Brigitte und ihr sanfter Tod auf der Silber-Ranch

Vorarlberg / 23.09.2021 • 12:00 Uhr
Brigitte und ihr sanfter Tod auf der Silber-Ranch
Richard Rensi trauert noch heute um seine Frau Brigitte. Sie starb 2018. Mit ihr ging er 56 Jahre durchs Leben. VN/Kuster

Richard Rensi (80) verlor vor drei Jahren seine Frau. Im Garten seiner Silber-Ranch erinnert ein imposantes Kreuz an Brigitte.

Silbertal Richard Rensi (80) sitzt im Garten seiner Silber-Ranch auf einer Bank neben einem großen Kreuz mit einem geschnitzten Herrgott. Dieses Kreuz ließ er zu Ehren seiner Frau Brigitte anfertigen. Sie verstarb am 7. Juli 2018. Mit ihrem Tod ging eine Ehe zu Ende, die 54 Jahre währte und überaus glücklich war. Richard und Brigitte bauten sich nach ihrer ersten Begegnung im Jahr 1962 ein gemeinsames Leben auf. Der Kfz-Meister und seine Frau eröffneten ein Autohaus in Höchst. Dank diesem konnten sie sich und ihre vier Kinder ernähren und gut leben.

Anfang der 80er-Jahre suchte das Unternehmerehepaar nach einem Ort der Entspannung. „Wir wollten einen Ausgleich zur Arbeit und haben ein uraltes Haus im Klostertal gekauft und saniert“, erzählt Richard. Als eine Alpe oberhalb von Dalaas vakant wurde, bot sich Brigitte an, diese zu bewirtschaften. Die Bregenzerwälderin hatte schon als Kind viele Sommer auf Alpen verbracht. In der Folge kümmerte sich Brigitte mehrere Sommer lang um rund 50 Stück Vieh. „Auf der Alpe war meine Frau im Element. Dort konnte sie sich voll ausleben.“ Richard spürte, dass seine Partnerin diesen Freiraum brauchte. Deshalb befürwortete er das Engagement seiner tier- und freiheitsliebenden Frau. „Ich wollte ihr das Gefühl geben, dass ich für sie da bin und besuchte sie jedes Wochenende.“

Die Silber-Ranch ist das zweite Zuhause von Richard Rensi. Tochter Birgit verbringt viel Zeit bei ihrem Vater.
Die Silber-Ranch ist das zweite Zuhause von Richard Rensi. Tochter Birgit verbringt viel Zeit bei ihrem Vater.

Ab 1994 verlagerten sich die Aktivitäten der Rensis ins Silbertal. „Wir hatten 1982 neben dem Gasthaus Fellimännle ein altes Häuschen erstanden. 1994 verbrachten wir den ersten Sommer auf unserer Silber-Ranch.“ Weil Brigitte alpbegeistert war und das Tal lieber von oben sah, pachteten die Rensis die Alpe Gafluna und bewirtschafteten sie von 1997 bis 2006. „Wir waren für 90 Rinder und für 25 Ziegen verantwortlich.“ In dieser Zeit begann Brigitte Ziegenkäse herzustellen. „Sie hat Ziegen gezüchtet, sie gemolken und die Milch zu Käse verarbeitet.“ Unter ihrer Ägide wurde die Silber-Ranch zur Imbissstation. „Wir tischten Wanderern und Bikern Käse, Brot und Most auf.“ Auch auf dem Markt in Höchst bot Brigitte ihren exquisiten Ziegenkäse feil. „Vor ihrem Stand standen die Menschen Schlange.“ Der Kontakt mit Menschen bereitete Brigitte Freude. „Sie hatte keine Berührungsängste und für jeden ein offenes Ohr.“

“Die beste Ehefrau”

Wehmütig blickt Richard auf das Foto seiner Frau, das auf einer Gedenktafel am Kreuz angebracht ist. „Brigitte hatte lauter schöne Seiten. Sie war warmherzig und gutmütig. Eine bessere Ehefrau hätte ich mir nicht wünschen können.“ Die 72-Jährige starb in ihrer zweiten Heimat, im Silbertal, auf der Silber-Ranch. Als sie den letzten Atemzug tat, war der Mensch, den sie am meisten liebte, an ihrer Seite. Richard rekapituliert ihre letzten Stunden. „Wir gingen gemeinsam zu Bett. Brigitte fror. Ich kuschelte mich an sie, um sie zu wärmen. Dieser Abend war aber nicht wie sonst. Denn mich beschlich ein seltsames Gefühl, ein Gefühl, das mir völlig unbekannt war.“ Rückblickend glaubt der Witwer, dass es der Tod war, den er spürte. Am nächsten Morgen war seine Gefährtin nicht mehr am Leben. Seine diabeteskranke Frau war in der Nacht an Unterzuckerung gestorben. Richard stand unter Schock, trotzdem fiel ihm auf, dass am Morgen danach das üblicherweise gut versperrte Gartentor weit offenstand. Der verwaiste Ehemann sah das als ein Zeichen für Brigittes Weggang. „Ihre Seele war nun frei und flog in den Himmel.“

Richard Rensi mit seiner Tochter Birgit. Beide verbrachten auch diesen Sommer auf der Silber-Ranch im Silbertal.
Richard Rensi mit seiner Tochter Birgit. Beide verbrachten auch diesen Sommer auf der Silber-Ranch im Silbertal.

Tage nach ihrem Tod teilte ihm eine Bekannte mit medialen Fähigkeiten mit, dass sich seine Frau bei ihr gemeldet hätte. Brigitte ließ Richard durch das Medium unter anderem wissen, dass es ihr gut gehe, dass sie sich genauso einen Tod gewünscht habe und dass er, Richard, die Silber-Ranch nicht aufgeben, sondern in ihrem Sinne weitermachen solle. Der Witwer hörte auf sie und führt seither die Tradition des Käsemachens fort. Hinter der Silber-Ranch weiden sieben Ziegen, um welche sich früher Brigitte mit Hingabe kümmerte. Heute sorgt Richard gut für die Tiere.

Die Liebe blieb

Vieles erinnert ihn auf der Silber-Ranch an seine Lebensliebe. Brigitte ist fort, doch die Erinnerungen und Liebe zu ihr sind geblieben. Wie groß diese Liebe ist, zeigt sich unter anderem darin, dass er ihr mit dem Kreuz ein Denkmal gesetzt hat. Heuer im August wurde es vom pensionierten Pfarrer Joe Egle eingeweiht. 45 Menschen kamen zu der Einweihung, Menschen, die Brigitte geschätzt, gemocht oder geliebt haben. Bei einigen flossen auch drei Jahre nach ihrem Tod noch Tränen. Das Kreuz mit dem schön geschnitzten Herrgott ist zweifelsfrei eindrucksvoll. Aber frei nach Albert Schweitzer: Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen.  

Richard Rensi ließ zu Ehren seiner verstorbenen Frau Brigitte dieses schöne Kreuz anfertigen.
Richard Rensi ließ zu Ehren seiner verstorbenen Frau Brigitte dieses schöne Kreuz anfertigen.