Oliver Baltzer: Ein Foul änderte seinen Lebensweg

Vorarlberg / 07.10.2021 • 04:55 Uhr
Oliver Baltzer: Ein Foul änderte seinen Lebensweg
Oliver Baltzer stammt aus Hamburg und lebt seit fünf Jahren in Vorarlberg.

Oliver Baltzer (49) wollte Fußballprofi werden. Aber das Leben machte ihn zum Tennistrainer.

Dornbirn Eigentlich gehörte seine Liebe dem Fußball. Als einer der wenigen hatte es der talentierte Bub geschafft, in den Auswahlkader der Hamburger Fußballvereine zu kommen. Fünf Mal in der Woche nahm Oliver Baltzer (49) mit Begeisterung am Fußballtraining teil. Sein Ziel war es, Fußballprofi zu werden. Darauf arbeitete der Bub mit Enthusiasmus hin. Doch sein Traum zerplatzte jäh auf dem Fußballplatz. „Ein Mitspieler foulte mich schwer.“ Oliver trug – von der Hüfte bis zum Knie – Abschürfungen davon, die sich in der Folge entzündeten. „Ich hatte ein halbes Jahr lang ein offenes Bein.“ Die Verletzung warf ihn derart zurück, dass er im Fußball den Anschluss verlor.

Ein Leben ohne Sport kann sich Oliver Baltzer nicht vorstellen.
Ein Leben ohne Sport kann sich Oliver Baltzer nicht vorstellen.

Der Sport war ein großer Teil seines Lebens und sehr bedeutend für ihn. Denn: „Sport war für mich immer eine Mischung aus Wohlfühlen, Entspannen, Mich-Fühlen und Grenzen suchen.“ Dass ihm dieser plötzlich genommen wurde, stimmte Oliver traurig. Der Zufall führte den Zwölfährigen dann aber in eine Richtung, die sein weiteres sportliches und sogar berufliches Leben bestimmen sollte. „Ein Klassenkamerad nahm mich mit auf den Tennisplatz und gab mir einen Tennisschläger in die Hand.“ Ab da dominierte in seinem Leben der Tennissport. Oliver war ständig auf dem Tennisplatz. Der Weg zum Tennisspieler und -trainer war aber ein steiniger. „Anfangs habe ich täglich sechs Stunden lang gegen die Ballwand gespielt, weil ich keinen Spielpartner hatte.“ Eine Tennisspielerin, die nicht so beweglich war, wurde zu seiner Lehrmeisterin. „Sie sagte zu mir: ,Ich gehe mit dir auf den Platz. Aber du musst mir jeden Ball vor die Füße spielen.‘“

Früher war Oliver Baltzer Unternehmer, heute ist er selbstständiger Tennistrainer.
Früher war Oliver Baltzer Unternehmer, heute ist er selbstständiger Tennistrainer.

Weil der Teenager sich das Tennisequipment selbst finanzieren musste, suchte er Wege, um Geld zu verdienen. Sein Einfallsreichtum und sein technisches Können eröffneten ihm eine Einnahmequelle. „Ich brachte mir bei, Tennisschläger zu bespannen und habe mir eine Bespannmaschine angeschafft.“ Es ging nicht lange, und Oliver bespannte die Schläger der Mitglieder eines großen Hamburger Tennisvereins. „Mit 17 habe ich das Gewerbe angemeldet.“ Der positive Nebeneffekt: „Ich bekam jetzt auch Trainingspartner.“

Oliver Baltzer mit Julia. Er heiratete sie heuer am 2. Juli.
Oliver Baltzer mit Julia. Er heiratete sie heuer am 2. Juli.

Der junge Mann ließ sich dann noch in einer Sportfirma zum Groß- und Außenhandelskaufmann ausbilden. Dort entwickelte der „Lehrling“ nicht nur technisch neue Tennissaiten, sondern gestaltete auch einen Schläger mit, der heute zu den bekanntesten Schlägern der Welt zählt. „Mein Antrieb war und ist es, Sachen besser zu machen.“ Nach der Ausbildung macht er sich wieder selbstständig und produzierte tonnenweise Tennissaiten. „Ich konnte gut davon leben. Aber der Wettbewerb wurde immer drückender.“ Deshalb entschloss er sich, als Tennistrainer zu arbeiten, gleichzeitig war er Einkäufer in einer Sportfirma, an der auch Steffi Graf beteiligt war. Dann ging es für zweieinhalb Jahre nach Australien, wo er als Tennistrainer und Unternehmer arbeitete. Zurück in Hamburg initiierte Oliver eine Tennisschule und ein Reisebüro. Ab 2007 arbeitete er als Tennistrainer in einem Fitnesspalast.

Freudestrahlend holt Oliver Baltzer Jutesäcke ab, die mit gebrauchten  Tennisbällen gefüllt sind.
Freudestrahlend holt Oliver Baltzer Jutesäcke ab, die mit gebrauchten Tennisbällen gefüllt sind.

2016 kam der Hamburger wegen eines Jobs nach Vorarlberg. „Es gefiel mir hier auf Anhieb. Deshalb sind meine Frau Julia und ich geblieben.“ In den vergangenen dreieinhalb Jahren trainierte der mittlerweile selbstständige Tennistrainer mit Begeisterung und großem Erfolg auch gehandicapte Menschen im Rollstuhl. „Ich brachte sie im Tennis so weit, dass sie auch mit Läufern, also nicht beeinträchtigten Menschen spielen konnten.“

Nebenher hatte Oliver noch die Idee und die Energie, das Hilfsprojekt „Soliver“ ins Leben zu rufen. Mit seinem Freund Solomon Koomson aus Ghana, einem ehemaligen Davis-Cup-Spieler, brachte er es zuwege, dass 16 Vorarlberger Tennisclubs für die Idee des Einsammelns von gebrauchten Tennisbällen, -schuhen und Dressen gewonnen werden konnten. „Die Tennisgegenstände schicken wir nach Ghana, wo sie an bedürftige Kinder und Jugendliche in den Tennisklubs und in Schulen verteilt werden.“

Oliver Baltzer initiierte mit seinem Freund Solomon Koomson aus  Ghana das Hilfsprojekt "Soliver".
Oliver Baltzer initiierte mit seinem Freund Solomon Koomson aus Ghana das Hilfsprojekt "Soliver".

Oliver Baltzer

geboren 19. April 1972 in Hamburg

Wohnort Dornbirn

Familie verheiratet mit Julia

Hobbys Sport, Digitalisierung von Schnitzeljagden für Familien

Projekt “Soliver”: Infos (zum Projekt) unter baltzero@icloud.com oder unter Tel. +4917624171394. Infos zu Oliver Baltzer unter www.tennisrakete.at