Erfolgloser “Zocker” auf der Anklagebank

Junger Mann bezog zu Recht Notstandshilfe und Arbeitslosengeld, denn unterm Strich blieben nur Verluste.
Feldkirch Der angeklagte 25-jährige Angestellte war und ist immer noch spielsüchtig, zur Therapie hat er sich bereits angemeldet. Erleichtert ist er auch über den nun rechtskräftigen Freispruch. Er wurde nämlich wegen schweren, gewerbsmäßigen Betruges sowie Geldwäscherei angeklagt. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer Schadenssumme von rund 587.000 Euro, die der junge Mann verschleiert haben soll. Alles Gelder aus Spekulationsgeschäften, überwiesen auf diverse Bankkonten, eines davon in Litauen, so der Vorwurf.
Doch Verteidiger Martin Trefalt erklärt einen ganz anderen Hintergrund für die Überweisungen und das Gericht muss seiner Argumentation recht geben. Der 25-Jährige bleibt unbescholten, er wird freigesprochen. Die Verfahrenskosten trägt der Bund.
Ständig verloren
Beim Betrugsvorwurf geht es darum, dass der Mann Einkommen aus Internetcasinos und Sportwetten nie gemeldet hat. Doch der Experte vom Arbeitsmarktservice führt aus, dass man beispielsweise bei der Notstandshilfe alle Einkünfte eines Jahres zusammenzählen muss, die Verluste davon abzieht und dann anhand des Durchschnittsbetrages beurteilt, ob Notstandshilfe zusteht oder nicht. Da – wie bei Casinos üblich – in der Regel die Verluste überwiegen, hätte es auch bei dem Angeklagten innerhalb der angeklagten viereinhalb Jahre “Tatzeitraum” nichts anzurechnen gegeben.
“Mein Mandant machte im Glücksspiel ein Minus von 120.000 Euro”, so Trefalt. Zu verschleiern gab es also nichts. “Der Angeklagte wäre zwar meldepflichtig gewesen, er hat nichts verschleiert, die Unterstützungsgelder wurden ja öffentlich ausbezahlt”, heißt es auch in der Urteilsbegründung von Richterin Kathrin Feurle.
Über KI Buch schreiben lassen
Dass gerade jener junge Mann, der 120.000 Euro Verluste machte, ein Buch mit dem Titel “Geld verdienen im Internet” über Amazon zu verkaufen versuchte, regt zum Schmunzeln an. Doch wenn man hört, wie es geschrieben und vom “Autor” nicht einmal gelesen wurde, wundert es einen nicht. “Ich bin über TikTok auf die Idee gekommen und habe es mit ChatGPT schreiben lassen, verdient habe ich damit so gut wie nichts”, so der junge Mann. “Ich finde es richtig, dass eine Großoffensive gegen Sozialbetrüger geführt wird, doch hier trifft es den Falschen”, plädiert Trefalt für einen Freispruch, denn sein Mandant sitzt heute noch auf 29.000 Euro Schulden und das Gericht gibt ihm recht, dass hier weder betrogen noch verschleiert wurde.