Im Bregenzer Gösser wird seit 380 Jahren gewirtet

Vorarlberg / 24.03.2021 • 15:15 Uhr
Das Gösser in Bregenz ist eines der bekanntesten und traditionellsten Lokale im Land. 2013 sorgte Claus Haberkorn für ein neues Kapitel. <span class="copyright">fst</span>
Das Gösser in Bregenz ist eines der bekanntesten und traditionellsten Lokale im Land. 2013 sorgte Claus Haberkorn für ein neues Kapitel. fst

Bregenzer Gasthausklassiker kann eine bewegte Geschichte vorweisen.

Bregenz Im Gösser hinter der Seekapelle, in der Anton-Schneider-Straße, wird schon seit 380 Jahren gewirtschaftet, allerdings hat das „Gösser“ im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Namen und Fassade gewechselt. Erstmals wird es als Gasthaus Schwanen 1641 erwähnt. Der schriftliche Eintrag galt dem Schwanen-Wirt, er war vom Stadtrat bestraft worden, weil er es mit der Getränkesteuer nicht so genau genommen hatte.

Gedenktafel für Künstler

1658 ging das Haus um 1050 Gulden in den Besitz des Kaspar Feurstein aus Haselstauden bei Dornbirn über. Einer der berühmtesten Gäste war wohl der Barockmaler Matthäus Zehender (1641–1697), der von 1669 an vermutlich bis zu seinem Tod im Schwanen gewohnt und gearbeitet hat. In einem Brief schreibt er 1677 an seinen Bruder Philipp, der ebenfalls Maler war: „Hab nit gemeint, daß ich so lang in Bregenz wolle bleiben.“ In einem Kaufvertrag findet das „Maller Stible“ noch Erwähnung. Aus Anlass des 350. Geburtstags des Künstlers hat die Stadt Bregenz an der Fassade eine Gedenktafel anbringen lassen.

Verschiedene Namen

Das Haus hat im Laufe der Jahrhunderte oftmals nicht nur seinen Besitzer, sondern auch den Namen gewechselt. Im 17. Jahrhundert als Schwanen bewirtschaftet, wurde es im 18. Jahrhundert zum Gasthaus „Adler“, und um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es als Café Braun geführt. Der 1850 verstorbene Kreisamtskanzlist Gebhard Roder wusste zu berichten, dass in der „oberen Straße“ auch das Haus der jetzigen Kaffeewirtin Braun „(gegenwärtig Café Central)“ durch Baumeister Feuerstein im Jahre 1845 „ganz entsprechend hergestellt und […] ein recht nettes Gebäude geworden [sei]“. Nach dem „Braun“ hieß es zur „Neuen Welt“. Als Tierarzt Drechsel die Gaststätte erwarb, wurde es auch Café Drechsel genannt. Jedenfalls soll dieses weitum bekannte Lokal als Erstes seine Gäste mit dem ersten Ausschank des berühmten Pilsener Urquells erfreut haben. Möglich wurde das erst mit dem Anschluss Vorarlbergs an das Eisenbahnnetz und gekühlten Bierwaggons. Ausgeschenkt wurde in der wunderschönen, damals eingerichteten und heute noch bestehenden Zirbenstube im Herzen des Hauses.

Ball und Kinosaal

Der Zentralsaal, 1890 ausgebaut, hatte geradezu multifunktionalen Charakter: In der Fastnacht diente er als Ballsaal, unterm Jahr als Kino- und Konzertsaal und als Versammlungs- und Ausstellungsort. Nach dem Abbruch das Stadttheaters, das der Neugestaltung des Kornmarktes Platz machen musste, diente der Zentralsaal ab 1900 als Ersatz dafür.

1901 suchte das Bankhaus Ernst Schwarz & Söhne um die Konzession für das Lokal an, samt Beherbergung von Gästen in neun Betten. Dann taten sich einige Bürger zusammen, die in der Großdeutschen Partei aktiv waren. Sie gründeten die Deutsches Haus, Gasthofbetriebsgesellschaft mbH Bregenz. Die Bezirkshauptmannschaft gewährte ihr die Konzession 1925 mit der Auflage, dass auch alkoholfreie Getränke geführt und zu erschwinglichen Preisen abgegeben werden.

Seit 1945 Gösserbräu

1940, Bregenz war inzwischen eine Provinzstadt des Großdeutschen Reichs, erwog die „Deutsche Arbeitsfront“, eine nationalsozialistische Einheitsgewerkschaft, die Erwerbung des „Deutschen Hauses“. Doch 1941 kaufte es die Steirische Gösser Brauerei Aktiengesellschaft. Seit 1945 firmiert das Gasthaus als Gösserbräu.

Im Haus wurde insofern Geschichte gemacht, als der Saal, da er zentral lag, auch jahrzehntelang Wahllokal war. So haben hier beispielsweise die Bregenzer 1919 über die Vereinigung mit Rieden und Vorkloster abgestimmt und 1946 über den Verbleib der Fluh bei Bregenz.

Claus Haberkorn als Retter

Doch das Haus war in die Jahre gekommen, 2011 folgte der Konkurs, niemand wollte die notwendigen Renovierungskosten bezahlen. 2013 übernahm dann Claus Haberkorn die Liegenschaft und ließ das Haus gründlich renovieren. „Ich wollte etwas Bleibendes und Werterhaltendes für meine Heimatstadt machen“, erklärt er sein Investment. Fst