Einmal mehr dem Tod entronnen

Der schwer behinderte Manfred Mottl ist ein besonderer Lebenskünstler.
Er ist noch geschwächt. Und müde. Manfred Mottl hat sich von seinem letzten Spitalsaufenthalt im Herbst noch nicht erholt. Einmal mehr war das Leben des 61-jährigen schwer behinderten Mannes in Gefahr. Acht Tage lang kämpfte er auf der Intensivstation des Krankenhauses Dornbirn gegen den Tod an. Heute sagt er mit Ironie: „Ich lebe noch! Im Moment zumindest.“
Manfred Mottl – er sitzt im Rollstuhl – wartet in der Eingangshalle des Kaplan-Bonetti-Wohnheims in Dornbirn. Er fährt voran zum Aufzug. Sein Zimmer liegt im ersten Stock. Hier ist es ruhig, hier kann er ungestört reden. Über sein bisheriges Leben, das von Anfang an von Hürden geprägt ist, die er überwinden muss. Über seine letzte Begegnung mit dem Tod.

Kinderlähmung als Baby
Es beginnt schon kurz nach der Geburt. Mottl, der am 27. November 1961 in Graz zur Welt gekommen ist, erkrankt im Alter von sechs Wochen an Poliomyelitis (Kinderlähmung). Die Folgen dieser Viruserkrankung sind unter anderem eine Querschnittlähmung, eine deformierte Wirbelsäule, keine Muskelentwicklung. So wächst er schwer körperlich eingeschränkt im Elternhaus in Lustenau auf. Er hat drei Brüder und eine Schwester.
Mottl absolviert nach Volks- und Hauptschule die Handelsschule und lässt sich in Deutschland zum Industriekaufmann ausbilden. Danach verkauft er Zeitschriftenabonnements. Von Tür zu Tür. Mit dem Rollator. Den Job macht er fünf Jahre in Deutschland, dann fünf Jahre in Vorarlberg – von Lustenau aus, wo er wieder wohnt.

1990 ist Schluss mit dem Abo-Verkauf. Mottl wird freischaffender Künstler. Er stellt Gießkeramik-Objekte her, dann Badesalz, Seifen, Kräuteröle. „Meine Kunstwerke und Wellnessprodukte habe ich jedem angeboten, der mir über den Weg gelaufen ist“, erzählt Mottl. 2019 ist auch damit Schluss: „Ich konnte nicht mehr, weil es mir körperlich ganz schlecht ging.“
Seine miserable Verfassung ist auf mehrere Ereignisse zurückzuführen. Da war zum Beispiel der Unfall mit dem Rollator im Jänner 2010 in einem Vorarlberger Amtsgebäude, bei dem er eine Serie von Knochenbrüchen davontrug, und seit dem er sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen kann.
Dann eine verschleppte Lungenentzündung im Juli 2013, die ihn beinahe ins Jenseits befördert hat. 2022 entkommt Mottl einmal mehr dem Tod. Am 29. September wird er auf die Intensivstation des Krankenhauses Dornbirn eingeliefert. „Ich bekam keine Luft mehr, konnte nicht mehr atmen“, weiß er noch. Die Diagnose lautet Lungenödem. Nach drei Wochen wird er entlassen. Seitdem braucht er ein Sauerstoffgerät.

Es gibt auch Momente im Leben von Manfred Mottl, die ihm Mut gemacht haben, seine Behinderungen mit Würde zu ertragen. Da war die Epoche, in der er sich politisch engagiert hat. 2010 gründet er die Menschenpartei Österreich (MPÖ), gibt sie aber wieder auf, „weil es mühsam war, Menschen zu finden, die mit Herz und Seele dieses Land retten wollen“. Daraufhin schließt er sich der Piratenpartei an: „Reine Zeitverschwendung.“ Schließlich ist er als Wahlkämpfer der Christlichen Partei (CPÖ) für die Nationalratswahlen 2013 im Einsatz. Sein Wahlslogan damals: „Sei kein Trottel, wähl‘ den Mottl.“ Er sei zwar weiterhin politisch interessiert, informiert er, „aber ich bin nicht mehr aktiv tätig“.
Das Wichtigste in seinem Leben sind seine Frau Cristina, Sohn Maximilian (7) und Stiefsohn Gabriel (10). Cristina hat er übers Internet kennengelernt, „zusammengekommen sind wir im Jänner 2015 bei ihr daheim auf der Philippineninsel Luzon. Dort haben wir 2017 geheiratet“. Sein größter Wunsch ist es, „dass meine Familie bald zu mir kommen kann“. Dafür braucht der Familienvater eine eigene Wohnung und Geld. Eine Wohnung hat er bereits in Lustenau. Im Kaplan-Bonetti-Wohnheim residiert er seit der Spitalsentlassung im Oktober und nur, bis er in Kürze in seine neue Wohnung einziehen kann.
Die größte Hürde
Nun gilt es, die größte Hürde zu überwinden: die mangelnden finanziellen Mittel. Das Geld, das ihm als Halbwaisenrentner samt Krankheit und Behinderung zusteht, reicht nicht zum Leben. Darum haben seine Freunde für ihn eine Spendenaktion ins Leben gerufen. (Spendenkonto Manfred Mottl, IBAN: AT54 2060 2011 0111 3965, BIC: DOSPAT2DXXX)
„Ich hoffe inständig, dass ich mit Cristina und den Jungs bald wieder zusammen sein kann. Sie fehlen mir sehr“, sagt Manfred Mottl und legt sich die Sauerstoffbrille an. „Wer weiß, ob ich die nächste Erkrankung überlebe.“ HRJ