Sie macht Nutzloses wieder neuwertig

Evelyne Spöttl ist selbstständig und hat ihr ganzes Herz in ihr Atelier lyneArt gesteckt.
LOCHAU Evelyne Spöttl ist Künstlerin im Bereich Kunsthandwerk und Musik und lebt seit Pfingsten ihren größten Traum. Die Vorarlbergerin ist Besitzerin des Ateliers lyneArt und macht aus Nutzlosem wieder Neues. Für ihre Rucksäcke, Portemonnaies und Shopper, die sie alle händisch in Eigenregie im heimischen Atelier herstellt, benutzt sie Werbe- und Mesh-Banner von Veranstaltungen und Baustellen sowie veganes Leder. „Ich habe zu jedem Material einen persönlichen Bezug. Zum Beispiel diese Werbebanner, die überall zu sehen sind, springen mir sofort ins Auge. Aus diesen lässt sich Großartiges machen“, erzählt die 38-Jährige. Die Affinität zur Nähmaschine wurde Evelyne Spöttl mit in die Wiege gelegt. „Meine Mama näht, seit sie jung ist und hat mir auch bei meinem ersten Entwurf geholfen. Das war vielleicht ein Spektakel.“ Zu bestaunen sind die besonderen Produkte online auf ihrer Homepage und im Shop s’Fachl in Dornbirn. Die Materialien bekommt sie unter anderem vom Stadtmarketing Bregenz. „Ich bin froh um jeden, der mir Material gibt. Die Menschen sind sehr verblüfft, wenn sie sehen, was ich aus ihrem Wegwerfprodukt zaubere“, verrät sie.
Die eigene Chefin sein
Evelyne Spöttl war schon früh klar, dass sie später einmal ihre eigene Chefin sein möchte. Sie hat Buchhaltung gelernt und Architektur studiert. Durch ihren Job als Architektin kannte sie das netzartige Mesh-Banner und kam dann später auf die Idee, mit diesem zu arbeiten. „Ich bin sehr freiheitsliebend und ein absoluter Nachtmensch. Ich werde kreativ, sobald es dunkel wird. Das war für meine früheren Berufe ungünstig.“ Ihre kreative Ader schlägt sich auch abseits des Berufes durch. Die 38-Jährige ist leidenschaftliche Musikerin und singt zusammen mit ihrer Schwester auf unterschiedlichen Veranstaltungen. Auch das Malen hat Spöttl für sich entdeckt und schon viele Kunstwerke erschaffen, die ihr Zuhause schmücken.


Der Künstlerin ist es wichtig, einen Sinn hinter ihrer Arbeit zu sehen. „Dieser lang gesuchten Sinnhaftigkeit blicke ich nun jeden Tag entgegen“, schwärmt die Lochauerin. „Ich konnte mich nie wirklich zwischen Wirtschaft und Kreativität entscheiden, das sieht man an meinem Lebenslauf“, gibt Evelyne Spöttl zu. Nach mehreren Versuchen in den verschiedensten Bereichen fasste sie einen Entschluss und kündigte im Sommer letzten Jahres ihren sicheren Job. Dem ersten Schritt Richtung Selbstständigkeit stand somit nichts mehr im Weg. Sechs Monate lang hat die Vorarlbergerin an einem Förderprogramm für Jungunternehmer teilgenommen und sich helfen lassen. „Ich bin nun eine One-woman-Show und mache einfach alles allein“, erklärt sie. „Man muss sich alles selbst überlegen und Entscheidungen treffen, das ist meine tagtägliche Herausforderung.“
Nachhaltigkeitsgedanke
Die Motivation für Evelyne Spöttl liegt im Wiederbeleben eines Wegwerfprodukts. „Der Nachhaltigkeitsgedanke sollte mehr gelebt werden. Ich mache aus gebrauchten Werbe- und Mesh-Bannern wieder etwas Neues und Schönes.“ Von der Idee bis hin zum endgültigen Unikat vergehen mehrere Stunden Arbeit. Dafür lebt die Lochauerin. Sie schneidert sich ihr Material zurecht und spielt mit Aufdrucken und Farben. Dabei entstehen Besonderheiten. „Auf meinen allerersten selbstgemachten Rucksack wurde ich überall angesprochen, das ist ein wundervolles Gefühl“, strahlt Evelyne Spöttl. VN-RAR

ZUr Person
Evelyne Spöttl, MBA, BSc.arch.
Geburtsdatum 5. Jänner 1983
Wohnort Lochau
Hobbys Radfahren, Kochen, Malen, mit ihrer Schwester Musik machen
Beruf Künstlerin im Bereich Musik und Kunsthandwerk