Eine Futterstelle als Zankapfel im Mellental

Albert Hager wollte eine Futterstelle für Wild auf seiner Alpe schaffen, stieß jedoch auf Widerstand.
Mellau Es ist kurz nach acht Uhr morgens, als der rote Hubschrauber aus Tirol auf der Alpe Dosegg landet. Seine Aufgabe: zwei Hütten und vier Wildfutterstände aus einer nahen Waldlichtung heben. Für den Grundeigner Albert Hager endet damit eine Farce.

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Angefangen hat es im Februar 2020. Damals trafen sich alle von der Jagd Betroffenen des Mellentals, Thema war die Wildsituation. Entschieden wurde Social Distancing für Hirsch und Reh durch mehrere Futterstellen, auch um das Risiko eines TBC-Hotspots zu vermeiden. Hager wollte ein Teil der Lösung sein. Auf seiner Alpe Dosegg gibt es einen Wald, den er nicht wirtschaftlich nutzt. “Das rentiert sich hier oben nicht, außer man ist auf Förderungen aus”, erklärt er, während der Hubschrauber eine der Hütten aus der Lichtung hebt. Ein Sachverständiger bescheinigt die Eignung der Lichtung für die Fütterung. Hager sieht sich einige Futterstellen im Land an, überall habe er Unterstützung erfahren. Als er die Genehmigung von der Bezirkshauptmannschaft einholen will, erfährt er, dass es keine braucht.

“Hier war das Wild früher so zahlreich wie die Kühe der Alpe selbst”, erinnert sich Gerda Müller von der angrenzenden Alpe. Gefüttert habe man alles von Gams bis Reh, heute sehe man diese kaum mehr. “Damals ging das alles ohne Streit”, schüttelt sie den Kopf. Beide sind überzeugt, dass der Waldverein das Verfahren gegen die Futterstelle angestoßen hat. Denn das Rotwild ist längst Politikum. Auf der einen Seite sind die Jäger, auf der anderen seien eine Handvoll gut vernetzter Grundbesitzer. “Bei vielen von denen zählt das Rotwild nur noch als Schädling”, ärgert sich Hager. Er ist überzeugt, die meisten Bodenbesitzer teilen seine Sicht auf das Wild.

Hager bewirtschaftet Dosegg mit Jungvieh, Ziegen, Hühnern und Esel, verbringt hier seit 2012 bald den Großteil des Jahres. Damals besuchte er auch den Jagdkurs. Er habe einen Einblick in deren Welt gewinnen wollen, wenn auch aus der Sicht des Grundeigentümers. Damals beschlich ihn erstmals das Gefühl, dass vonseiten der Jägerschaft mehr Verständnis für den Forst vorhanden war als bei den Waldbesitzern für die Jagd. Mit der Zeit verstärkte sich dies. Dass es ein Miteinander von Wald und Wild braucht, steht für ihn außer Frage. “Die Jäger schauen mehr herwärts für eine Lösung als der Waldverein oder die Forstbehörde”, sieht sich Hager auch durch seine Erfahrung bestätigt.

Denn plötzlich schaltet sich die Forstbehörde ein, aufgrund “zahlreicher Beschwerden”. Dass diese vom Waldverein stammen, erfährt Hager über den Flurfunk, Einblick in den Akt gewährt man ihm nicht. Der Haken: Die Futterstelle wurde ohne Rodungsgenehmigung errichtet. Baum wurde zwar keiner gefällt, die Hütten blockieren aber das Wachstum neuer Bäume. Bis zum Verwaltungsgericht geht Hager, argumentiert dass es kein Forst, sondern eine Waldweide ist. Und obwohl er Zeugen aufbieten kann, dass er den Wald teilweise mit Vieh bewirtschaftet, blitzt er ab. Dass ihm die Rodung genehmigt wird, sei illusorisch, dies habe man ihm zu verstehen gegeben. Also muss die Futterstelle wieder weg.

Derweil ist der Hubschrauber mit dem Transport der beiden Heustadl und der Futterstellen fertig. Derzeit steht noch im Raum, ob Hager für die nun doch illegalen Bauten eine Strafe ausfasst. Gebaut hat er sie immerhin nicht umsonst: Der Jagdpächter hat Verwendung für sie, an einem anderen Standort.
