuren durften wir keine spielen, nur den Wald oder das Haus auf die Bühne schieben.“ Später arbeitete er drei Jahre lang mit einem Tschechen zusammen, der Puppistik studiert hat. Längst wusste er: Er will als Profi-Puppenspieler die Puppen tanzen lassen. Dennoch erlernte er einen Brotberuf, absolvierte eine pädagogische Ausbildung und arbeitete sechs Jahre als Integrationslehrer. Bis zum ersten Verlags-Vertrag, den er bei Österreichs führendem Verlag, dem G&G-Verlag, unterschrieb. Der heute 60-Jährige sah im Buch ein Medium, bei dem die Vermittlung eine große Rolle spielt. Für ihn eine gute Verbindung. Das war 1997, als Timmi Tiger das Licht der Welt erblickte. Kindgerecht und bunt illustriert erlebte er nicht nur eine Reise ins Reich der Fantasie, sondern kletterte auch gleich die Erfolgsleiter hoch. Sogar in Indonesien und Korea kennt und liebt man den Buben mit den Haaren, die aussehen wie Blitze.

Ein Autodidakt
„Die Türen sind so gut aufgegangen“, blickt Karch auf mehr als 25 erfolgreiche Jahre zurück. Mittlerweile sind es an die 50 Bücher, die er geschrieben hat und die unter anderem auch ins Chinesische übersetzt wurden. Außerdem war der Stubenberger Kinderbuchautor unter anderem zweimal für den Preis der jungen LeserInnen (Leserstimmen) nominiert.
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Rückblickend sieht sich Karch als Autodidakt. Mit dem Tun, dem Bauen und Nähen der Figuren sei die Professionalität gewachsen. Damals wie heute legt er jedoch großen Wert darauf, dass die Figur optimal zu einer Geschichte passt. Stellt sich nun die Henne- und Ei-Frage. Was kommt zuerst? „Zuerst schreibe ich das Buch, dann fertige ich die Figuren an“, antwortet der universelle Künstler. Dabei verwendet der geschickte Handwerker gleich mehrere Materialien. „Ich schnitze die Gesichter aus Styropor oder nähe vorher zwei Stoffe und gebe Schaumstoff dazwischen, damit der Kopf innen hohl bleibt“, verrät er seine Vorgangsweise. In seiner Werkstatt am Dachboden – Karch lebt mit seiner Frau auf einem 300 Jahre alten Bauernhof in Stubenberg am See – ist auch der Sammler in ihm erkennbar. „Man kann alles brauchen“, sagt er schmunzelnd und zeigt auf jede Menge Kopierpapier. Dieses kam bei seinem jüngsten Buchprojekt zum Einsatz. Für „Vincent und ich“ setzte er auf eine einfache Figur, verwendete lediglich Kopierpapier und Klebeband. Doch mit wenigen Handgriffen wurden daraus dreidimensionale, fantastische Objekte. Diese Technik verwendet Karch auch in seinen Workshops mit Kindern. Angesprüht zum Beispiel mit reflektierenden Farben, die bei UV-Licht leuchten, verwandeln sie sich im dunklen Raum zu fantastischen Objekten. „Das ist immer ein großes Erlebnis“, erzählt er. „Vincent und ich“ hat Stefan Karch auch bei der Buch am Bach mit dabei, ebenso wie „Kaktüs, der Wald und die Welt“ oder „Das Einsteinprojekt – Kreativer, philosophischer Workshop“. Noch sind Plätze frei. CRO
