In Gelb und Schwarz für Respekt an der Pipeline

Bürgermeister Ritsch will am Seeufer für mehr Miteinander werben, Anrainer geht es jedoch nicht weit genug.
Bregenz “Wir haben großes Glück, ein frei zugängliches Bodenseeufer zu haben”, eröffnet Bürgermeister Michael Ritsch am Anfang der Pipeline am Bregenzer Hafen. Währenddessen sprüht ein Bauhofmitarbeiter wenige Meter weiter einen Hinweis zu Glasflaschen auf den Gehweg. “Still ruht der See…ohne Lärm” und “Freiheit ist einfach: Mit Respekt” steht auf gelben Fahnen und Bodenmarkierungen entlang der Pipeline wie auch auf den zusätzlich aufgestellten Mülleimern.
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Dies sind die sichtbarsten Zeichen des neuen Maßnahmenpakets, mit dem die Stadt auf die Probleme am Seeufer reagiert. Die Hauptprobleme seien neben der Lärmentwicklung vor allem der liegenbleibende Müll, des Ignorieren des Glasflaschenverbots, freilaufende Hunde und wilde Feuerstellen. “Derzeit sammeln die Stadtgärtnerei und der Bauhof jeden Morgen bis zu 15 Kubikmeter Müll auf”, spricht Ritsch von wöchentlichen Mehrkosten in der Höhe von 28.000 Euro. Am Wochenende brauche man selbst mit einem größeren Team locker zweieinhalb Stunden, bestätigt ein Bauhofmitarbeiter.
Selbst ein Großeinsatz der Polizei am Freitag zeigte wenig Wirkung. Nun sollen vier Uferaufsichtsorgane, erkennbar an ihren gelben T-Shirts, ähnlich einem Bademeister untertags die Stadt- und Bundespolizei zwischen Pipeline und Wocherhafen unterstützen. Hinzu kommt die Offene Jugendarbeit, die sich mit einem Müllwagen einbringt. “Das Miteinander gelingt nur, wenn es uns gelingt, die Bevölkerung zu sensibilisieren”, ist Ritsch überzeugt. “Wir wissen auch von anderen Städten, dass nur mit Verordnungen und Polizeieinsätzen kein Miteinander am See geschaffen werden kann. Deswegen gehen wir diesen neuen Weg”, betont er. “Ich habe großes Verständnis für alle – Jung und Alt –, die nach coronabedingten Einschränkungen jetzt wieder das Seeufer besuchen und dort gemeinsam eine schöne Zeit haben möchten. Ich bitte aber gleichzeitig alle Nutzerinnen und Nutzer der Pipeline und anderer Bereiche, sich an die geltenden Spielregeln zu halten. Und ich bedanke mich vor allem auch bei jenen, die das ganz selbstverständlich tun, um das frei zugängliche Seeufer und seine Schönheit auch in Zukunft aufrechtzuerhalten. “

Noch wenig überzeugt von den präsentierten Maßnahmen sind die gut zehn Anrainer, die den Erläuterungen des Bürgermeisters lauschen. “Es fehlt ein Leitbild”, würde sich Pius Schlachter (65) mehr Vorgaben wünschen, damit die Polizei auch handeln kann. Die Stadtpolizei reagiere zwar auf jeden Anruf und sei sehr bemüht, könne aber wenig bewirken. “Das Seeufer ist eine Verlängerung der Fußgängerzone am Kornmarktplatz”, ist er überzeugt. “Wir sind hier nicht am ‘See unten’, sondern an dem Ort, als der sich Bregenz versteht, die Stadt am See.” Es gebe viele Familien und Alleinstehende, die sich derzeit nicht an die Pipeline und an das Seeufer wagen, ist er überzeugt. Es brauche daher auch entsprechende Regeln, um die Nachtruhe zu sichern, regt er ein Verbot der Musikboxen an. Dies könne man in einer Dialogrunde besprechen, lädt Ritsch die Anrainer ein.