Zündschnur mit Band auf Abschiedstour

Mit vier Konzerten sagt die Kultband im Frühjahr 2022 endgültig Adieu.
egg „Wenn es Corona zulässt, dann werden wir mit Zündschnur & Band im Frühjahr 2022 unsere Abschiedstour starten – am 26. März ist das allerletzte Konzert in der großen Besetzung geplant“, kündigt Gründer und Frontman Ulli Troy das Ende der legendären Wälder Band an.
Die gute Nachricht
Ein kleiner Trost bleibt den vielen Fans: Ganz zurückziehen wird er sich nicht, denn „ich kann mir vorstellen, ganz spontan mit einer Klein- oder Kleinstformation hin und wieder Musik zu machen“, verrät er im Gespräch mit der VN Heimat und fügt hinzu, „dass wir ja auch aus den Bahnteifln die verkleinerte Band Hanskaspas Enkel gemacht haben“. Möglich, dass Zündschnur dabei spontan wieder mit Stemmeisen auftreten wird.
Das Organisieren ermüdet
Müde geworden zu sein Musik zu machen, so der Bandleader, sei nicht das Problem, das mache ihm nach wie vor Spaß, aber das ganze Drumherum mit der Organisation der Tourneen und die Abstimmung mit den anderen fünf Bandmitgliedern, die man für Proben und Auftritte unter einen Hut bringen muss, „ist immer schwieriger geworden“, merkt er ein wenig resignierend an. Seit zwei Jahren hat zudem Corona übel mitgespielt – „wir haben in den vergangenen knapp zwei Jahren immer wieder Anläufe genommen und mussten die Pläne in den Papierkorb werfen“. Das sei zermürbend geworden, denn „schließlich haben wir mehrfach wochenlang geprobt und zum Teil auch neue Lieder ins Programm genommen, um am Ende enttäuscht einsehen zu müssen, dass nichts mehr geht.“ Zudem meint er dass „man halt auch nicht jünger wird“ und spricht davon, dass er einfach auch müde geworden ist – besonders in den vergangenen zwei Jahren.
Mehr als 45 Jahre
Verdenken kann man es ihm nicht, denn mehr als 45 Jahre war er – mit schöpferischen Pausen – ein wesentlicher Teil der Vorarlberger Musik- und Mundartszene, der vor allem das Wälderische salonfähig gemacht hat. Und wenn er jetzt versichert, dass er auch weiterhin in kleinerem Rahmen Musik machen wird, dann ist das eine Rückkehr zu den Wurzeln. Angefangen hat alles 1975 in einem englischen Pub (The Chequers in Billericay, Essex). Der angehende Englischlehrer Ulli Troy, der auf der Insel ein Auslandssemester absolvierte, bekam Besuch aus der Wälder Heimat. Irgendwann, als die Stimmung immer ausgelassener wurde, griffen Hermann Stadelmann (Stemmeisen) und Ulli Troy (Zündschnur) zu den Gitarren. Mit durchschlagendem Erfolg. „Die Einheimischen hielten das Wälderisch für einen alten keltischen Dialekt“, erinnert sich Hermann Stadelmann an ihre ersten Gehversuche in England. Ein Jahr später wagten sich die beiden bei der Hitparade anlässlich des 18. Bregenzerwälder Bezirksmusikfestes in Egg auf die Bühne und im selben Jahr erschien dann die erste Musikkassette „A Wäldarfise“.
Eigene Texte und Töne
Waren es am Anfang Coverversionen von Welthits (Vorderwälder Rock, d‘Sunntagsschuh, I wäsch meor d‘Füaß usw.), so überraschten Stemmeisen & Zündschnur gut zehn Jahre später bei ihrem ersten Comeback mit eigenen Texten und Melodien. Von lustig-ironisch über heiter oder hintergründisch kritisch bis besinnlich spannte sich der Bogen. Mit dem ersten Comeback stellte sich das Duo auch personell und musikalisch breiter auf – Rolf Aberer kam hinzu, mit weiteren Neustarts Evelyn Mennel-Fink, deren Schwester Isabell – Sattlars Mike kam für Hermann Stadelmann, der sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte und zuletzt wurde auch Irma-Maria Troy Bandmitglied. Apropos Bandmitglied – aus Stemmeisen & Zündschnur war nach dem Ausscheiden von Hermann Stadelmann Zündschnur & Bänd geworden. Geblieben ist die Vielfalt der Musik, die bei einer fetzigen Fise ebenso gefragt war, wie bei ernsten Anlässen. Mama, din Platz isch lär, Spura ofem Meer oder vor allem Dor Obod goht übor i d‘Naht wurden und werden bei Beerdigungen gespielt.
Aus dem Leben gegriffen
Viele der mehr als 100 Lieder sind aus dem Leben gegriffen – und wurden deshalb allgemeines Liedgut. Bei Gemoor no an Reiseachtl, Komm guad ie, Hüt ischt a Vernissasch, Tusnelda toar meor d‘Hustöar uf, Neahm do Vieere-Zug ge Bäzo und vielen anderen muss das Publikum nicht zweimal zum Mitsingen aufgefordert werden.
Abschied in vier Akten
2019 hatte die Band mit großem Elan und neuem Programm das vierte Comeback gestartet, mit den Komponisten Gerold Amann und – erstmals –Philip Lingg neue Aspekte einfließen lassen. Die Auftritte waren allesamt ausverkauft und die Winter/Frühjahrstour 2020 fixiert – doch dann kam Corona und der Abbruch der Tour. Als sich die Pandemie-Situation besserte wurden eilig Ersatztermine für Herbst 2020 angesetzt, die aber ebenfalls abgesagt wurden. Die Unsicherheiten setzten sich auch 2021 fort und nach gescheiterten Anläufen resignierten Zündschnur & Bänd: 2021 keine Konzerte. Jetzt versuchen es Ulli Troy & Co. wieder: Am 18. März 2022 wollen sie in Göfis auftreten, einen Tag später in Hittisau, am 25. März in Mellau und zum Finale am 26. März im Thalsaal. STP