Gericht: Prozess nach Überfall auf 90-Jährigen

Vorarlberg / 08.07.2021 • 18:00 Uhr
Gericht: Prozess nach Überfall auf 90-Jährigen
Die Marktstraße Dornbirn wurde im Juni vergangenen Jahres zum Tatort eines Raubüberfalls. VN/Rauch

Drei Männer müssen sich demnächst wegen schweren Raubes vor Gericht verantworten.

Feldkirch Im Juni vergangenen Jahres kam es in der Wohnung eines Rentners, mitten in der Dornbirner Innenstadt, zu einem Raubüberfall (die VN berichteten).  Am frühen Abend drangen die Männer ein, indem sie die Pflegerin des Mannes zurückdrängten und ihr deuteten, still zu sein, anderenfalls sie ihr die Kehle durschneiden würden. Sie fesselten die Frau, später noch die Cousine des Rentners, die in der Wohnung nach dem Rechten sehen wollte. Den Hochbetagten ließen sie unbehelligt, sie wussten um seine Gebrechlichkeit und Demenz und dass er ihnen kaum gefährlich werden könnte. Als sie keine Beute fanden und auch den Tresor nicht öffnen konnten, verließen sie schließlich das Gebäude. 

Am Tresor gescheitert

Kurios: Rund ein Jahr vor dem Überfall waren zwei der angeklagten Tatverdächtigen offiziell zu genau jener Tätigkeit beauftragt worden, die ihnen nun als versuchter schwerer Raub angelastet wird. Der Erstangeklagte arbeitete bei einem Schlüsseldienst und war gerufen worden. Er sollte den Tresor des Rentners öffnen, da desssen Schlüssel abhandengekommen war. Doch bereits damals schaffte er es samt Werkzeug nicht, den Sicherheitsschrank zu öffnen.

Weil der Auftraggeberin die Umstände seltsam vorkamen, schaltete sie die Polizei ein. Die Beamten überprüften Namen und Gewerbeschein der beiden Männer. Die konnten eine Gewerbeberechtigung vorweisen, so wurde auch nichts unternommen. Allerdings wurden die Daten der beiden Männer polizeilich notiert. Beim Raubüberfall im Juni scheiterten die – mittlerweile drei – Beschuldigten dann erneut am Tresor. Er blieb verschlossen, obwohl sie sich zweieinhalb Stunden in der Wohnung aufhielten und den Safe mit ihrer Flex bearbeiteten. Die beiden Frauen konnten sich unterdessen selbst von ihren Fesseln befreien. Wertgegenstände fanden die Räuber nicht, der Coup wurde zur Pleite, das Trio flüchtete. 

Nächste Pechsträhne

Die Angeklagten, alle mit Migrationshintergrund, besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. Zwei sind 21, einer 22 Jahre alt. Zwei der Männer waren im August in Essen mit einem Bekannten mit einem Pkw unterwegs gewesen. Zufällig wurde dieser Bekannte in einen Verkehrsunfall verwickelt, die Daten aller Insassen wurden aufgenommen, ein europäischer Haftbefehl wurde dem Erstangeklagten zum Verhängnis. Er konnte kurz flüchten, wurde jedoch wieder geschnappt. Nun muss sich das von Deutschland ausgelieferte Trio am 26. Juli in Feldkirch vor Gericht verantworten. Die Pflegerin des Rentners wurde beim Vorfall schwer traumatisiert. „Das Opfer leidet noch heute an Angstzuständen, Panikattacken und durchlebt die Szenen des Überfalls immer wieder“, sagt Stefan Denifl, Rechtsanwalt der Pflegerin.