Bewegte Gasthaushistorie auf der Bregenzer Fluh

Viele Gasthäuser gingen unter, den „Adler“ gibt es noch heute.
BRegenz Die Fluh war immer schon ein beliebtes Ausflugsziel. Anna Hopfner erinnert sich: „Kam man von Bregenz auf die Fluh, so stand rechts an der Straße ein Schuppen, ein Gasthaus mit angebautem Landwirtschaftstrakt mit etwas niederen bäuerlichen Stuben und einem Zimmer für Tabakwaren. Dahinter auf dem Hügel gab es eine große Halle aus Holz für größere Veranstaltungen. Das war die „vordere Wirtschaft“, die „Traube“ und später der „Steurer“. Beim „Steurer“ gab es um die Zeitenwende zum
20. Jahrhundert im Winter Hornerschlitten zu mieten, mit denen man nach der Einkehr in die Stadt hinunter rodeln konnte. Abgestellt wurden die Schlitten dann beim „Rößle“ am Siechensteig, wo sie der Traubenwirt am nächsten Tag abholte.
Traube wurde abgerissen
Die „Traube“ gibt es schon lange nicht mehr. Sie wurde abgerissen und an ihrer Stelle im Jahre 1964 das Hotel und Restaurant Berghof gebaut. Dieses wurde allerdings im Jahre 1993 wieder verkauft und der neue Besitzer hat es zum Wohnhaus umfunktioniert.
Das nächste Bauernhaus am Dorfeingang war das Vaterhaus von Dr. Alfons Gorbach, der von 1961–1964 Bundeskanzler war. Bei der Abzweigung Pfänderweg waren für die Wanderer, „über die Gasse“, verschiedene „Kleinigkeiten und Süßigkeiten, usw.“, nach dem Läuten einer Glocke, zu bekommen. Dieses Bauernhaus und zwei weitere wurden 1946 angezündet. Im zweiten Objekt fiel ein elfjähriger Bub dem Brand zum Opfer. Der Täter wurde erst nach weiteren Brandlegungen in Bregenz gefasst.
Der „Adler“ und seine Geschichte
Das traditionsreiche Gasthaus Adler der Familie Halder blieb als einziges bis heute erhalten. Zweimal ist es schon abgebrannt: 1866 durch Blitzschlag und zu Neujahr am 2. Jänner 1914. Der „Adler“ wurde noch im selben Jahr von Ludwig und Maria Walser, geborene Halder, wieder aufgebaut und für Sommergäste hergerichtet, war aber auch für die Fluher unersetzlich. Man traf sich dort nach dem Gottesdienst, nach Begräbnissen, aber auch zu fröhlichen Festen. Und als es noch schneereiche Winter gab, war auch die Kellerbar gut ausgelastet. Bemerkenswert war noch, dass der Vater von Maria Walser, Josef Halder, bei einem Preisschießen in Innsbruck sich einen wertvollen Kelch holte. Diesen Krug, den die Tiroler dem Halder Josef streitig machen wollten, reichte der stolze Schützenkönig jedes Jahr seinen zahlreichen Namenskollegen zum Umtrunk, an dem damals noch festlichen begangenen Josefitag. Mit dem Abgang dieses Krugs, der auch zu gegebenen Anlässen so manches Mal gefüllt wurde, ging dem „Adler“ eine 130-jährige Tradition verloren. Unvergessen ist bis heute auch der „Schwager“, Wilmar Permoser, Polizeimeister in Bregenz, dessen Frau und Sohn die Wirtschaft führten.
Pächterwechsel
1992 konnte das Gasthaus, nach langen Diskussionen und Bemühungen, sowie mit großem Kostenaufwand von der Stadt, als einziges der altbekannten Gaststätten, erhalten werden. Irgendwie wollte es für die Bregenzer Gaststätten Betriebsgesellschaft mit ihren Pächtern auf der Fluh nicht so recht klappen. Immer wieder kam es zu Wechseln. 2016 übernahm dann Alexander Trinker, der zuvor den Klosterkeller in Bregenz bewirtschaftet hatte.
Zwei weitere Gaststätten gab es noch am anderen Ende der Fluh, Man erreichte sie nur auf der staubigen, damals noch nicht geteerten Straße: Das Kaffeehaus Zauser, bekannt auch für edle Brände, und das Jausenstüble Fritsch, das für seine Kässpätzle berühmt war. Aber diese Lokale gibt es schon lange nicht mehr. Fst