Politische Schützenhilfe für Tagesmütter

Vorarlberg / 06.10.2021 • 17:10 Uhr
Politische Schützenhilfe für Tagesmütter
Tagesmütter leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Kinderbetreuung. VN

Opposition brachte Antrag auf Sicherung des Modells an die Landesregierung ein.

Bregenz Seit mehr als 30 Jahren sind die Tagesmütter ein fester Bestandteil im Kinderbetreuungsnetz des Landes. In den 1990er-Jahren waren sie beinahe des einzige Fremd-Betreuungsangebot in Vorarlberg. Nun steht ihre Existenz auf der Kippe (die VN berichteten). Der Wettbewerbsnachteil aufgrund höherer Elternbeiträge sowie die steigende Zahl an Kinderbetreuungsplätzen in öffentlichen Einrichtungen graben den Tagesmüttern langsam aber sicher das Wasser ab. Im Bezirk Bludenz gibt es nur noch drei, landesweit gerade noch um die 70. Ein weiteres Problem: Die Tagesmütter finden auch im neuen Kinderbetreuungsgesetz keine Berücksichtigung, was bedeutet, dass die Tarife nicht in der gleichen Höhe abgestützt werden wie jene im öffentlichen Bereich.

Bekenntnis gefordert

Die Kinderbetreuung Vorarlberg, unter deren Dach die Tagesmütter organisiert sind, hatte bereits im vergangenen Jahr Alarm geschlagen. Jetzt gab es Schützenhilfe von den Oppositionsparteien im Landtag. Am Mittwoch stand das Thema zumindest auf der Agenda der Landtagssitzung. Die SPÖ hatte eine dringliche Anfrage eingebracht, daraus entstanden ist ein Antrag, der von SPÖ, FPÖ und Neos unterzeichnet wurde. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, sich zu Tagesmüttern bzw. Tageseltern als fixem Bestandteil des Kinderbetreuungsangebotes zu bekennen und die Rahmenbedingungen zu verbessern. Neben einer Tarifgleichheit soll Tagesmüttern ein Grundlohn zustehen, da sie das Auslastungsrisiko alleine tragen.

Rasche Prüfung verlangt

Die unterzeichnenden Abgeordneten sehen das Modell der Tagesmütter als integralen Bestandteil der Vorarlberger Kinderbetreuungslandschaft. Gerade im Bereich flexibler, wohnort- bzw. arbeitsplatznaher Betreuungsmöglichkeiten komme ihnen eine wichtige Bedeutung zu. Auch für die Kinderbetreuung in ländlichen Regionen seien sie eine wichtige Ergänzung zu vorhandenen oder eben nicht vorhandenen öffentlichen Kinderbetreuungsplätzen. „Das Modell der Tagesmütter hat sich über drei Jahrzehnte hinweg bewährt. Ich erwarte mir daher von der zuständigen ÖVP-Landesrätin Barbara Schöbi-Fink ein klares Bekenntnis zur Weiterführung dieser wichtigen Form der Kinderbetreuung“, sagt Andrea Kerbleder (FPÖ). Elke Zimmermann von der SPÖ ergänzt: „Ohne fixen Grundlohn werden wir das Modell der Tagesmütter nicht aufrechterhalten können. Dieses Anliegen muss daher rasch einer Prüfung unterzogen werden!“ Für Johannes Gasser von den Neos darf es keinesfalls zu Einschränkungen bei diesem Angebot kommen, weil es gerade im ländlichen Raum für das Kinderbetreuungsangebot wichtig sei.

Die Geschäftsführerin der Kinderbetreuung Vorarlberg, Angelika Hagspiel, hat im Gespräch mit den VN auch die Förderrichtlinien als überholt kritisiert. So werden etwa die Betreuungskosten bei Selbständigen nicht gefördert oder nur strikte Zeiten der Berufstätigkeit.