Bald soll die Zugentscheidung fallen

Vorarlberg / 16.06.2021 • 19:00 Uhr
Bald soll die Zugentscheidung fallen
Die Pandemiebekämpfung wirkte sich auf die Fahrgastzahlen aus. VN/STEURER

Noch diesen Monat sollen neue Garnituren feststehen. 2020 gingen die Fahrgastzahlen massiv zurück.

Hohenems Jetzt könnte es schnell gehen. Wie Johannes Rauch auf Nachfrage bei einer Pressekonferenz erklärte, dürften die ÖBB noch diesen Monat entscheiden, wer die neuen Züge für Vorarlberg produziert. Die ÖBB wollten sich auf VN-Anfrage nicht zum laufenden Verfahren äußern. Der Anlass der Pressekonferenz war eigentlich ein anderer. Rauch präsentierte gemeinsam mit dem Verkehrsverbund (VVV) und dem Gemeindeverband die VVV-Bilanz 2020. Sechs Millionen Euro weniger nahm der VVV über Fahrkarten ein, sparte aber gleichzeitig woanders drei Millionen. Die Fahrgastzahlen gingen kräftig zurück.

VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand hat die Zahlen parat: 4,5 Millionen Tickets wurden im Jahr 2019 verkauft, von der Einzelfahrt bis zur Monatskarte. Im Jahr 2020 waren es 1,6 Millionen weniger. Zeitweise sind die Fahrgastzahlen von einem Tag auf den anderen um 90 Prozent eingebrochen. Zudem ging der Anteil an Jahreskarten von 75.000 auf 70.000 zurück. Umgekehrt stieg die Nutzung der Fahrkartenapp Fairtiq ab dem ersten Lockdown von 1000 auf 2000 Fahrten pro Tag. Für das Gesamtjahr bedeutet das: Statt 50 Millionen Euro nahm der VVV 44 Millionen Euro ein. Allerdings wurden im Lockdown auch Verbindungen gestrichen, Fahrgastschalter schlossen ebenfalls. Damit sparte sich der Verkehrsverbund drei Millionen Euro. Der Finanzierungsbedarf von Land, Gemeinden und Bund, die sich mit dem VVV das 139-Millionen-Budget teilen, stieg also.

Nachtzüge fahren wieder

4,5 Millionen Euro fließen im Rahmen der neuen Jahreskartenmodelle (“1-2-3-Ticket”) zusätzlich aus dem Bundesbudget nach Vorarlberg. Mobilitätslandesrat Rauch kündigt an, mit diesem Geld die 5000 verlorenen Jahreskartenbesitzer zurückzuholen und treue Kunden zu belohnen. Das geplante Tarifmodell der Bundesregierung sieht vor, dass eine Jahreskarte in einem Bundesland 365 Euro kostet. Vorarlberg ist 20 Euro davon entfernt. Ob das Maximo-Ticket tatsächlich wieder 365 Euro kosten wird, müsse erst der VVV-Aufsichtsrat Ende Juni beschließen, betont Rauch. Was schon fix ist: Ab Juli fahren wieder die Nachtzüge an den Wochenenden.

Gemeindeverbandspräsidentin Andrea Kaufmann ergänzt: 71 Prozent aller Vorarlberger Arbeitnehmer pendeln. “Leider sind noch viele mit den Autos unterwegs.” Allerdings steige die Bedeutung des Fahrrads. Der Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger hebt den Bahnhof der eigenen Stadt als Beispiel für eine Mobilitätsdrehscheibe hervor; auch dank der Fahrradboxen. Der öffentliche Verkehr sei zudem die beste Antwort auf die Frage, ob es zuerst das Angebot oder die Nachfrage braucht: “Man muss zunächst ein attraktives Angebot schaffen!”

Ein Angebot fehlt allerdings nach wie vor: Platz für Fahrräder im Zug. Der Talent 3 hätte das schon 2019 ändern sollen, bekanntlich hat die Zulassung nicht geklappt. Vor einem Monat zogen die ÖBB die Notbremse. Nun dürfen die neuen Anbieter ihr Angebot nachbessern, im Juni fällt der Aufsichtsrat eine Entscheidung. Der Fahrradplatz spiele auch bei den neuen Garnituren eine wichtige Rolle, sagt Rauch. VN-mip