Vorarlberger fliegen auf Bus und Bahn

Vorarlberg / 16.03.2021 • 20:00 Uhr
Vorarlberger fliegen auf Bus und Bahn
VN/STEURER

Außerhalb Wiens werden Öffis in keinem Bundesland so geschätzt wie im Ländle.

SCHWARZACH „Das kommt nicht von ungefähr“, sagt Michael Schwendinger vom „Verkehrsclub Österreich“. Jahrelange Bemühungen würden sich hier bemerkbar machen, erklärt der Verkehrsplaner Martin Besch: Statistik Austria hat im Rahmen einer „Mikrozensus“-Erhebung mehr als 20.000 Haushalte vom Boden- bis zum Neusiedlersee befragt, wie attraktiv der öffentliche Verkehr nach ausgewählten Kriterien sei. An der Spitze steht Wien, wo es längst mehr Jahreskarten- als Autobesitzer gibt sowie ein dichtes Angebot, wie es eher nur in Großstädten üblich ist. Danach folgt jedoch Vorarlberg – und zwar mit deutlichem Vorsprung auf die meisten übrigen Bundesländer.
Während hier 71 Prozent die Kosten attraktiv finden, tun es dort durchwegs weniger als 50 Prozent. Auch Verbindungen und Intervalle werden in Vorarlberg mit 68 und 72 Prozent von sehr vielen geschätzt. In die Nähe dieser Werte kommt sonst ausschließlich Tirol mit 60 und 66 Prozent. In Kärnten und dem Burgenland sind es jeweils nur rund 40 Prozent. In puncto „Ausstatttung“ ist Vorarlberg mit 88 Prozent überhaupt Spitzenreiter.

Vorarlberger fliegen auf Bus und Bahn

Laut Schwendinger sind diese Werte alles andere als überraschend: Sie würden sich mit den Ergebnissen anderer Untersuchungen decken. Beispiel 1: Nach Kriterien der Österreichischen Raumordnungskonferenz sind in Vorarlberg 34 Prozent der Gemeinden sehr gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Bundesweit sind es lediglich 19 Prozent. Beispiel 2: Die Angebote werden auch genützt. Von Wien abgesehen wird in keinem anderen Land so viel Bus und Bahn gefahren wie in Vorarlberg. „Dazu kommt, dass man hier sehr früh günstige Tarife eingeführt hat“, so Schwendinger.

Martin Besch hat seine Karriere Anfang der 1970er Jahre bei den Zürcher Verkehrsbetrieben begonnen, ehe es ins Land zurückgekehrt ist. In der Schweiz sei man immer weit voraus gewesen. Immerhin aber habe man sich in Vorarlberg orientiert daran. Mit Erfolg: „Was den Busverkehr anbelangt, sind wir ebenbürtig mit dem ländlichen Bereich ebendort.“ Besch kennt auch das Gegenteil: „In Deutschland gibt es Regionen, in denen drei Mal am Tag ein Bus vorbeikommt“, berichtet er von regelmäßigen Verwandtschaftsbesuchen: „Bei uns gibt es zum Beispiel auch im Großen Walsertal einen Taktverkehr.“

Auch in Vorarlberg bestehe aber noch Luft nach oben: „Wo die Schweiz wesentlich besser ist als wir, ist die Bahn.“ Taktungen und Verknüpfungen seien in der Eidgenossenschaft perfektioniert worden. In Ballungsräumen gehe das so weit, dass man nicht einmal mehr auf den Fahrplan schauen müsse, weil immer etwas geht. „Auch darüber hinaus kann ich in der Schweiz praktisch bei jedem Bahnhof aussteigen – spätestens nach einer halben Stunde habe ich wieder einen Zug, mit dem ich weiterfahren kann.“