Wie der Bregenzer Elefantenstimmtisch zu seinem Namen kam

1976 führten Stammtischbrüder einen echten Elefanten in die Weinstube Brigantia.
Bregenz Manch einer dürfte sich noch an das legendäre „Brigantia“ erinnern, ein Traditionslokal in der Bregenzer Kornmarktstraße, dort, wo längst schon eine Cocktailbar eingezogen ist. Begonnen hatte aber alles mit einer Weinstube.
Diese Weinstube hat 1850 der Weinhändler und Schankwirt Josef Feßler geführt. In dieser Zeit hatte die Gaststätte einen besonderen Namen: „Trajekt“. Das muss um 1884 gewesen sein, damals, als die Arlbergbahn eröffnet wurde und damit der Bahnanschluss an das Kaiserreich geschafft war. Zwischen Lindau-Friedrichshafen und Überlingen hatte es aber noch keine Bahnverbindung gegeben. Außerdem war der Umweg vom Nordufer zum Südufer des Bodensees eher umständlich. Deshalb hat man auf Kähnen, eben den Trajektkähnen, die Güterwagen von Bregenz nach Friedrichshafen, Konstanz, dann auch nach Romanshorn befördert.
1922 Weinstube Brigantia
Gut zehn Jahre später hatte die Weinstube aber dann schon „Zum Schiff“ geheißen. Seit 1922 hieß sie „Weinstube Brigantia“. Wohl, weil es zum Pächternamen Karl Bregenzer besonders gut gepasst hat. Man kam in die Weinstube, um einen guten Tropfen zu genießen, regelmäßige Mittagsmenüs hatte es nur für ganz wenige Stammgäste gegeben.
„Lustenauer Hof“
Nach dem Krieg hat man zur Brigantia auch „Lustenauer Hof“ gesagt, weil eine Luschnauer Runde hier regelmäßig gesessen ist. Ein wichtiger Stammgast war auch der „Uhu“, der Prof. Böckle, mit seinen Pfadfindern. Und die vielen Studenten, die hier ihren Kosttag gehabt haben. Als Gastwirt lebte Karl Bregenzer in seinem Wirtshaus Brigantia eine gepflegte Weinkultur, bevor er sich anno 1954 ganz dem Weinhandel zuwandte. Karl Bregenzer war immer ein Familienbetrieb und das Team gehört in dem Sinne auch zur Familie.
Letzter Wirt in der Brigantia war Georg „Girgl“ Deeg. Zu seiner Zeit wurde die Brigantia zu einem beliebten Treffpunkt. Außerdem war die Brigantia, auch bekannt als „Breagazar“, die Heimat des Elefantenstammtisches.
Elefantenstammtisch
Anfangs zählte man 45 honorige Bregenzer Herren. „Auch ein Süaßlerschnitz aus Dornbirn, ein Lustenauer, ein Langener, ein Lochauer und vier Lauteracher gehörten der geselligen und humorigen Runde an“, erinnert sich Wolfi Längle, längst pensionierter Schlossermeister vom Steinenbach und letzter „Überlebender“ des legendären Stammtischs. Und er erinnert sich noch genau, wie der Stammtisch zu seinem Namen kam: „Stammtischbruder Emil brachte immer seinen Rehpinscher mit zur Runde. Und der bekam einen eigenen Sitzplatz am Stammtisch. Von einigen als unerhört empfunden, schwang sich Stammtischbruder Fritz zum Versprechen auf: Wenn der immer seinen Hund mitbringt, dann komme ich einmal mit einem Elefanten!
Elefant in der Weinstube
Ein Stammtisch-Mann – ein Wort. Als eines Tages im Jahr 1976 wieder einmal der Zirkus Krone in der Stadt gastierte, lieh sich Fritz dort einen Elefanten aus. Natürlich samt fachkundigem Mahut, wie die Elefantenführer genannt werden. Und natürlich ging der Aktion eine genaue Vermessung des sanften grauen Riesen voraus. Schließlich sollte er ja durch die Wirtshaustüre passen. Das ungläubige Staunen am Stammtisch und von Zaungästen auf dem Weg dorthin, kann man sich vorstellen. „Es war dies sicher die spektakulärste Aktion unseres Stammtischs“, denkt Wolfi an diesen legendären Elefantenauftritt zurück. Und so kam der Stammtisch zu seinem Namen.
Reinigung kostete 150 Schilling
Und Wolfi Längle hat dazu gleich noch eine Geschichte parat: „Wir führten den Elefanten natürlich nach seinem Auftritt wieder zum Zirkus zurück. Dazu nahmen wir den Weg durch die Seeanlagen, dabei hinterließ unser neuer Stammtischfreund auch mehrere Hinterlassenschaften. Der Zirkus Krone verlangte keinen Groschen für den außertourlichen Auftritt seines Tiers. Dafür kam aber einige Tage später eine Rechnung an unseren Stammtisch geflattert. Wir durften für das Aufkehren der Elefantenbollen durch den Bauhof 150 Schilling in die Stadtkasse einzahlen.“
Das war aber nicht die einzige Wahnsinnstat des Stammtisches, erinnert sich Mandy Strasser, legendärer Wirt vom „Mandy“. Fst

