Das zerbrechliche Familienglück der Moritschs

Vorarlberg / 09.05.2021 • 07:00 Uhr
Das zerbrechliche Familienglück der Moritschs
Familie Moritsch schaut optimistisch in die Zukunft. ROLAND PAULITSCH

Simona und Stefan Moritsch verloren eine Tochter und beinahe einen Sohn.

Feldkirch/Tosters Ein Mensch hält viel aus. Das weiß Simona Moritsch (46) aus eigener, leidvoller Erfahrung. Das Leben trug in den vergangenen zehn Jahren viel an die Tostnerin heran. Sie hätte die Herausforderungen nicht bewältigt, wenn sie auf sich allein gestellt gewesen wäre, sagt sie. „Ich war öfters am Limit. Aber mein Mann fing mich auf.“

“Statt der Taufe hatten wir eine Beerdigung.”

Simona Moritsch, zweifache Mutter

Wie die meisten Paare wünschten sich auch Simona und ihr Mann Stefan Kinder. Mit 36 erwartete Simona ihr erstes Kind. In der 24. Schwangerschaftswoche traten Komplikationen auf. „Meine Blutwerte waren schlecht. Die Ärzte bangten um mein Leben und um das meines ungeborenen Kindes. Sie sagten, dass das Baby wahrscheinlich nicht überleben wird.“ Als das Mädchen zur Welt kam, lebte es noch. 17 Minuten später war es tot. Es starb in den Armen seiner Mutter. Seit dem Tod von Tochter Eva weiß Simona, wie sich eine verwaiste Mutter fühlt. „Da bricht alles weg, die ganze Zukunft. Statt der Taufe hatten wir eine Beerdigung.“

Zwei Jahre später war sie wieder in freudiger Erwartung. „Das war heilsam für mich.“ Tochter Julia kam sechs Wochen zu früh zur Welt. „Sie hatte Probleme mit dem Atmen. Deshalb kam sie zur Überwachung in den Brutkasten.“ Simona war zunächst keine gelassene Mama. „Ich hatte Angst ums Kind und befürchtete, dass auch Julia sterben könnte.“ Doch je besser sich das Frühchen entwickelte, desto ruhiger wurde Simona. Sie wagte jetzt sogar daran zu denken, einem zweiten Kind das Leben zu schenken. „Ich wollte nicht, dass Julia allein auf der Welt ist.“

Lebensgefahr wegen Gebärmutterriss

Sohn David wurde vor vier Jahren unter dramatischen Umständen geboren. „Er kam früher als geplant. Die Ärzte waren gezwungen, einen Notkaiserschnitt zu machen. Meine Gebärmutter war gerissen. Mein Sohn und ich waren in Lebensgefahr.“ Die Mediziner konnten Mutter und Kind retten.

Das Leben schenkte Simona auch nach der dramatischen Geburt keine Verschnaufpause. Ihr Söhnchen war gerade mal sieben Wochen alt, als es eine massive Hirnblutung erlitt. Die Ärzte kämpften stundenlang um das Leben des Babys. Während der Notoperation betete seine Mutter ohne Unterlass. „Unter Tränen sagte ich zu Gott: ,Ich will nicht noch einmal ein Kind hergeben müssen.‘“ Das Bübchen überlebte den Eingriff. „Aber die Ärzte konnten uns nicht sagen, ob unser Sohn wieder gesund oder sein Leben lang schwer beeinträchtigt sein wird.“

Tochter Julia heilte Simona

David verlangte viel von Simona ab. „Er schlief keine Nacht durch, manchmal musste ich zwölf Mal aufstehen.“  Nachdem er aus dem Spital entlassen worden war, begann er wenige Wochen später an einer seltenen Säuglings-Epilepsie zu leiden. „Er hatte bis zu 20 Anfälle am Tag.“ Eine Therapie mit Cortison schlug an. „Seither ist er anfallsfrei.“  Ab da entwickelte David sich zur Freude seiner Eltern gut. „Wir hatten Angst bei ihm etwas zu übersehen. Deshalb achteten wir auf jede Regung.“ Aber ihre Sorge war unbegründet. Ihr Sohn wuchs zu einem gesunden Buben heran. „Er schaukelt wie ein Wilder, fährt voller Enthusiasmus Rad und klettert gerne auf Bäume“, zeigt Simona auf, wie robust ihr vierjähriger Sohn inzwischen ist. David, so hat seine Mutter das Gefühl, „lebt so, als ob er wüsste, dass er das Schlimmste überstanden hat“.  

Tochter Julia komplettiert das Familienglück. „Nach dem Tod von Eva war Julia meine Heilung. Ich durfte wieder Mutter sein. Julia ist sehr tiefsinnig und musikalisch sehr begabt.“

Nach all dem was Simona überstanden hat, weiß sie: „Ich kann viel bewältigen.“ Inzwischen quält sie auch kaum mehr Verlustangst. „Was soll denn noch sein? Es muss doch jetzt gut sein.“