Von Bürserberg nach Bolivien und zurück

VN / 03.02.2026 • 19:00 Uhr
Elisabeth Schwald-Huemer denkt oft an die Zeit in Bolivien zurück. HRJ
Elisabeth Schwald-Huemer denkt oft an die Zeit in Bolivien zurück. hrj

Elisabeth Schwald-Huemer hat in ihren 85 Lebensjahren viel erlebt und viel erfahren.

BÜRSERBERG Wenn Elisabeth Schwald-Huemer aus ihrem Leben erzählt, kehren ihre Gedanken immer wieder nach Bolivien zurück. Drei Jahre lang war sie als Entwicklungshelferin in dem südamerikanischen Land im Einsatz – eine Entscheidung, die das Leben der heute 85-Jährigen nachhaltig geprägt hat.

Geboren wurde Elisabeth mitten im Krieg, am 7. Februar 1941 in Bürserberg. Als fünftes von sieben Kindern wuchs sie auf der elterlichen Landwirtschaft auf und musste früh mit anpacken. Trotz Entbehrungen denkt sie gerne an eine schöne Kindheit zurück. Die Nachkriegszeit unter französischer Besatzung ist in ihrer Erinnerung verblasst.

Das Nähen ist für die gelernte Schneiderin eine Leidenschaft geblieben. HRJ
Das Nähen ist für die gelernte Schneiderin eine Leidenschaft geblieben. HRJ

Innere Stimme

Nach der Schneiderlehre absolvierte sie Gesellen- und Meisterprüfung und eröffnete mit 24 Jahren in Dornbirn eine eigene Schneiderei. Bei ihren Wanderungen in den Bergen oberhalb der Stadt verweilte sie oft in einer Kapelle. Dort hörte sie immer wieder eine innere Stimme, die ihr sagte: „Auf dich kommt noch etwas Besonderes zu.“ Immer fragte sie sich: Was könnte das sein? Die Antwort kam am Pfingstsonntag 1970, als während der Messe ein Missionar über Entwicklungszusammenarbeit sprach. Sie wusste sofort: Das ist es. Zwei Tage später meldete sie sich bei der Diözese Feldkirch, die sie an den Österreichischen Entwicklungsdienst (ÖED) in Wien vermittelte. Nach einem intensiven Vorbereitungsprogramm – inklusive Spanischkurs – wurde Bolivien ihr Einsatzland.

Am Ostersonntag 1971 traf sie in San Ignacio de Velasco ein, einer Stadt im Osten des Landes. Dort unterrichtete sie an der Hauswirtschaftsschule des Bildungszentrums Granja Hogar – einer Einrichtung der Batschunser Frohbotinnen – die Fächer Schneiderei und Materialienkunde. „Meine Schülerinnen waren zwischen 14 und 17 Jahre alt“, sagt sie. Zusätzlich führte sie die Projektbuchhaltung.

Seit ihres Südamerika-Aufenthalts hat Elisabeth Schwald-Huemer ein ausgeprägtes Interesse an Fremdsprachen. HRJ
Seit ihres Südamerika-Aufenthalts hat Elisabeth Schwald-Huemer ein ausgeprägtes Interesse an Fremdsprachen. HRJ

In dieser Zeit begegnete sie dem Oberösterreicher Gustav Huemer. „Gustl war ein Jahr vor mir nach San Ignacio gekommen“, erzählt Elisabeth. „Er arbeitete im Bischofsvikariat in der Tischlerei.“ Er verliebte sich in sie. Doch sie wollte zunächst nichts davon wissen. Sie war ja zum Arbeiten dort. „Seine Eselsgeduld hat sich dann doch ausgezahlt“, sagt Elisabeth und lacht. „Am 15. September 1971 heirateten wir in Bolivien.“ Ein Jahr später kam Sohn Marcus zur Welt. 1974 kehrte die Familie nach Vorarlberg zurück.

Der Abschied von Bolivien fiel Elisabeth schwer. Die drei Jahre in San Ignacio hinterließen tiefe Spuren. „Das Leben dort ist viel einfacher, aber freier als hier“, erklärt sie. „Die Menschen sind sehr gastfreundlich, und sie nehmen sich mehr Zeit füreinander.“ Die Arbeit mit ihren Schülerinnen hat ihr besonders am Herzen gelegen.

Ihren Mann Gustl hat Elisabeth während ihres Einsatzes als Entwicklungshelferin kennengelernt. HRJ
Ihren Mann Gustl hat Elisabeth während ihres Einsatzes als Entwicklungshelferin kennengelernt. HRJ

Zurück in Bürserberg lebte die Familie zunächst im Elternhaus, 1978 zog sie ins eigene Heim. Nach und nach wuchs die Familie: zwei Töchter und zwei Söhne kamen dazu. Längst sind die Kinder ausgezogen. Im Haus lebt nur noch die 17-jährige Tigerkatze Guapa.

Derzeit Singverbot

Trotz großer Familie und Haushalt blieb Elisabeth stets aktiv. Sie hielt Nähkurse, arbeitete als Reiseleiterin bei 14-tägigen Wallfahrten nach Fatima. „Heute bin ich ein bizzele faul geworden“, meint sie mit einem Schmunzeln. Von wegen: Sie näht nach wie vor, bügelt für andere, kocht, pflegt den Garten. Und seit 71 Jahren singt sie im Chor. Ihre Altstimme ist im Bürserberger Chor ebenso zu hören wie bei der Chorgemeinschaft Cantemus. „Derzeit habe ich allerdings Singverbot“, bedauert sie. „Meine Stimmbänder sind beleidigt.“

Ihre Wünsche? „Ich wünsche mir, dass es den Kindern gut geht, und dass Gustl und ich noch ein paar schöne Jährchen miteinander haben.“ HRJ