Schruns: Eine Frau, die in der Gemeinde endlich etwas bewegen will

Vorarlberg / 25.12.2021 • 10:00 Uhr
Schruns: Eine Frau, die in der Gemeinde endlich etwas bewegen will
Mitglieder des Sozialausschusses. Ganz vorne: Tanja Könsgen. Gemeinde Schruns

Tanja Könsgen ist neue Obfrau des Sozialausschusses in Schruns und hat diesen gleich einmal umstrukturiert.

Schruns Tanja Könsgen will in Schruns etwas bewegen, etwas vorwärts bringen, vor allem im Sozialbereich, weshalb sie auch neue Obfrau des Sozialausschusses – Leben in Schruns geworden ist. In die Gemeindevertretung ist sie „irgendwie hineingeschlittert“, betont aber, kein Interesse an Politik zu haben. „Ich mag es, Dinge zu verändern“, sagt sie, aber eben nur im Sozialbereich, weshalb sie auch sonst in keinem anderen Ausschuss tätig ist. Als Sozialarbeiterin, Sozialpädagogin, Trauma- und Psychotherapeutin ist ihr vor allem das Wohl der Kinder und Jugendlichen ein Anliegen. Sie selbst ist Mutter dreier Jungen. „Was gibt es Schöneres, als den Ort mitzugestalten, wo sie aufwachsen?“

Umstrukturierungen

Den Sozialausschuss hat sie als neue Obfrau etwas umstrukturiert. Damit nicht jeder für sich im stillen Kämmerlein vor sich hinarbeitet, wurden vorab Themen, die Schruns bewegen, in einem Workshop gesammelt, bewertet und in einer Liste zusammengestellt. Anschließend wurden die Verantwortungsbereiche gebildet und den Ausschussmitgliedern zugeordnet.


Von nun an ist jedes Mitglied (Martin Borger, Christof van Dellen, Gabriele Gerszi, Wolfgang Honold, Rosa-Maria Jenny, Tobias Kieber, Tanja Könsgen, Stefanie Kuster, Theresa Scheibenstock, Bernd Steiner, Daniel Thöny und Monika Vonier) für einen ihm übertragenen Zuständigkeitsbereich allein verantwortlich. „Im Montafon gibt es so viel Engagement, Wissen und Können, das genutzt werden kann“, so Tanja Könsgen, die für die Bereiche Kinder, Vernetzung und Ehrenamt zuständig ist.

Kinder zu Wort kommen lassen

Bereits in die Wege geleitet hat Könsgen das Projekt „Kinderpartizipation“, das 2022 an der Schrunser Volksschule starten wird. Kinder sollen am (politischen) Geschehen teilhaben dürfen. „Kinder sind schützenswert. Wir müssen Plätze schaffen, an denen Kinder gehört werden“, fordert Könsgen. Die Idee: Die Kinder lernen im Unterricht etwas über Politik, machen Workshops, besuchen Ausstellungen. Und während dieses Arbeitsprozesses entstehen Wünsche, welche die Kinder den Gemeindevertretern vortragen können. Die Gemeindevertreter nehmen sich diesen Wünschen ernsthaft an und diskutieren darüber, was realistisch ist und was nicht. „Für die Kinder entsteht so ein eigener Raum, in dem sie ihre Stimme erheben können“, erklärt Könsgen.

<p class="caption">Der alte Hof Zagrabs soll zum externen Lernort umgemodelt werden. <span class="copyright">Ina Mahlbacher</span></p>

Der alte Hof Zagrabs soll zum externen Lernort umgemodelt werden. Ina Mahlbacher

Der Sozialausschuss will viele Projekte in die Wege leiten, unter anderem den externen Lernort Zagrabs (die VN berichteten). Kinder könnten auf dem alten Hof lernen, wie die Menschen früher gelebt haben, könnten Tiere halten und selbst Strom produzieren. Von der analogen Bildung ist Könsgen begeistert.
Kinder und Jugendliche kommen im Sozialausschuss nicht zu kurz. Dem Jugend- und Skaterplatz nehmen sich Stefanie Kuster, Martin Borger und Tobias Kieber an. Ina Mahlbacher und Reinhard Winterhoff wollen das Projekt „Senioren meets Kids“ weiterverfolgen: Eine Plattform für Menschen mit großen Altersunterschieden soll entstehen.

