Wie das Neubeck zum Café Weiss wurde

Vorarlberg / 11.04.2021 • 18:02 Uhr
So sah das Lokal in Bregenz einmal aus.<span class="copyright"> Sammlung Risch-Lau, Landesbibliothek</span>
So sah das Lokal in Bregenz einmal aus. Sammlung Risch-Lau, Landesbibliothek

Bewegte Geschichte des Hauses in der Anton-Schneider-Straße 5.

Bregenz Das Haus in der Bregenzer Anton-Schneider-Straße 5 hat eine lange Wirtshaus- und Kaffeehaus-Geschichte: Vor rund 470 Jahren war in der Oberen Gasse, wie die Anton-Schneider-Straße von alters her hieß, die Pfisterei (Bäckerei) des „Kapellenbeckens“ Gallus Rehm untergebracht. Um 1850 kam das Haus zu seinem Namen. Ein neuer Bäcker („Neubeck“) namens Gebhard Bechter kaufte das Haus Anton-Schneider-Straße 3 und das Nachbarhaus Nummer 5 gleich dazu. Er ließ wieder einen Backofen einbauen und eröffnete eine Gastwirtschaft und eine Bäckerei.

Bäcker mit goldenem Herzen

Eigentlich hieß diese Gastwirtschaft nach ihrem Besitzer Bechter, dem Bäckermeister mit goldenem Herzen. „Aus seinen freundlichen Augen leuchtete eine gute Seele, und die Mildtätigkeit Armen gegenüber gab ihm mit Recht das Zeugnis eines edlen Menschen. Das Bäckergewerbe übte er in Bregenz neben einer gut gehenden Wein- und Mostwirtschaft aus“ berichtet Hugo von Grütt. Als Bäckergesell kam er aus dem Schwabenland, brachte es mit Fleiß und Ehrlichkeit zum ehrenwerten Meister und konnte sich so das Haus kaufen. Im Volksmund war er als Neubäck bekannt. „Oft stand er mit seiner weißen Schürze, die Quastenmütze auf dem Kopf, eine Pfeife rauchend, unter der Türe, den Passanten fröhlich guten Morgen wünschend“, so Hugo von Grütt weiter.

Faschingsumzug trotz Verbots

Der Neubäck ließ sich von kaum jemanden etwas sagen und hatte es auch nicht so sehr mit den Obrigkeiten und Vorschriften. So war in der närrischen Zeit einmal eben von dieser Obrigkeit ein Maskenverbot erlassen worden. Den Neubäck kümmerte das wenig, er hielt einen maskierten Umzug ab. Er hängte ein Schiebefenster aus, steckte seinen Kopf mit der Zipfelmütze durch dieses Fenster und zog laut „Ore Ore“ rufend mit den Kindern durch die Stadt, „was ihm eine Rüge der Obrigkeit einbrachte“. Den polizeilichen Verweis quittierte der Neubäck ganz kokett mit dem Spruch: „I als alter Bürger und Steuerzahler schou zu minam oagana Feanschter usse, wia und solang i will!“

Prominent besetzter Stammtisch

Alsbald wurde das „Neubeck“ zum Bregenzer Literaturcafé: Die Mundartdichter Gebhard Weiss und Kaspar Hagen gehörten zu den Stammgästen wie auch der Uhrmacher und Optiker Präg, der Schuhmacher Ginthör oder der Kaufmann und Nadelfabrikant Weberbeck. Als echte Stammtischhocker schlossen sie sich zur Montagsgesellschaft „Zum Goldenen Neubeck“ zusammen, wo Witz und Frohsinn die Runde machten – so wird es kolportiert.

Café Weiss

Als Bechter 1880 starb, verkaufte die Witwe das Haus dem Graveur Hermann Weiss. Am 4. Oktober 1903 eröffnete Emil Weiss seine Konditorei und Bäckerei „Zum Neubeck“. Das Café Weiss, wie der „Neubeck“ nach der Besitzerfamilie ab 1926 genannt wurde, war ein Café nach Altwiener Tradition mit Thonetstühlen und Marmortischen. 1987 schloss das Café Weiss und wurde wieder das „Neubeck“. Bekannte Köche schwangen in den folgenden Jahren den Kochlöffel. Etwa das Ehepaar Nina und Werner Sotriffer. Als diese in Pension gingen, mussten die Gäste aber nicht lange warten, bis das Lokal wieder öffnete. Ihr Nachfolger Christopher Füxl hatte zuvor im Liechtensteiner Lokal Kokon bei Feinschmeckern für kulinarische Erlebnisse gesorgt. Heute heißt das Neubeck wieder Weiss, und Milena Broger und Erik Pedersen verwöhnen dort ihre Gäste. Fst

Heute heißt das ehemalige Neubeck wieder „Weiss“. <span class="copyright">fst</span>
Heute heißt das ehemalige Neubeck wieder „Weiss“. fst