Mülleimer, ja oder nein?

Bernd Steiner ist dagegen der Müllexperte. Gerade wird über die vollen Mülleimer, den achtlos weggeworfenen Müll und die illegale Restmüllentsorgung in Schruns diskutiert. Die entscheidende Frage hierbei: Stellt man mehr Mülleimer auf oder lässt man die Mülleimer ganz weg? Bernd Steiner hat sich im Kleinwalsertal ein Bild gemacht. Dort gibt es keine Mülleimer und damit auch keinen Müll auf dem Boden. Versuchsweise werden nun an der Litz auf der einen Seite die Mülleimer abmontiert und auf der anderen Seite mehr Mülleimer aufgestellt. Im Frühjahr zieht man dann ein Fazit.

Öffentliches WC gewünscht

Ein weiteres Anliegen des Sozialausschusses ist ein öffentliches WC für Schruns. „Das ist ein Dauerbrenner bei uns im Dorf“, sagt Tanja Könsgen, die seit 17 Jahren in Schruns wohnt und gebürtige Saarländerin ist. Für das öffentliche WC wurden zwei mögliche Standorte eruiert, einmal am Spielplatz an der Litz und einmal im Zentrum von Schruns. Es werden tausend Gründe vorgeschoben, warum ein öffentliches WC nicht machbar sei, meint Könsgen. Deswegen schaut sich der Sozialausschuss die Plätze selbst an, um zu eruieren, wo ein öffentliches WC möglich wäre.

Tanja Könsgen, Obfrau des Sozialausschusses Schruns.
Tanja Könsgen, Obfrau des Sozialausschusses Schruns.

Mit Christof van Dellen will Tanja Könsgen ermitteln, wie viele Ärzte es in Schruns gibt und wie gut die medizinische Versorgung hier ist. Eventuell könnte Schruns ein Ärztehaus gut vertragen, wenn die Bevölkerung weiter wachsen sollte.


Die Ausschussmitglieder stehen untereinander im ständigen Kontakt und sind offen für Wünsche und Anregungen aus der Bevölkerung. Deswegen dürfen die Schrunser auch selbst zu den Sitzungen des Sozialausschusses kommen und so das Dorf mitgestalten. „Jeder, der möchte, kann sich engagieren“, sagt Könsgen.

Sich in der Nachbarschaft aushelfen

Auch eine Ehrenamtbörse soll nächstes Jahr an den Start gehen. Ob Kuchen backen, Bierbänke zur Verfügung stellen, jemanden beim Umziehen oder Möbelaufbauen helfen: In Schruns wird einem geholfen. „Die Schrunser machen alles für dich“, schwärmt die dreifache Mutter. „Es gibt massenhaft Helfer, aber nur wenige, die danach suchen.“ Deshalb will sie eine Liste mit den Kontaktdaten von Leuten erstellen, die man im Bedarfsfall um Hilfe fragen kann.
Diese Ehrenamtbörse ist ohne Verbindlichkeiten. „Das Ehrenamt stirbt aus, weil alle denken, dass man für immer daran haften bleibt“, meint Könsgen. Deswegen soll nur derjenige helfen, der gerade Zeit und Spaß daran hat. So soll die „Dorfpower griffig gemacht werden“, die sowieso schon „unterirdisch im Dorf“ herrscht. „In Schruns gibt es alles und viel mehr, es muss nur genutzt werden“, sagt Könsgen abschließend. VN-JUN